Der „Umgebindelandsommer“ soll zu einer deutlich stärkeren grenzüberschreitenden Veranstaltungsreihe für die Oberlausitz und Nordböhmen ausgebaut werden. Die Tourismuszentrum Naturpark Zittauer Gebirge GmbH hat dafür die konzeptionelle Weiterentwicklung öffentlich ausgeschrieben. Gesucht wird ein tragfähiges Konzept, das bestehende Termine bündelt, neue Veranstaltungsformate entwickelt und deutsche sowie tschechische Partner dauerhaft zusammenbringt. Der Zuschlag soll nach derzeitiger Planung am 7. August 2026 erfolgen. Die fertige Konzeption muss bis zum 15. Dezember vorliegen.

Aus einzelnen Terminen soll eine zusammenhängende Reihe werden

Der Umgebindelandsommer besteht bereits heute aus mehreren Veranstaltungen, die sich über mehrere Monate verteilen.

Den Auftakt bildet der jährlich stattfindende Tag des offenen Umgebindehauses am 31. Mai. Danach folgt der Tag der Volksarchitektur auf tschechischer Seite. Den Abschluss bildet der bundesweite Tag des offenen Denkmals am zweiten Sonntag im September.

Diese Termine sollen künftig nicht mehr nur lose nebeneinanderstehen. Das Tourismuszentrum möchte sie stärker strukturieren, inhaltlich verbinden und unter einer gemeinsamen Leitidee vermarkten.

Dabei muss noch entschieden werden, ob der Umgebindelandsommer künftig als eine große Gesamtveranstaltung oder als gemeinsame Dachmarke für viele einzelne Angebote unterschiedlicher Veranstalter organisiert wird.

Umgebindehäuser prägen die Region beiderseits der Grenze

Umgebindehäuser gehören zu den auffälligsten Merkmalen der südlichen Oberlausitz und Nordböhmens.

Ihre Bauweise verbindet Elemente des Blockbaus, des Fachwerks und des Massivbaus. Das namensgebende hölzerne Umgebinde trägt einen Teil des Obergeschosses oder des Daches und umschließt häufig die Blockstube im Erdgeschoss.

Die Häuser stehen nicht nur für eine besondere Architektur. Sie erzählen auch von Handwerk, Textilgeschichte, ländlicher Arbeit und dem Alltag früherer Generationen.

Viele Gebäude werden noch immer bewohnt. Andere dienen als Ferienhäuser, Museen, Gaststätten oder Werkstätten. Gerade dadurch eignet sich die Bauform als Verbindung zwischen Denkmalpflege und Tourismus.

Baukultur soll touristisch erlebbar werden

Die Ausschreibung gehört zum Interreg-Projekt „Das Umgebindeland touristisch erlebbar machen – Umgebinde 2.0“.

Im Mittelpunkt sollen Baukultur, Volksarchitektur, Denkmalpflege, regionale Identität und die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Tschechien stehen.

Das Projekt soll also nicht nur eine weitere Veranstaltungsbroschüre hervorbringen. Gesucht wird ein Konzept, das Besucher tatsächlich in die Orte und Häuser führt.

Denkbar sind offene Häuser, Führungen, Handwerksvorführungen, Ausstellungen, Vorträge, Dorfrundgänge oder Gespräche mit Eigentümern und Restauratoren.

Welche Formate tatsächlich umgesetzt werden, ist noch offen. Die konkreten Vorschläge sollen erst im Rahmen der beauftragten Konzeptarbeit entstehen.

Deutsche und tschechische Partner sollen gemeinsam planen

Ein wesentlicher Bestandteil der Arbeit ist ein Ideen- und Konzeptworkshop.

Daran sollen Akteure aus der Oberlausitz und Nordböhmen teilnehmen. Eingebunden werden sollen Vertreter aus Baukultur, Denkmalpflege, Tourismus, Regionalentwicklung und Kulturvermittlung sowie Fachleute für Umgebindehäuser.

Der Workshop kann vor Ort, online oder in einer Mischform stattfinden. Für die Verständigung stellt der Auftraggeber einen Dolmetscher bereit.

Dieser Ansatz ist wichtig, weil die historische Kulturlandschaft nicht an der heutigen Staatsgrenze endet. Baustile, Handwerkstraditionen und Ortsbilder entwickelten sich über Jahrhunderte in einem gemeinsamen sächsisch-böhmischen Raum.

