Mit dem Abschluss der Getreideernte hält in der Niederlausitz ein jahrhundertealter Brauch Einzug: Das traditionelle Hahnrupfen (Łapanje kokota) der Domowina-Jugend. An der Waldschlößchenstraße in Burg (Spreewald) versammeln sich Einheimische und Besucher, um das sommerliche Fest zu begehen. Die Veranstaltung vereint sportlichen Wettstreit, farbenfrohe Trachten und gelebte sorbisch-wendische Identität.
Das Festwochenende startet am Samstagabend mit dem traditionellen Erntetanz und Reiterball, ehe am Sonntag der eigentliche Wettstreit auf den Pferden im Mittelpunkt steht.
Wurzeln im bäuerlichen Jahreskreis
Das Hahnrupfen markiert historisch das Ende der anstrengenden Sommerarbeiten auf den Feldern. In der sorbisch-wendischen Mythologie galt der Hahn als Symbol für die Fruchtbarkeit und den Geist des Getreides. Um den Erntesegen für das kommende Jahr zu sichern und danke für die eingebrachte Ernte zu sagen, feierten die Dorfgemeinschaften nach getaner Arbeit ausgiebige Erntefeste.
Heute hat sich der Brauch zu einem modernen Kultur- und Gemeinschaftsevent gewandelt, das maßgeblich von den jungen Erwachsenen der Domowina – dem Dachverband sorbischer Vereine und Organisationen – organisiert und getragen wird.
Der Wettstreit: Wer wird Erntekönig?
Zentraler Ort des Geschehens ist eine festlich mit Eichenlaub und Blumen umwundene Ehrenpforte. An dieser wird der Hahn aufgehängt. Die Burschen des Dorfes reiten nacheinander im Galopp durch das Tor und versuchen im Vorbeireiten, den Kopf oder die Flügel des Hahns zu ergreifen:
Erster Erntekönig (Prědni kral): Erringt den Kopf des Hahns und gilt als Gesamtsieger des Reitwettbewerbs.
Zweiter und Dritter Erntekönig: Werden über das Ergreifen der beiden Flügel ermittelt.
Wahl der Erntekönigin: Im Anschluss an den Wettritt wählen sich die siegreichen Burschen aus den Reihen der jungen Frauen, die in traditioneller niederwendischer Festtagstracht erscheinen, ihre Königinnen aus.
Der Wettkampf verlangt den Reitern hohes Geschick und Mut ab, während die bunten Stickereien der Trachten und der Schmuck der Pferde das Festplatzbild prägen.
Feste Verankerung in der Region
Für die Gemeinde Burg und die gesamte Spreewaldregion ist das Hahnrupfen weit mehr als eine touristische Attraktion. Es steht für den Erhalt der sorbisch-wendischen Sprache und Kultur im Alltag der jungen Generation. Der anschließende Ausmarsch durch das Dorf sowie der gemeinsame Tanz im Festzelt runden das Erntefest ab und festigen den Zusammenhalt in den sorbischen Heimatvereinen.
Quellen & Datenbasis
Touristinformation Burg (Spreewald): Veranstaltungskalender und Brauchtumsdokumentation zum Hahnrupfen (Łapanje kokota) der Domowina-Jugend Burg (Spreewald).
Domowina – Bund Lausitzer Sorben e.V.: Informationen zu den traditionellen Erntebräuchen in der Niederlausitz.