Feuchtigkeit im Dach, Pilzbefall in der Holzkonstruktion und Schäden am Mauerwerk gefährden eines der bedeutendsten Bauwerke der Oderstadt. Nun wächst der politische Druck auf das Land Brandenburg, sich stärker an der Sicherung und Sanierung zu beteiligen.
Der Frankfurter Landtagsabgeordnete Sven Hornauf von der BSW-Fraktion fordert von der Landesregierung konkretere Aussagen zur Zukunft der St.-Marien-Kirche. Nach einem am Mittwochmorgen veröffentlichten Bericht erwartet er mehr Engagement und Unterstützung für die Stadt Frankfurt (Oder).
Die Kirche steht inzwischen auf der Liste der bedrohten Denkmäler in Brandenburg. Als Grund werden eindringende Feuchtigkeit im Dach und daraus entstandene Schäden an der Holzkonstruktion genannt.
Schäden seit Jahren bekannt
Hornauf hatte die Landesregierung bereits mit einer Kleinen Anfrage zum Zustand der Marienkirche befasst. In dem parlamentarischen Dokument verweist er auf eindringendes Regenwasser, bröckelndes Mauerwerk und einen Pilzbefall im Dachbereich.
Nach der Antwort der Landesregierung besteht die Steuerungsrunde für die Marienkirche seit 2018. Bereits damals sei klar gewesen, dass das Gebäude einen erheblichen Pflegebedarf habe und ein ausreichendes Budget für Wartung und regelmäßige Kontrollen notwendig sei.
Die beginnenden Schäden an der Dachkonstruktion und an der Dachhaut wurden demnach seit Ende 2018 in der Arbeitsgruppe Bau behandelt. Das tatsächliche Ausmaß und die akute Gefährdung seien jedoch erst durch Untersuchungen im Jahr 2025 deutlich geworden.
Weitere Begutachtungen erfolgten im Januar und März 2026. Dabei wurden Feuchtigkeitsschäden und Pilzbefall an Dach, Rinnen und Holzkonstruktionen festgestellt.
Mindestens 670.000 Euro für bekannte Probleme
Eine vollständige Kostenschätzung und ein verbindlicher Zeitplan liegen bislang nicht vor. Nach Angaben der Landesregierung ist es Aufgabe der Stadt Frankfurt (Oder), die Kosten der Sanierungsmaßnahmen zu ermitteln und einen Zeitplan für die Umsetzung zu erarbeiten.
Die Arbeitsgruppe Bau geht für die Beseitigung der bislang erkannten baulichen Probleme derzeit von Kosten in Höhe von mindestens 670.000 Euro aus. Weitere Untersuchungen und eine Machbarkeitsstudie könnten zusätzliche Arbeiten und damit höhere Kosten ergeben.
Geplant sind unter anderem die Beseitigung der Feuchtigkeitsschäden und des Pilzbefalls im Dachbereich. Außerdem sollen der Westbau gesichert und die Ursachen der Durchfeuchtung im sogenannten Martyrchor geklärt werden.
Ein zwölfmonatiges Monitoring der Grabenrinne läuft bereits. Für das Langhaus ist ein Raumgerüst vorgesehen. Die Umsetzung weiterer Reparaturen und Sanierungen hängt nach Darstellung der Landesregierung jedoch von den verfügbaren Finanzmitteln ab.
Förderprogramme verlangen Eigenanteil der Stadt
Als mögliche Finanzierungsquellen nennt die Landesregierung die Denkmalhilfe des Landes Brandenburg und das Denkmalschutz-Sonderprogramm des Bundes. Beide Programme setzen allerdings Eigenmittel der Stadt Frankfurt (Oder) voraus.
Darüber hinaus könnten Förderanträge bei der Ostdeutschen Sparkassenstiftung oder der Deutschen Stiftung Denkmalschutz gestellt werden. Diese Mittel könnten zur Rettung wertvoller Bausubstanz oder einzelner Kunstwerke eingesetzt werden.
Gerade der notwendige kommunale Eigenanteil könnte für Frankfurt zum Problem werden. Hornauf hatte bereits in seiner Anfrage auf die angespannte Haushaltslage der Stadt und fehlende Mittel für die laufende Unterhaltung des Denkmals hingewiesen.
Land sieht hohe Priorität für das Dach
Aus Sicht des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege hat eine dauerhaft funktionsfähige Dachhaut hohe Priorität. Weiter eindringendes Wasser könne zu fortschreitenden Schäden an Dach-, Decken- und Wandkonstruktionen führen.
Einen konkreten Zeitpunkt, ab dem die Kirche nicht mehr sachgerecht erhalten werden könnte, nennt die Landesregierung nicht. Ein solcher „Kipp-Punkt“ lasse sich auf Grundlage der bisherigen Erkenntnisse nicht bestimmen.
Die Marienkirche gehört zu den wichtigsten historischen Bauwerken Frankfurts. Ihre Geschichte reicht bis in die Zeit der Stadtgründung im 13. Jahrhundert zurück. Der Förderverein bezeichnet sie als größte mittelalterliche Hallenkirche der norddeutschen Backsteingotik. Nach schweren Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wurde das Gebäude gesichert und später schrittweise saniert.
Quellen
Landtag Brandenburg – Kleine Anfrage 1088 des Abgeordneten Sven Hornauf: „Frankfurt hat einen Dachschaden“, Drucksache 8/2885, ausgegeben am 1. Juni 2026.
Landtag Brandenburg – Antwort der Landesregierung auf die Kleine Anfrage 1088, Drucksache 8/3045, ausgegeben am 29. Juni 2026.
Förderverein St. Marienkirche Frankfurt (Oder) – Angaben zur Geschichte, Bedeutung und Erhaltung des Bauwerks.