Neue Vereine und Eigentümer sollen gewonnen werden

Das Konzept soll nicht nur bereits bekannte Einrichtungen einbeziehen.

Gesucht werden auch Vorschläge, wie weitere Vereine, Ehrenamtliche, Kulturschaffende, Hauseigentümer und kommunale Partner für die Veranstaltungsreihe gewonnen werden können.

Damit berührt das Projekt eine zentrale Herausforderung: Viele historische Gebäude befinden sich in privatem Besitz. Ihre Eigentümer tragen erhebliche Verantwortung und häufig hohe Sanierungskosten.

Eine touristische Veranstaltungsreihe funktioniert nur, wenn diese Menschen bereit sind, ihre Häuser zeitweise zu öffnen, Erfahrungen weiterzugeben oder Führungen zu ermöglichen.

Die Organisatoren müssen deshalb deutlich machen, welchen Nutzen die Beteiligung für Eigentümer, Vereine und Orte bringt.

Digitale Rundgänge und Entdeckerrouten sind denkbar

Der Umgebindelandsommer soll nicht ausschließlich aus Veranstaltungen an festen Tagen bestehen.

In der Ausschreibung werden ausdrücklich Angebote genannt, die unabhängig von einem bestimmten Termin oder einer geführten Gruppe genutzt werden können.

Als mögliche Beispiele gelten digitale Rundgänge, thematische Touren, Audioangebote, kurze Videos, QR-Codes, Präsentationen im Außenraum, Entdeckerrouten oder sogenannte Baukultur-Challenges.

Damit könnten Besucher die Umgebindelandschaft auch außerhalb der eigentlichen Veranstaltungswochen erkunden.

Digitale Angebote sind besonders für kleinere Orte interessant, in denen nicht dauerhaft Personal für Führungen oder Informationsstellen bereitsteht.

Zweisprachige Kommunikation wird zur Pflicht

Die Ergebnisse des Auftrags müssen vollständig in deutscher und tschechischer Sprache vorgelegt werden.

Auch für die spätere Öffentlichkeitsarbeit werden eine zweisprachige Kommunikationsidee, zentrale Botschaften sowie Empfehlungen für digitale und gedruckte Medien erwartet.

Das ist mehr als eine formale Übersetzung. Touristische Angebote müssen für Besucher auf beiden Seiten der Grenze verständlich, auffindbar und buchbar sein.

Dazu gehören gemeinsame Begriffe, abgestimmte Veranstaltungszeiten, Wegbeschreibungen und Informationen über Anreise, Öffnungszeiten und Eintrittspreise.

Eine dauerhaft erfolgreiche Reihe braucht deshalb eine verlässliche redaktionelle und organisatorische Zusammenarbeit über die Projektlaufzeit hinaus.

Tourismus soll auch kleinere Orte erreichen

Die Umgebindelandschaft verteilt sich auf zahlreiche kleinere Städte, Gemeinden und Dörfer.

Gerade dort kann der Tourismus zusätzliche Einnahmen für Gaststätten, Pensionen, Ferienwohnungen, Handwerker und regionale Produzenten bringen.

Ein Besucher, der nur für eine kurze Besichtigung anreist, erzeugt allerdings wenig Wertschöpfung. Wirtschaftlich interessanter wird das Angebot, wenn mehrere Stationen miteinander verbunden werden und Gäste länger in der Region bleiben.

Thematische Routen könnten beispielsweise Häuser, Museen, Werkstätten, Cafés und Aussichtspunkte miteinander verknüpfen.

Wichtig ist, dass nicht nur bekannte touristische Orte profitieren. Auch weniger besuchte Dörfer besitzen wertvolle Bausubstanz und authentische Geschichten.

Der Umgebindelandsommer braucht ein klares Profil

Eine Veranstaltungsreihe über mehrere Monate birgt die Gefahr, für Gäste unübersichtlich zu werden.

Wenn jede Einrichtung nur ihr eigenes Programm veröffentlicht, ist kaum erkennbar, was die einzelnen Angebote miteinander verbindet.

Deshalb verlangt die Ausschreibung eine Leitidee, eine klare Zielstellung, eine Dramaturgie und thematische Schwerpunkte.

