Am Samstag, 24. Oktober 2026, werden die Vereinten Nationen 81 Jahre alt. Die Weltorganisation wurde nach dem Zweiten Weltkrieg gegründet, um internationale Konflikte möglichst friedlich zu lösen und künftige Kriege zu verhindern. Doch während rund um den Globus bewaffnete Konflikte andauern, steht die UNO zunehmend in der Kritik. Besonders umstritten ist das Vetorecht der fünf ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats. Sie können wichtige Beschlüsse verhindern – selbst dann, wenn die Mehrheit der übrigen Staaten zustimmt. Zum Jahrestag stellt sich deshalb eine grundlegende Frage: Wie handlungsfähig ist die Weltorganisation noch?
Am 24. Oktober 1945 begann eine neue Weltordnung
Die Geschichte der Vereinten Nationen ist eng mit den Erfahrungen des Zweiten Weltkriegs verbunden.
Nach Millionen Toten, zerstörten Städten und den Verbrechen des Nationalsozialismus wollten die beteiligten Staaten eine internationale Organisation schaffen, die neue Kriege möglichst verhindern sollte.
Am 26. Juni 1945 wurde in San Francisco die Charta der Vereinten Nationen unterzeichnet.
Sie trat am 24. Oktober desselben Jahres in Kraft.
Dieses Datum gilt bis heute als Gründungstag der UNO.
Zu den ursprünglichen Zielen gehörten die Sicherung des internationalen Friedens, die Förderung freundschaftlicher Beziehungen zwischen Staaten und die internationale Zusammenarbeit.
Auch die Menschenrechte wurden zu einem zentralen Bestandteil der neuen Weltordnung.
Heute gehören den Vereinten Nationen 193 Mitgliedstaaten an.
Damit ist die Organisation nahezu weltweit vertreten.
Fünf Staaten verfügen über eine besondere Macht
Die bedeutendste Institution für Fragen des internationalen Friedens ist der Sicherheitsrat.
Er besteht aus 15 Mitgliedern.
Zehn Sitze werden zeitlich befristet vergeben. Fünf Staaten gehören dem Gremium dauerhaft an.
Dabei handelt es sich um die Vereinigten Staaten, Russland, China, Frankreich und Großbritannien.
Diese fünf Staaten verfügen über ein besonderes Vetorecht.
Bei inhaltlichen Beschlüssen des Sicherheitsrats reicht es nicht aus, dass eine Mehrheit zustimmt.
Stimmt eines der fünf ständigen Mitglieder dagegen, kann ein entsprechender Beschluss grundsätzlich nicht angenommen werden.
Eine Enthaltung hat dagegen nicht dieselbe Wirkung wie ein Veto.
Das System entstand 1945 unter den damaligen machtpolitischen Bedingungen.
Die entscheidenden Siegermächte des Zweiten Weltkriegs sollten dauerhaft in die internationale Sicherheitsordnung eingebunden werden.
Heute wird zunehmend darüber diskutiert, ob diese Struktur die tatsächlichen politischen Kräfteverhältnisse noch angemessen widerspiegelt.
Warum Russland Beschlüsse zum Ukraine-Krieg blockieren kann
Die Grenzen dieses Systems zeigen sich besonders deutlich beim russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine.
Russland ist selbst ständiges Mitglied des Sicherheitsrats.
Damit kann es bestimmte Beschlüsse verhindern, die sich unmittelbar gegen seine eigene Politik richten.
Bereits kurz nach Beginn der groß angelegten Invasion im Februar 2022 nutzte Moskau sein Vetorecht gegen einen Resolutionsentwurf, der das russische Vorgehen verurteilen sollte.
Die Mehrheit der Sicherheitsratsmitglieder hatte den Entwurf unterstützt.
Das russische Veto verhinderte jedoch seine Annahme.
Die Generalversammlung der Vereinten Nationen konnte anschließend eigene Resolutionen verabschieden.
Diese haben jedoch grundsätzlich nicht dieselbe rechtliche Wirkung wie verbindliche Entscheidungen des Sicherheitsrats.
Das Beispiel verdeutlicht ein grundlegendes Problem: Ein Staat, der selbst an einem bewaffneten Konflikt beteiligt ist, kann im Sicherheitsrat durch sein Vetorecht wichtige Maßnahmen gegen sich blockieren.
Auch die USA nutzen ihr Vetorecht
Das Vetorecht wird nicht ausschließlich von Russland eingesetzt.
Auch die Vereinigten Staaten haben in der Vergangenheit wiederholt Beschlüsse des Sicherheitsrats verhindert.
Besonders häufig betraf dies Resolutionen zum Nahostkonflikt und zur israelischen Politik.
Washington begründet entsprechende Entscheidungen unter anderem mit Sicherheitsinteressen Israels oder Einwänden gegen die Formulierung einzelner Resolutionsentwürfe.
