Brasilien vor einer Richtungswahl: Lula und Bolsonaro-Sohn kämpfen um die Präsidentschaft
Brasilien entscheidet über seine Zukunft
Brasilien steht am Sonntag, 25. Oktober 2026, vor einer der spannendsten Präsidentschaftsentscheidungen seiner jüngeren Geschichte. In der Stichwahl treten Amtsinhaber Luiz Inácio Lula da Silva und der konservative Senator Flávio Bolsonaro gegeneinander an. Der Sohn des früheren Präsidenten Jair Bolsonaro fordert den linken Staatschef heraus. Nachdem beide Kandidaten im ersten Wahlgang eng beieinanderlagen, könnte die Entscheidung über den künftigen Kurs der größten Volkswirtschaft Lateinamerikas äußerst knapp ausfallen.
Lula gegen Bolsonaro: Zwei politische Lager kämpfen um die Macht
Bei der Präsidentschaftswahl treffen zwei grundlegend unterschiedliche politische Richtungen aufeinander.
Lula da Silva steht für eine Politik, die staatliche Sozialprogramme, Armutsbekämpfung und die wirtschaftliche Unterstützung einkommensschwacher Bevölkerungsgruppen in den Mittelpunkt stellt.
Sein Herausforderer Flávio Bolsonaro vertritt einen konservativen Kurs. Er setzt insbesondere auf eine härtere Sicherheitspolitik, wirtschaftliche Reformen und engere Beziehungen zu den Vereinigten Staaten.
Im ersten Wahlgang lag Flávio Bolsonaro nach den veröffentlichten Ergebnissen mit rund 47 Prozent vor Lula, der etwa 45 Prozent erreichte.
Da keiner der Kandidaten die notwendige absolute Mehrheit gewann, entscheidet nun eine Stichwahl über die Präsidentschaft.
Beide Bewerber müssen dabei auch Menschen überzeugen, die im ersten Wahlgang für andere Kandidaten gestimmt haben.
Flávio Bolsonaro setzt das politische Erbe seines Vaters fort
Der konservative Herausforderer ist der Sohn des früheren Präsidenten Jair Bolsonaro.
Dieser hatte Brasilien von 2019 bis 2022 regiert und das Land politisch stark polarisiert.
Flávio Bolsonaro versucht, die Anhänger seines Vaters für seine eigene Kandidatur zu mobilisieren.
Ein Schwerpunkt seiner Kampagne ist der Kampf gegen die organisierte Kriminalität.
Er fordert unter anderem härtere Strafen und den Ausbau von Hochsicherheitsgefängnissen.
Zugleich wirbt er für eine wirtschaftsfreundliche Politik und eine engere Zusammenarbeit mit Washington.
Seine Kandidatur steht jedoch auch unter dem Eindruck von Korruptionsvorwürfen und Ermittlungen aus seiner politischen Vergangenheit.
Dabei gilt die Unschuldsvermutung. Ermittlungen und Anschuldigungen sind nicht mit einer rechtskräftigen Verurteilung gleichzusetzen.
Lula kämpft mit Sozialpolitik und wirtschaftlichen Versprechen
Lula da Silva regierte Brasilien bereits von 2003 bis 2010 und kehrte Anfang 2023 in das Präsidentenamt zurück.
Während seiner früheren Amtszeiten profitierte Brasilien von wirtschaftlichem Wachstum und dem Ausbau sozialer Programme.
Auch im aktuellen Wahlkampf verweist Lula auf seine Maßnahmen gegen Armut und soziale Ungleichheit.
Er verspricht weitere Verbesserungen für Arbeitnehmer und einkommensschwache Haushalte.
Dazu gehören steuerliche Entlastungen und arbeitsmarktpolitische Veränderungen.
Allerdings steht der Präsident wegen der wirtschaftlichen Lage unter Druck.
Hohe Lebenshaltungskosten, Sicherheitsprobleme und politische Kontroversen belasten seine Zustimmungswerte.
Für Lula wird entscheidend sein, ob er neben seiner traditionellen Wählerschaft auch die politische Mitte erreichen kann.
Verhältnis zu den USA wird zum Wahlkampfthema
Die brasilianische Präsidentschaftswahl hat auch internationale Bedeutung.
Brasilien gehört zu den wichtigsten Handelspartnern Chinas und spielt eine bedeutende Rolle innerhalb der BRICS-Staatengruppe.
Gleichzeitig bestehen enge wirtschaftliche Verbindungen zu den Vereinigten Staaten.
Flávio Bolsonaro steht politisch dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump näher.
Lula betont dagegen stärker die außenpolitische Eigenständigkeit Brasiliens.
Handelskonflikte und amerikanische Zollmaßnahmen haben die Frage nach dem künftigen Verhältnis zu Washington zusätzlich verschärft.
Das Ergebnis könnte sich daher auf die internationale Positionierung Brasiliens auswirken.
Der Amazonas steht ebenfalls zur Wahl
Eine wichtige Rolle spielt der Umgang mit dem Amazonas-Regenwald.
Brasilien besitzt große Teile des weltweit bedeutenden tropischen Waldgebietes.
Die Entwicklung der Abholzung ist deshalb nicht nur ein nationales, sondern auch ein internationales Klimathema.
Lula stellt den Schutz des Regenwaldes in den Mittelpunkt seiner Umweltpolitik.
Während der Präsidentschaft Jair Bolsonaros war die Entwaldung erheblich gestiegen.
Sein Sohn Flávio vertritt eine andere klima- und wirtschaftspolitische Linie als der Amtsinhaber.
Für internationale Umweltorganisationen wird deshalb auch die zukünftige Politik gegenüber Landwirtschaft, Bergbau und Waldschutz von Bedeutung sein.
Rund 160 Millionen Menschen sind zur Wahl aufgerufen
In Brasilien gilt für einen großen Teil der erwachsenen Bevölkerung die Wahlpflicht.
Rund 160 Millionen Wahlberechtigte können über das nächste Staatsoberhaupt entscheiden.
Die Stimmen werden elektronisch abgegeben.
Das brasilianische Wahlsystem ermöglicht nach Schließung der Wahllokale eine vergleichsweise schnelle Auszählung.
Mit ersten belastbaren Ergebnissen wird deshalb noch am Sonntag gerechnet.
Bis dahin bleibt offen, welcher Kandidat die notwendige Mehrheit erhält.
Entscheidung mit Folgen weit über Brasilien hinaus
Die Stichwahl ist mehr als ein Duell zweier Politiker.
Sie entscheidet über die Richtung der Sozial-, Sicherheits-, Wirtschafts- und Außenpolitik Brasiliens.
Für Europa geht es dabei ebenfalls um erhebliche Interessen.
Brasilien ist ein wichtiger Handelspartner und besitzt durch seine Rohstoffe, seine Landwirtschaft und den Amazonas-Regenwald große internationale Bedeutung.
Ob Lula seine Präsidentschaft fortsetzen kann oder Flávio Bolsonaro einen konservativen Machtwechsel erreicht, wird am Sonntag entschieden.