Der Zwickauer Flugplatz war vier Tage lang fest in der Hand der Simson-Fans. 5.840 überwiegend junge Besucher kamen zum nach Veranstalterangaben größten Simsontreffen Deutschlands. Ganz ohne Zwischenfälle blieb die Veranstaltung nicht – die Polizeibilanz fällt dennoch deutlich besser aus als im Vorjahr.
Tausende Mopeds rollen auf den Flugplatz
Bereits am frühen Donnerstagmorgen setzte der Anreiseverkehr ein. Viele Teilnehmer wollten sich auf dem Gelände die besten Stell- und Zeltplätze sichern. Auf der Reichenbacher Straße kam es dadurch zeitweise zu leichten Behinderungen.
Größere Verkehrsprobleme blieben nach Angaben der Polizei jedoch aus. Sowohl die Anreise als auch die Abreise am Sonntag verliefen weitgehend wie erwartet. Beamte der Verkehrspolizei überwachten die Lage rund um das Flugplatzgelände.
Das Simsontreffen fand vom 23. bis zum 26. Juli statt. Der Veranstalter wirbt mit dem Anspruch, das größte Treffen dieser Art in Deutschland auszurichten. Im Mittelpunkt stehen die in der DDR produzierten Mopeds, die längst nicht mehr nur als historische Fahrzeuge gelten. Gerade unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen erleben Modelle wie Schwalbe, S51 und Star seit Jahren eine neue Popularität.
Die wichtigsten Zahlen:
- 5.840 Teilnehmer
- 21 registrierte Straftaten
- vier Körperverletzungsdelikte
- sieben Anzeigen wegen verfassungswidriger Gesten oder Symbole
- rund 390 eingesetzte Polizeikräfte
- 44 Straftaten im Vorjahr
Weniger Straftaten als im Vorjahr
Die Polizei bezeichnete den Einsatz insgesamt als weitgehend zufriedenstellend. Im Vergleich zum Vorjahr halbierte sich die Zahl der registrierten Straftaten nahezu. 2025 waren noch 44 Delikte aufgenommen worden, darunter 18 Körperverletzungen. In diesem Jahr waren es 21 Straftaten und vier Körperverletzungsfälle.
„Die Zahl liegt unter dem Vorjahr“, erklärte Einsatzleiterin Katharina Matt.
Die Beamten stellten allerdings fest, dass die Zahl der Vorfälle mit zunehmender Alkoholisierung in den Abend- und Nachtstunden anstieg. Dazu kamen Diebstähle, Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz und Auseinandersetzungen.
Besonders auffällig war ein Vorfall am frühen Sonntagmorgen. Ein 25-Jähriger soll unerlaubt Pyrotechnik gezündet haben. Bei der anschließenden Kontrolle gab er laut Polizei an, Drogen bei sich zu haben. Die Beamten fanden knapp 100 Gramm Cannabis sowie eine Fliese mit Rückständen von Amphetaminen. Der Mann erhielt einen Platzverweis, gegen ihn wurden mehrere Anzeigen gefertigt.
Drei Polizisten nach Knalltrauma dienstunfähig
Bereits am Freitagabend wurden drei Mitglieder des polizeilichen Kommunikationsteams verletzt. Ein 25-Jähriger hielt nach Polizeiangaben mit einem Quad neben den Beamten und beschleunigte anschließend stark. Da das Fahrzeug keinen Schalldämpfer hatte, erlitten die 35, 39 und 45 Jahre alten Polizisten ein Knalltrauma.
Die drei Beamten waren danach nicht mehr dienstfähig. Gegen den Quadfahrer wurde wegen Körperverletzung ermittelt. Zudem musste er das Veranstaltungsgelände verlassen.
In derselben Nacht randalierte ein alkoholisierter 19-Jähriger auf dem Gelände und warf einen Grill um. Als die Polizei den Vorfall aufnehmen wollte, soll er erheblichen Widerstand geleistet und die Beamten beleidigt haben. Er verbrachte die Nacht im Gewahrsam und musste am nächsten Morgen abreisen.
Sieben Verfahren wegen verbotener Symbole
Ein wiederkehrender Konflikt begleitet das Simsontreffen seit Jahren: Einzelne Besucher zeigen verfassungswidrige Gesten oder Symbole. 2026 leitete die Polizei sieben entsprechende Verfahren ein. Im Vorjahr waren es zehn.
Allen Tatverdächtigen wurde auf Vorschlag der Polizei ein Hausverbot ausgesprochen. Nach Angaben der Beamten setzte der Veranstalter die geforderten Maßnahmen konsequent um.
Die Vorfälle belasten das Treffen, obwohl die große Mehrheit der Besucher wegen der Mopeds, der Technik und der Gemeinschaft nach Zwickau kommt. Die Veranstalter betonen seit Langem, dass das Treffen politisch neutral sei und verbotene Kennzeichen angezeigt würden.
Kommunikation statt Abschottung
Auf dem Gelände setzte die Polizei vor allem auf ein Kommunikationsteam. Die Beamten bewegten sich zwischen den Teilnehmern, beantworteten Fragen und sollten mögliche Konflikte früh erkennen.
Über die Veranstaltungstage verteilt waren rund 390 Einsatzkräfte beteiligt. Neben der Polizeidirektion Zwickau kamen Beamte der Bereitschaftspolizei, weiterer sächsischer Dienststellen und Mitarbeiter der Stadt Zwickau zum Einsatz.
Trotz der ernsten Einzelvorfälle fällt die Bilanz günstiger aus als im Jahr zuvor. Die Besucherzahl blieb hoch, während Körperverletzungen und Straftaten deutlich zurückgingen. Für Veranstalter und Behörden dürfte nun entscheidend sein, ob dieser Trend beim nächsten Simsontreffen fortgesetzt werden kann.
Quellen & Datenbasis
- Polizeidirektion Zwickau: Medieninformation Nr. 223/2026, „Simsontreffen 2026 – Fazit“, 26. Juli 2026
- Polizeidirektion Zwickau: Medieninformation Nr. 221/2026 zu den Vorfällen am Freitagabend
- Veranstalter des Simsontreffens Zwickau: Angaben zu Termin, Veranstaltungsort und Selbstbeschreibung als größtes Simsontreffen Deutschlands