Kritiker werfen den USA dagegen vor, dadurch internationale Maßnahmen zum Schutz der Zivilbevölkerung zu blockieren.
Auch China, Frankreich und Großbritannien besitzen das Vetorecht.
Die Häufigkeit seiner Anwendung unterscheidet sich jedoch erheblich zwischen den einzelnen Staaten und historischen Zeiträumen.
Die politische Wirkung bleibt gleich: Ein einzelnes ständiges Mitglied kann eine inhaltliche Entscheidung des Sicherheitsrats verhindern.
Damit wird das Gremium immer wieder zum Schauplatz internationaler Machtkonflikte.
UN-Generalversammlung kann ein Veto nicht einfach aufheben
In der Generalversammlung besitzen alle 193 Mitgliedstaaten grundsätzlich eine Stimme.
Dort können Staaten Resolutionen verabschieden, politische Positionen formulieren und internationale Entwicklungen diskutieren.
Allerdings kann die Generalversammlung ein Veto des Sicherheitsrats nicht einfach außer Kraft setzen.
Ihre Beschlüsse sind zudem in vielen Bereichen rechtlich nicht verbindlich.
Um die politische Verantwortung für Vetos sichtbarer zu machen, wurde 2022 ein neues Verfahren eingeführt.
Nach einem Veto im Sicherheitsrat soll sich die Generalversammlung grundsätzlich mit dem entsprechenden Vorgang befassen.
Das ermöglicht eine öffentliche Debatte, ohne das Vetorecht selbst abzuschaffen.
Auch im September 2026 wurde ein Veto im Zusammenhang mit Fragen der Nichtverbreitung von Waffen in einem besonderen Bericht an die Generalversammlung dokumentiert.
Für den 1. Oktober wurde daraufhin eine entsprechende Aussprache angesetzt.
Der Mechanismus verbessert somit die öffentliche Nachvollziehbarkeit solcher Entscheidungen.
Die grundlegende Machtverteilung bleibt jedoch unverändert.
Warum eine Reform des Sicherheitsrats so schwierig ist
Seit Jahrzehnten wird über eine Veränderung des Sicherheitsrats diskutiert.
Besonders Staaten aus Afrika, Asien und Lateinamerika kritisieren, dass ihre Regionen nicht angemessen unter den ständigen Mitgliedern vertreten sind.
Auch Deutschland gehört zu den Ländern, die eine Reform des Gremiums unterstützen.
Gemeinsam mit Brasilien, Indien und Japan setzt sich die Bundesregierung im sogenannten G4-Format für eine Erweiterung des Sicherheitsrats ein.
Dabei geht es sowohl um neue ständige als auch um zusätzliche nichtständige Sitze.
Die Reform scheitert bislang an unterschiedlichen Interessen der Mitgliedstaaten.
Hinzu kommen erhebliche rechtliche Hürden.
Eine Änderung der UN-Charta benötigt zunächst die erforderliche Mehrheit der Generalversammlung.
Anschließend muss sie von zwei Dritteln der Mitgliedstaaten ratifiziert werden – einschließlich sämtlicher fünf ständiger Mitglieder des Sicherheitsrats.
Damit verfügen gerade jene Staaten, deren Sonderrechte verändert werden könnten, über eine entscheidende Stellung im Reformverfahren.
UNO ist weit mehr als der Sicherheitsrat
Trotz der häufigen Blockaden im Sicherheitsrat wäre es falsch, die gesamte Arbeit der Vereinten Nationen ausschließlich an diesem Gremium zu messen.
Die UNO und ihre Sonderorganisationen übernehmen zahlreiche weitere Aufgaben.
Dazu gehören humanitäre Hilfe, Gesundheitsprogramme, Unterstützung für Flüchtlinge und internationale Zusammenarbeit bei Bildung und Ernährung.
Organisationen wie UNICEF, das Welternährungsprogramm und das Flüchtlingshilfswerk UNHCR sind weltweit tätig.
Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO gehört zum System der Vereinten Nationen.
In Kriegs- und Katastrophengebieten unterstützen UN-Einrichtungen Millionen Menschen mit medizinischer Versorgung, Lebensmitteln und anderen Hilfsgütern.
Diese Arbeit kann auch dann fortgesetzt werden, wenn der Sicherheitsrat bei politischen Fragen keine Einigung erzielt.
Allerdings sind viele Programme auf ausreichende Finanzmittel und die Zusammenarbeit mit nationalen Regierungen angewiesen.
Reforminitiative UN80 soll die Organisation modernisieren
Zum 80. Gründungsjahr starteten die Vereinten Nationen 2025 die sogenannte UN80-Initiative.
Sie soll die Organisation auf neue politische, wirtschaftliche und technische Herausforderungen vorbereiten.
Dazu gehört die Prüfung bestehender Verwaltungsstrukturen und Arbeitsabläufe.
Auch die bessere Abstimmung zwischen unterschiedlichen UN-Organisationen spielt eine Rolle.
