Bautzen zieht wieder mehr Menschen an, als die Stadt durch Wegzüge verliert. Dennoch ist die Einwohnerzahl 2025 gesunken. Der Grund liegt nicht in einer neuen Abwanderungswelle, sondern in einem wachsenden demografischen Ungleichgewicht: Auf 193 Geburten kamen 690 Sterbefälle. Selbst ein deutlich positiver Wanderungssaldo konnte diese Lücke nicht schließen.

Einwohnerzahl fällt unter 38.000

Am 31. Dezember 2025 waren in Bautzen 37.970 Menschen mit Hauptwohnsitz gemeldet. Ein Jahr zuvor waren es noch 38.207. Die Stadt verlor damit innerhalb eines Jahres 237 Einwohner beziehungsweise 0,6 Prozent. Hinzu kamen 1.987 Personen mit Nebenwohnsitz. Zusammengenommen waren 39.957 Menschen in Bautzen registriert.

Die wichtigsten Veränderungen:

  • Einwohner mit Hauptwohnsitz: 37.970
  • Rückgang gegenüber 2024: 237 Personen
  • deutsche Staatsangehörige: 34.453
  • ausländische Staatsangehörige: 3.517
  • Ausländeranteil: 9,3 Prozent
  • Einwohner mit Nebenwohnsitz: 1.987

Während die Zahl der deutschen Einwohner um 519 sank, stieg die Zahl ausländischer Einwohner um 282. Der Ausländeranteil erhöhte sich dadurch von 8,5 auf 9,3 Prozent.

„Zahlen sagen manchmal mehr als Worte.“

So leitet die Stadt ihre statistische Übersicht ein. Im Fall der Bevölkerungsbilanz zeigen die Zahlen vor allem, dass Bautzens Entwicklung nicht mehr allein mit Zu- und Abwanderung erklärt werden kann.

Nur noch 193 Geburten im Jahr

Der stärkste negative Faktor ist die natürliche Bevölkerungsentwicklung. Im Jahr 2025 wurden in Bautzen 193 Kinder geboren. Gleichzeitig starben 690 Einwohner. Daraus ergibt sich ein Geburtendefizit von 497 Personen. Im Vorjahr hatte die Differenz noch bei 398 gelegen.

Die Geburtenzahl sinkt seit mehreren Jahren:

  • 2016: 432 Geburten
  • 2021: 348 Geburten
  • 2022: 272 Geburten
  • 2023: 238 Geburten
  • 2024: 230 Geburten
  • 2025: 193 Geburten

Innerhalb von neun Jahren hat sich die Zahl der Geburten damit mehr als halbiert. Auch die zusammengefasste Geburtenziffer sank nach Berechnung der kommunalen Statistikstelle auf 1,07 Kinder je Frau. Im Jahr 2016 hatte sie noch bei 2,20 gelegen.

Dieser Rückgang hat Folgen, die zeitversetzt sichtbar werden. Weniger Geburten bedeuten zunächst geringere Nachfrage nach Krippen- und Kitaplätzen. Später sinken die Schülerzahlen, während gleichzeitig mehr Beschäftigte in Rente gehen.

Für die Stadt entsteht ein schwieriger Anpassungsdruck: Gebäude, Personal und Angebote lassen sich nicht von einem Jahr auf das andere verkleinern. Zugleich müssen Betreuung und Bildung in allen Stadtteilen erreichbar bleiben.

Zuzüge bremsen den Rückgang

Die Wanderungsbilanz fällt dagegen positiv aus. Im Jahr 2025 zogen 2.133 Menschen nach Bautzen, während 1.876 die Stadt verließen. Der Wanderungsgewinn betrug damit 257 Personen. Im Jahr 2024 hatte der Überschuss lediglich bei 26 gelegen.

Auffällig ist die Entwicklung innerhalb Sachsens. Aus Dresden zogen 238 Menschen nach Bautzen, während 179 in die Landeshauptstadt wechselten. Daraus ergibt sich ein Plus von 59 Personen. Insgesamt erreichte Bautzen bei den innerdeutschen Wanderungen einen Überschuss von 482 Menschen.

Bei ausländischen Einwohnern betrug der Wanderungsgewinn 313 Personen. Bei deutschen Einwohnern verzeichnete die Statistik dagegen ein Minus von 56.