Der Begriff „Umgebindelandsommer“ allein erklärt noch nicht, welche Erlebnisse Besucher erwarten dürfen.

Das neue Konzept muss deshalb einfache Antworten geben: Welche Häuser sind zugänglich? Wo gibt es Führungen? Welche Angebote richten sich an Familien? Was ist ohne Anmeldung möglich? Welche Termine finden in Tschechien statt?

Denkmalschutz und Tourismus müssen zusammenpassen

Mehr Öffentlichkeit kann zum Erhalt historischer Gebäude beitragen.

Besucher lernen die besondere Bauweise kennen, Eigentümer erhalten Anerkennung und regionale Handwerksbetriebe können ihre Arbeit vorstellen.

Gleichzeitig dürfen bewohnte Häuser nicht zu bloßen Kulissen werden. Private Räume, empfindliche Bauteile und die Belastbarkeit kleiner Grundstücke müssen berücksichtigt werden.

Auch größere Besuchergruppen, Parkverkehr und Veranstaltungen können historische Ortskerne belasten.

Ein gutes Konzept muss deshalb nicht nur möglichst viele Gäste anziehen. Es muss Besucherströme lenken, Eigentümer schützen und den Charakter der Orte bewahren.

Sanierung bleibt für Eigentümer eine große Aufgabe

Umgebindehäuser benötigen besondere handwerkliche Kenntnisse.

Holzkonstruktionen, Blockstuben, Lehmbauteile, Fachwerk und historische Fenster lassen sich nicht immer mit gewöhnlichen Standardlösungen instand setzen.

Fehlerhafte Sanierungen können die Bausubstanz beschädigen oder den historischen Charakter dauerhaft verändern.

Eine Veranstaltungsreihe könnte daher auch Beratungsangebote, Werkstattgespräche und Vorführungen traditioneller Techniken einbeziehen.

So würde der Umgebindelandsommer nicht nur touristische Aufmerksamkeit erzeugen, sondern auch Wissen über Erhaltung und fachgerechte Sanierung vermitteln.

Regionale Handwerker könnten stärker profitieren

Von einer guten Veranstaltungsreihe könnten neben Gastgebern auch Zimmerer, Tischler, Lehmbauer, Dachdecker, Restauratoren und weitere Fachbetriebe profitieren.

Sie verfügen über Wissen, das für den Erhalt der Häuser unverzichtbar ist.

Vorführungen oder offene Baustellen könnten Besuchern zeigen, wie aufwendig historische Konstruktionen instand gehalten werden.

Zugleich könnte das Projekt junge Menschen auf seltene Handwerksberufe aufmerksam machen.

Die Verbindung von Kulturtourismus und Handwerk wäre besonders glaubwürdig, weil Umgebindehäuser nicht allein durch Marketing, sondern nur durch praktische Arbeit erhalten bleiben.

Tourismusregion verzeichnet mehr als eine halbe Million Übernachtungen

Die Ferienregion Naturpark Zittauer Gebirge erreichte im Jahr 2024 nach Angaben der Touristischen Gebietsgemeinschaft rund 517.000 gewerbliche Übernachtungen.

Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer lag bei etwa drei Tagen. Die Auslastung der angebotenen Betten betrug knapp 34 Prozent.

Diese Zahlen zeigen sowohl Stärke als auch Entwicklungspotenzial.

Die Region besitzt bereits ein bedeutendes touristisches Angebot. Gleichzeitig bleiben viele Kapazitäten außerhalb besonders gefragter Zeiten ungenutzt.

Eine Veranstaltungsreihe von Ende Mai bis September könnte helfen, zusätzliche Reiseanlässe zu schaffen und Gäste stärker über die gesamte Sommersaison zu verteilen.

Internetseiten der Region gewinnen an Bedeutung

Die touristische Vermarktung erfolgt zunehmend digital.

Nach dem Geschäftsbericht stiegen die Seitenaufrufe der Internetseite des Zittauer Gebirges 2024 um 18 Prozent. Zu den häufigsten Herkunftsorten der Nutzer gehörten Frankfurt am Main, Berlin, Dresden, Zittau und Leipzig.

Die eigene Internetseite zum Umgebinde-Kultland wurde ebenfalls weiterentwickelt und wird in Zusammenarbeit mit der regionalen Marketinggesellschaft gepflegt.

