Dresden, 5. September 2026. Sachsens kleinere Museen fürchten um ihre Zukunft. Der Sächsische Museumsbund warnt vor weiteren Schließungen, weil der Regierungsentwurf für den Doppelhaushalt 2027 und 2028 wichtige Fördermöglichkeiten einschränkt.

Rund 400 Museen blicken mit Sorge nach Dresden

Der Sächsische Museumsbund vertritt die Interessen von rund 400 Museen im Freistaat. Besonders gefährdet sieht der Verband nichtstaatliche Einrichtungen im ländlichen Raum, die von ihren Städten, Gemeinden, Vereinen oder Zweckverbänden getragen werden.

Viele dieser Häuser verfügen weder über hohe eigene Einnahmen noch über große Rücklagen. Steigende Personal-, Energie- und Gebäudekosten treffen deshalb auf kommunale Haushalte, die selbst kaum noch finanzielle Spielräume besitzen.

Der Museumsbund warnt vor einem schrittweisen Verlust kultureller Infrastruktur. Als erste Beispiele nennt er die Schließung des Zuse Computer Museums in Hoyerswerda und die Abwicklung der Schlesisch-Oberlausitzer Museumsverbund gGmbH.

Aus Sicht des Verbandes zeigen diese Fälle, dass die Gefahr nicht mehr nur theoretisch ist. Weitere Einschnitte könnten besonders Heimat-, Stadt-, Technik- und Regionalmuseen treffen, deren Sammlungen eng mit der Geschichte ihrer Orte verbunden sind.

Investitionsmittel sollen vollständig entfallen

Besonders scharf kritisiert der Museumsbund die vollständige Streichung von Investitionsmitteln für nichtstaatliche Museen. Das Problem betrifft nicht nur dringend benötigte Reparaturen oder Modernisierungen.

Viele Förderprogramme des Bundes und privater Stiftungen verlangen einen Eigenanteil oder eine Kofinanzierung durch Land und Kommune. Fehlt dieser Anteil, können Museen auch bereits in Aussicht stehende Gelder anderer Fördergeber nicht abrufen.

Eine vergleichsweise kleine Kürzung im Landeshaushalt kann dadurch ein Mehrfaches an Investitionen verhindern. Betroffen wären beispielsweise die Sanierung historischer Gebäude, der Schutz empfindlicher Sammlungen, barrierefreie Zugänge oder eine moderne technische Ausstattung.

Der Museumsbund fordert deshalb, die Kulturraumfinanzierung mindestens auf dem Niveau des Jahres 2026 fortzuführen. Damals standen nach Angaben des Verbandes 108,7 Millionen Euro zur Verfügung.

Landesstelle erhält weniger als 500.000 Euro

Kritik gibt es außerdem an der Förderung der Sächsischen Landesstelle für Museumswesen. Ihre Mittel wurden nach Angaben des Museumsbundes auf weniger als 500.000 Euro halbiert.

Die Landesstelle unterstützt Museen bei Aufgaben, für die kleine Einrichtungen häufig kein eigenes Fachpersonal beschäftigen können. Dazu gehören der Erhalt und die wissenschaftliche Aufarbeitung von Sammlungen, die Veröffentlichung von Beständen sowie Maßnahmen zur Inklusion.

Im Regierungsentwurf sind diese Mittel nicht als eigenständiger Posten ausgewiesen. Sie befinden sich im Haushalt der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden. Der Museumsbund fordert deshalb eine klare Zweckbindung, damit das Geld tatsächlich für die Unterstützung der nichtstaatlichen Museen eingesetzt wird.

Auch Kürzungen bei der Kulturstiftung des Freistaates könnten Folgen haben. Die Stiftung fördert Ausstellungen, künstlerische Projekte und Angebote der kulturellen Bildung. Fallen diese Mittel geringer aus, könnten Museen zwar geöffnet bleiben, aber weniger Sonderausstellungen und Veranstaltungen anbieten.

Regierung spricht von stabilem Kulturetat

Die sächsische Staatsregierung bewertet den Haushaltsentwurf anders. Nach ihren Angaben sind 2027 rund 305 Millionen Euro und 2028 etwa 306 Millionen Euro für den Kulturbereich vorgesehen.

Für das Kulturraumgesetz sowie die Theater- und Orchesterförderung sollen insgesamt 120 Millionen Euro jährlich bereitstehen. Die Förderung der Musikschulen soll bei jeweils 7,8 Millionen Euro bleiben. Für die sächsischen Gedenkstätten sind jährlich 5,67 Millionen Euro vorgesehen.

Kulturministerin Barbara Klepsch bezeichnet den Entwurf trotz schwieriger Haushaltslage als stabil. Sie räumt jedoch Einschnitte bei der Kulturstiftung ein.

Der Konflikt liegt damit weniger in der Gesamtsumme als in der Verteilung. Während die Staatsregierung auf den gesamten Kulturetat verweist, warnt der Museumsbund davor, dass wichtige Förderinstrumente für kleine und kommunale Museen geschwächt werden.

Landtag kann Kürzungen noch verändern

Der Doppelhaushalt ist noch nicht beschlossen. Nach dem Kabinettsentwurf muss sich der Sächsische Landtag mit den einzelnen Ausgaben befassen. Im parlamentarischen Verfahren können Ansätze verändert und gestrichene Mittel wieder aufgenommen werden.

Für viele Museen drängt jedoch die Zeit. Personalverträge, Ausstellungen, Förderanträge und notwendige Baumaßnahmen müssen lange im Voraus geplant werden. Bleibt die Finanzierung unsicher, könnten Projekte bereits vor der endgültigen Haushaltsentscheidung gestoppt werden.

Damit geht es nicht allein um Öffnungszeiten oder einzelne Ausstellungen. Schließt ein kleines Museum dauerhaft, drohen Sammlungen aufgelöst, eingelagert oder auf verschiedene Standorte verteilt zu werden. Was über Jahrzehnte vor Ort zusammengetragen wurde, lässt sich später oft nicht wiederherstellen.

Quelle: Sächsischer Museumsbund; Sächsische Staatsregierung; Sächsisches Staatsministerium für Kultur und Tourismus