Das Ergebnis zeigt:

  • Bautzen ist als Wohn- und Arbeitsort grundsätzlich attraktiv.
  • Der Zuzug reicht aus, um einen großen Teil des Geburtendefizits auszugleichen.
  • Ohne Zuwanderung wäre die Einwohnerzahl wesentlich stärker gesunken.
  • Entscheidend ist, ob Zugezogene dauerhaft in der Stadt bleiben.

Der positive Wanderungssaldo ist deshalb ein Erfolg, aber noch keine Trendwende. Er verhindert lediglich, dass die Einwohnerzahl so stark fällt, wie es die natürliche Entwicklung erwarten ließe.

Bautzen wird weiter älter

Ende 2025 waren 11.769 Einwohner mindestens 65 Jahre alt. Das entspricht 31 Prozent der Bevölkerung. Dagegen lebten 5.631 Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren in der Stadt – ein Anteil von 14,8 Prozent.

Das Durchschnittsalter stieg auf 49,2 Jahre. Der sogenannte Altenquotient erreichte 59,1 Prozent. Rechnerisch kamen damit auf 100 Menschen im Alter zwischen 20 und 64 Jahren rund 59 Einwohner ab 65 Jahren. Im Jahr 1995 lag dieser Wert noch bei 24,8.

Zwischen den Stadtteilen bestehen erhebliche Unterschiede:

  • Gesundbrunnen: 38,1 Prozent der Einwohner mindestens 65 Jahre alt
  • Nadelwitz: 36,5 Prozent
  • Ostvorstadt: 35,3 Prozent
  • Innenstadt: 23,5 Prozent
  • Südvorstadt: 20 Prozent

Die Innenstadt besitzt dagegen mit 16,3 Prozent einen vergleichsweise hohen Anteil der 18- bis unter 30-Jährigen. Das dürfte unter anderem mit kleineren Wohnungen, Ausbildung, Studium und der zentralen Lage zusammenhängen.

Statistik verlangt unterschiedliche Antworten

Die Zahlen zeigen keine Stadt im freien Fall. Bautzen verfügt über Arbeitsplätze, Bildungseinrichtungen und einen positiven Wanderungssaldo. Gleichzeitig beschleunigt sich die Alterung, während die Geburtenzahl einen neuen Tiefstand erreicht.

Die Stadt muss daher mehrere Aufgaben gleichzeitig bewältigen:

  • junge Familien und Fachkräfte dauerhaft halten,
  • bezahlbaren und passenden Wohnraum anbieten,
  • Kitas und Schulen an sinkende Kinderzahlen anpassen,
  • Pflege, medizinische Versorgung und Barrierefreiheit ausbauen,
  • ältere Wohnviertel stabilisieren,
  • Zugewanderte besser in Arbeitsmarkt und Stadtgesellschaft integrieren.

Besonders wichtig ist die Unterscheidung zwischen der kommunalen Melderegisterzahl und der amtlichen Einwohnerzahl des Statistischen Landesamtes. Die Stadt weist selbst darauf hin, dass beide Systeme getrennt fortgeschrieben werden und deshalb voneinander abweichen können. Für rechtliche und finanzielle Fragen ist regelmäßig die amtliche Statistik maßgeblich.

Bautzen wächst also nicht – aber die neuen Zahlen enthalten mehr als eine einfache Schrumpfungsgeschichte. Menschen ziehen in die Stadt, die Fortzüge gehen zurück, und der Wanderungsgewinn ist deutlich gestiegen. Das zentrale Problem liegt inzwischen vor allem in der Altersstruktur und der geringen Zahl neugeborener Kinder.

Quellen und Datenbasis

  • Stadt Bautzen, Kommunale Statistikstelle: Statistischer Bericht für das vierte Quartal 2025 mit Angaben zu Bevölkerung, Geburten, Sterbefällen und Wanderungen.
  • Stadt Bautzen: „Zahlen und Fakten“, Einwohnerstand zum 31. Dezember 2025.
  • Stadt Bautzen: „Bautzen in Zahlen 2025“ mit Vergleichsdaten zu Bevölkerung, Wohnen, Wirtschaft und Stadtteilen.