Als Katarina Witt 1984 in Sarajevo erstmals Olympiasiegerin wurde, war sie 18 Jahre alt. Vier Jahre später verteidigte sie ihren Titel in Calgary. Mit zwei olympischen Goldmedaillen, vier Weltmeisterschaften, sechs Europameisterschaften in Folge und acht DDR-Meistertiteln wurde die in Karl-Marx-Stadt ausgebildete Sportlerin zu einer der erfolgreichsten Eiskunstläuferinnen ihrer Zeit.
Ihre Karriere war jedoch mehr als eine außergewöhnliche Sammlung von Medaillen. Witt verband sportliche Präzision mit Musikalität, Ausdruck und einer Bühnenpräsenz, die sie weit über den Eiskunstlauf hinaus bekannt machte.
Vom Berliner Umland nach Karl-Marx-Stadt
Katarina Witt wurde am 3. Dezember 1965 in Staaken geboren. Ihre sportliche Heimat fand sie in Karl-Marx-Stadt, dem heutigen Chemnitz. Dort trainierte sie beim SC Karl-Marx-Stadt und wurde über viele Jahre von der erfolgreichen Eiskunstlauftrainerin Jutta Müller betreut.
Bereits als Kind ordnete sie dem Eiskunstlauf große Teile ihres Alltags unter. Die offizielle Webseite beschreibt ihren Weg als von harter Arbeit, Disziplin und dem fast vollständigen Einsatz für den Sport geprägt. 1983 gewann Witt ihren ersten Europameistertitel. Ein Jahr später folgten der Olympiasieg in Sarajevo und ihr erster Weltmeistertitel.
Sechs Jahre lang Europas Beste
Zwischen 1983 und 1988 gewann Katarina Witt sechs Europameisterschaften hintereinander. Weltmeisterin wurde sie 1984 in Ottawa, 1985 in Tokio, 1987 in Cincinnati und 1988 in Budapest. Hinzu kamen zwei zweite Plätze bei Weltmeisterschaften.
Den Höhepunkt ihrer Amateurkarriere bildeten die beiden Olympiasiege. Nach Sarajevo 1984 verteidigte sie ihren Titel 1988 in Calgary. Ihre dortige Interpretation der Opernfigur Carmen wurde zu einem ihrer bekanntesten Programme. Mit dem zweiten Olympiasieg gelang ihr etwas, das im Dameneiskunstlauf seit Sonja Henie in den 1930er-Jahren keine Läuferin mehr geschafft hatte.
Sie machte aus einer Kür eine Inszenierung
Katarina Witts besondere Stärke lag nicht ausschließlich in den Sprüngen. Sie konnte Musik, Bewegung, Kostüm und Ausdruck zu einer geschlossenen Inszenierung verbinden.
Ihre Programme wirkten dadurch wie kleine Theaterstücke auf dem Eis. Diese Verbindung aus sportlicher Leistung und künstlerischer Darstellung machte sie auch bei Zuschauern populär, die Eiskunstlauf sonst nur selten verfolgten.
Ihre Athletik, Ausstrahlung und Eleganz wurden später auch von der Laureus World Sports Academy als wesentliche Gründe für ihre internationale Bedeutung hervorgehoben.
Erfolg unter den Bedingungen des DDR-Systems
Witts Aufstieg ist eng mit dem Leistungssportsystem der DDR verbunden. Spitzensportler erhielten intensive Förderung, wurden zugleich aber politisch vereinnahmt und kontrolliert.
Auf ihrer offiziellen Webseite beschreibt Witt, dass sie nach Einsicht in ihre Unterlagen erfuhr, bereits als siebenjährige Eislaufschülerin in das Blickfeld des Ministeriums für Staatssicherheit geraten zu sein. Unter dem operativen Vorgang „Flop“ sei sie über Jahre beobachtet, bespitzelt und bis in ihr Privatleben hinein beeinflusst worden.
In ihrer Biografie „Meine Jahre zwischen Pflicht und Kür“ schildert sie deshalb sowohl die Privilegien einer erfolgreichen Sportlerin als auch den persönlichen Preis, den sie dafür im politischen System der DDR zahlen musste.
Ihre Geschichte zeigt die Widersprüche des DDR-Spitzensports: außergewöhnliche Trainingsbedingungen und internationale Erfolge auf der einen Seite, Überwachung und eingeschränkte Freiheit auf der anderen.
Nach 1988 begann eine internationale Profikarriere
Nach den Weltmeisterschaften 1988 beendete Katarina Witt zunächst ihre Amateurkarriere. Anschließend ging sie gemeinsam mit dem amerikanischen Weltmeister und Olympiasieger Brian Boitano auf Tournee durch die Vereinigten Staaten und Kanada.
Damit gelang ihr ein ungewöhnlicher Übergang vom staatlich organisierten DDR-Leistungssport in das internationale Unterhaltungsgeschäft. Sie trat in großen Eisshows auf, arbeitete als Produzentin und erreichte ein Publikum, das weit über klassische Sportwettbewerbe hinausging.