UN-Generalsekretär António Guterres will damit die Leistungsfähigkeit der Weltorganisation stärken.
Im Mittelpunkt stehen Fragen nach Effizienz, Finanzierung und der tatsächlichen Wirkung internationaler Programme.
Die Initiative ersetzt jedoch keine grundlegende Reform des Sicherheitsrats.
Insbesondere das Vetorecht der fünf ständigen Mitglieder bleibt eine eigenständige politische Streitfrage.
Guterres warnt zum Jahrestag vor neuen globalen Krisen
Anlässlich des 81. Jahrestages hat UN-Generalsekretär António Guterres eine Botschaft veröffentlicht.
Darin erinnert er an die ursprüngliche Idee der Vereinten Nationen: Frieden, Entwicklung und Menschenrechte durch internationale Zusammenarbeit zu fördern.
Gleichzeitig verweist er auf die gegenwärtigen Herausforderungen.
Die Welt sei von bewaffneten Konflikten, der Klimakrise und wachsenden Ungleichheiten geprägt.
Auch neue Technologien entwickelten sich teilweise schneller, als internationale Regeln geschaffen werden könnten.
Guterres fordert die Mitgliedstaaten deshalb auf, sich erneut zu den Grundsätzen der UN-Charta und des Völkerrechts zu bekennen.
Aus seiner Sicht sind internationale Zusammenarbeit und gemeinsame Institutionen angesichts dieser Entwicklungen besonders wichtig.
Seine Botschaft richtet sich damit auch an Staaten, die internationale Vereinbarungen zunehmend infrage stellen oder ihre nationalen Interessen stärker betonen.
Welche Rolle spielt Deutschland bei den Vereinten Nationen?
Deutschland ist seit dem 18. September 1973 Mitglied der Vereinten Nationen.
Damals traten die Bundesrepublik Deutschland und die Deutsche Demokratische Republik gleichzeitig der Organisation bei.
Für die deutsche Nachkriegsgeschichte war dies ein bedeutender diplomatischer Schritt.
Beide deutschen Staaten wurden damit international als eigenständige Mitglieder in die Weltorganisation aufgenommen.
Nach der deutschen Wiedervereinigung 1990 setzte die Bundesrepublik die Mitgliedschaft des vereinten Deutschlands fort.
Deutschland gehört heute zu den wichtigen Beitragszahlern des UN-Systems.
Neben finanziellen Leistungen beteiligt sich die Bundesregierung an internationalen Hilfsprogrammen, diplomatischen Initiativen und ausgewählten Friedensmissionen.
Ein ständiger Sitz im Sicherheitsrat bleibt Deutschland jedoch verwehrt.
Zwischen Anspruch und politischer Wirklichkeit
Die Vereinten Nationen wurden gegründet, um Konflikte durch internationale Regeln und diplomatische Zusammenarbeit einzudämmen.
Ihre tatsächlichen Möglichkeiten werden jedoch durch die Interessen ihrer Mitgliedstaaten begrenzt.
Gerade die Großmächte besitzen aufgrund des Vetorechts erheblichen Einfluss.
Wenn sie sich nicht einigen, kann der Sicherheitsrat bei zentralen Fragen blockiert bleiben.
Gleichzeitig verfügt die UNO weder über eine unabhängige Weltregierung noch über eine eigene, ständig verfügbare Armee, mit der sie ihre Beschlüsse nach Belieben durchsetzen könnte.
Sie ist auf die Zusammenarbeit der Mitgliedstaaten angewiesen.
Darin liegt ein grundlegender Unterschied zwischen dem politischen Anspruch der Organisation und ihren tatsächlichen Handlungsmöglichkeiten.
81 Jahre UNO: Reform oder anhaltende Blockade?
Am 24. Oktober 2026 blickt die Weltorganisation auf 81 Jahre Geschichte zurück.
In dieser Zeit hat sie internationale Abkommen ermöglicht, humanitäre Programme aufgebaut und zur Entwicklung gemeinsamer Regeln beigetragen.
Sie konnte jedoch nicht verhindern, dass es weiterhin schwere Kriege und massive Menschenrechtsverletzungen gibt.
Vor allem das Vetorecht im Sicherheitsrat bleibt ein umstrittener Bestandteil der internationalen Ordnung.
Eine Abschaffung oder grundlegende Begrenzung würde die Zustimmung jener Staaten erfordern, die von diesem Recht besonders profitieren.
Damit steht die UNO vor einem strukturellen Problem, das nicht allein durch organisatorische Reformen gelöst werden kann.
Die Frage zum 81. Jahrestag lautet deshalb nicht nur, ob die Vereinten Nationen noch gebraucht werden.
Entscheidend ist vielmehr, ob ihre Mitgliedstaaten bereit sind, der Organisation die politischen Möglichkeiten zu geben, die sie zur Erfüllung ihres Friedensauftrags benötigt.