Am heutigen Freitag beginnt einer der kulturellen Höhepunkte des Erfurter Sommers. Um 20.30 Uhr hebt sich auf den Domstufen der imaginäre Vorhang für Andrew Lloyd Webbers und Tim Rices „Jesus Christ Superstar“. Die Premiere ist ausverkauft. Bis zum 30. August verwandelt das Theater Erfurt den Domplatz in eine monumentale Open-Air-Bühne.
Das Rockmusical erzählt die letzten sieben Tage im Leben Jesu von Nazareth. Dabei steht nicht eine klassische Passionsgeschichte im Mittelpunkt. Die Autoren behandeln vielmehr Themen wie Macht, Revolution, Unterdrückung, Verrat, Geld und die Frage, wie eine charismatische Persönlichkeit zur Projektionsfläche einer ganzen Gesellschaft werden kann.
Peter Lund kehrt nach Erfurt zurück
Die Inszenierung übernimmt Peter Lund. Für regelmäßige Besucher des Theaters ist der Regisseur kein Unbekannter. Bereits mit seiner Rockoper „Jedermann“ war er in Erfurt präsent.
Die musikalische Leitung liegt bei Clemens Fieguth. Für das Bühnenbild zeichnet Hank Irwin Kittel verantwortlich, die Kostüme stammen von Ulrike Reinhardt und die Choreografie von Bart De Clercq.
Die Produktion führt die Geschichte bewusst durch unterschiedliche Epochen. Das Theater hatte bereits bei der Vorstellung des Konzepts angekündigt, eine Verbindung von historischer Weihnachtsgeschichte bis zu Formen moderner amerikanischer Fernsehpredigt herzustellen.
Musical war zunächst ein Album
„Jesus Christ Superstar“ gehört heute zu den bekanntesten Werken Andrew Lloyd Webbers. Ursprünglich erschien die Musik allerdings als Konzeptalbum.
Erst nach dem kommerziellen Erfolg wurde das Werk für die Bühne umgesetzt. Spätestens durch die Verfilmung von 1973 entwickelte sich das Musical zu einem internationalen Klassiker.
Die Musik trägt deutlich Einflüsse der Rockkultur der späten 1960er- und frühen 1970er-Jahre.
Damit unterscheidet sich das Stück grundlegend von klassischen Passionsspielen.
21 Vorstellungen bis Ende August
Nach der Premiere stehen nahezu jeden Abend weitere Vorstellungen auf dem Programm.
Das Theater hat Aufführungen am 8. und 9. August sowie anschließend nahezu durchgehend bis zum 30. August angesetzt. Insgesamt umfasst der veröffentlichte Spielplan 21 Termine einschließlich der Premiere.
Die Nachfrage ist groß. Für die Premiere zeigt das Theater aktuell keine verfügbaren Karten mehr an.
Domstufen ziehen Besucher aus ganz Deutschland an
Die DomStufen-Festspiele gehören inzwischen weit über Thüringen hinaus zu den bekanntesten Kulturveranstaltungen Erfurts.
Das Theater verweist darauf, dass die Veranstaltungen im Laufe der Jahre hunderttausende Besucher erreicht haben. Die Nachfrage führte bereits zu einer Vergrößerung des Platzangebotes auf der Zuschauertribüne und zu zusätzlichen Aufführungsterminen.
Davon profitiert nicht allein das Theater.
Hotels, Restaurants und Geschäfte in der Altstadt verzeichnen während der Festspiele zusätzliche Besucher. Erfurt Tourismus bietet sogar komplette Reisepakete mit Übernachtung, Stadtrundgang, Festspielkarte und Thüringer Menü an.
Festspiele werden erstmals barrierefreier
Eine Neuerung folgt später im August.
Am 22. und 25. August werden Vorstellungen erstmals mit Audiodeskription angeboten. Blinde und sehbehinderte Gäste erhalten dabei über ein Audioguide-System Beschreibungen von Bühnenbild, Kostümen, Bewegungen und anderen visuellen Elementen.
Vor den Aufführungen soll zusätzlich eine Tastführung angeboten werden.
Damit erweitert das Theater das Festspielangebot um ein Format, das bisher auf den Domstufen nicht vorhanden war.
Für Erfurt beginnt mit der Premiere heute Abend nun zunächst ein dreiwöchiger Theatersommer auf einem der markantesten Plätze der Stadt.
Quellen
Theater Erfurt: „Jesus Christ Superstar“, Spielplan der DomStufen-Festspiele 2026
Erfurt Tourismus und Marketing GmbH: DomStufen-Festspiele 2026
Theater Erfurt: Pressekonferenz zur Produktion „Jesus Christ Superstar“