Die Produktion „Carmen on Ice“ verband Film, Schauspiel und Eiskunstlauf. Sie wurde international bekannt und unterstrich, dass Witt ihre Bühnenwirkung auch nach dem Ende der ersten Wettkampfkarriere weiter nutzen konnte.
Rückkehr zu den Olympischen Spielen 1994
1993 ließ sich Witt wieder als Amateurin einstufen und bereitete sich auf eine erneute Olympiateilnahme vor. Bei den Winterspielen 1994 in Lillehammer trat sie für das wiedervereinigte Deutschland an und belegte den siebten Platz.
Die sportliche Rückkehr war mit erheblichem öffentlichen Druck verbunden. Auf ihrer Webseite berichtet Witt, dass sie ihre Biografie gerade während dieser Vorbereitungszeit schrieb, nachdem Vorwürfe und die Auseinandersetzung mit ihrer Stasi-Akte ihre Vergangenheit erneut zum öffentlichen Thema gemacht hatten.
Ihr Auftritt in Lillehammer besaß deshalb auch symbolische Bedeutung: Eine der bekanntesten Sportlerinnen der DDR startete nun unter gesamtdeutscher Flagge.
Unternehmerin, Produzentin und Fernsehpersönlichkeit
Nach der Wettkampfkarriere blieb Katarina Witt im öffentlichen Leben präsent. Sie arbeitete als Produzentin, Schauspielerin, Moderatorin und Eiskunstlaufexpertin.
Ihre offizielle Webseite stellt sie zudem als Unternehmerin und Markenbotschafterin vor. Sie arbeitete unter anderem mit Unternehmen und Organisationen aus den Bereichen Automobil, Unterhaltung und gesellschaftliches Engagement zusammen.
Damit gelang ihr etwas, das vielen früheren Spitzensportlern schwerfällt: Sie entwickelte nach dem Ende der aktiven Laufbahn eine eigenständige internationale Karriere.
Die Katarina-Witt-Stiftung wird zum Herzensprojekt
Im Jahr 2005 initiierte Katarina Witt die Gründung der Katarina-Witt-Stiftung. Sie unterstützt Kinder und Jugendliche mit körperlichen Beeinträchtigungen und fördert unter anderem Sportangebote, medizinische Versorgung, inklusive Einrichtungen, Spezialrollstühle und weitere Hilfsmittel.
Nach Angaben ihrer offiziellen Biografie wurden seit der Gründung der Stiftung mehr als 750 Projekte in Deutschland und anderen Ländern unterstützt. Witt bezeichnet die Stiftung als ihr Herzensprojekt.
Sie begründet ihr Engagement mit den Erfahrungen aus ihrer eigenen Sportkarriere. Sport könne Motivation, Selbstvertrauen, Selbstständigkeit und motorische Fähigkeiten stärken. Gerade Kinder mit körperlichen Beeinträchtigungen sollten deshalb Zugang zu Bewegung und gesellschaftlicher Teilhabe erhalten.
Darüber hinaus gehört Witt zu den Gründungsmitgliedern der Laureus Sport for Good Foundation und engagiert sich für weitere soziale und gesellschaftliche Projekte.
Eine Ostdeutsche von internationalem Format
Katarina Witt wurde in einem System groß, das seine Spitzensportler gezielt förderte und zugleich kontrollierte. Sie erlebte dessen Privilegien, aber auch dessen Eingriffe in ihr persönliches Leben.
Ihre sportliche Leistung bleibt außergewöhnlich: zwei Olympiasiege, vier Weltmeistertitel, sechs Europameisterschaften in Folge und acht nationale Meisterschaften. Nach der Amateurkarriere folgten internationale Eisshows, Film- und Fernsehproduktionen, unternehmerische Projekte und eine Stiftung mit weltweiter Wirkung.
Katarina Witt prägte den Eiskunstlauf nicht nur durch Medaillen. Sie zeigte, wie sportliche Leistung, künstlerischer Ausdruck und Persönlichkeit eine gesamte Disziplin verändern können.
Aus der jungen Läuferin des SC Karl-Marx-Stadt wurde eine internationale Sportikone – und eine der bekanntesten Persönlichkeiten, die Ostdeutschland hervorgebracht hat.
Quellen
Katarina Witt, offizielle Webseite: Biografie, sportliche Laufbahn, Profikarriere und gesellschaftliches Engagement.
Katarina Witt, offizielle Webseite: Medaillenspiegel mit Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften.
Katarina Witt, offizielle Webseite: „Meine Jahre zwischen Pflicht und Kür“ und die Aufarbeitung ihrer Stasi-Überwachung.
Katarina Witt, offizielle Webseite: Arbeit der Katarina-Witt-Stiftung und weiteres soziales Engagement.
Laureus World Sports Academy: Internationale sportliche Bedeutung und Erfolge Katarina Witts.
Offizielle Webseite