Für den neuen Umgebindelandsommer bedeutet das: Digitale Angebote können nicht nur Besucher vor Ort führen, sondern bereits bei der Reiseentscheidung Aufmerksamkeit erzeugen.

Dafür braucht es hochwertige Bilder, verständliche Karten und aktuelle Informationen.

Das Tourismuszentrum kennt auch eigene Schwächen

Der Geschäftsbericht der Touristischen Gebietsgemeinschaft benennt mehrere Schwierigkeiten offen.

Dazu gehören begrenzte personelle Kapazitäten, finanzielle Engpässe bei Mitgliedern, eine sinkende Beteiligung an Marketingmaßnahmen und teilweise fehlende Planungssicherheit durch wegfallende Fördermittel.

Außerdem wird die überregionale Erkennbarkeit der Oberlausitz innerhalb der größeren Lausitz als unzureichend bewertet.

Der Umgebindelandsommer könnte hier ansetzen. Umgebindehäuser sind ein eigenständiges Merkmal, das sich deutlich von anderen Reiseregionen unterscheidet.

Ein neues Konzept darf jedoch nicht zu einer weiteren Strategie werden, für deren Umsetzung später Personal und Geld fehlen.

Kosten- und Finanzierungsplan gehört zum Auftrag

Die beauftragte Konzeption muss deshalb ausdrücklich einen Kosten- und Finanzierungsplan enthalten.

Damit soll frühzeitig geklärt werden, welche Veranstaltungen realistisch umsetzbar sind und wer sie dauerhaft bezahlt.

Eine Reihe, die nur während einer Förderperiode funktioniert, wäre keine nachhaltige Lösung.

Benötigt werden Modelle, bei denen Kommunen, Tourismusorganisationen, Vereine, Sponsoren und möglicherweise Eintritts- oder Teilnahmeerlöse zusammenwirken.

Gleichzeitig darf die Teilnahme für kleine Vereine und private Hauseigentümer nicht durch hohe Gebühren oder komplizierte Vorgaben erschwert werden.

Konzept soll noch 2026 fertig werden

Die Angebotsfrist für die Vergabe endete am 22. Juli.

Der geplante Zuschlag ist für den 7. August vorgesehen. Die Arbeit soll am 10. August beginnen und bis zum 15. Dezember abgeschlossen werden. Die Einhaltung dieses Abgabetermins gilt als Ausschlusskriterium.

Damit steht für die Konzeptentwicklung nur ein Zeitraum von rund vier Monaten zur Verfügung.

In dieser Zeit müssen bestehende Angebote analysiert, Partner eingebunden, ein Workshop durchgeführt und konkrete Veranstaltungs- sowie Kommunikationsvorschläge erarbeitet werden.

Ob bereits 2027 erste Teile des neuen Konzepts umgesetzt werden, geht aus der Ausschreibung noch nicht verbindlich hervor.

Eine Chance für eine gemeinsame Kulturregion

Der neue Umgebindelandsommer kann mehr werden als eine Reihe von Tagen der offenen Tür.

Er bietet die Chance, die Oberlausitz und Nordböhmen als gemeinsame historische Kulturlandschaft sichtbar zu machen.

Die Grenze trennt Verwaltungen und Sprachen. Architektur, Handwerk und viele regionale Geschichten verbinden jedoch beide Seiten.

Damit das Projekt Erfolg hat, müssen aus dem Konzept konkrete und langfristig finanzierbare Angebote entstehen.

Ein schön gestaltetes Papier allein rettet kein Umgebindehaus und bringt noch keinen Gast in die Region.

Gelingt es dagegen, Eigentümer, Vereine, Handwerker, Museen, Gastgeber und tschechische Partner dauerhaft zusammenzuführen, kann aus dem Umgebindelandsommer ein eigenständiger touristischer Schwerpunkt für das gesamte Dreiländereck werden.

Quellen

  1. Tourismuszentrum Naturpark Zittauer Gebirge GmbH: Öffentliche Vergabe zur Konzeption der Veranstaltungsreihe „Umgebindelandsommer“, veröffentlicht im Juli 2026.
  2. Tourismuszentrum Naturpark Zittauer Gebirge GmbH: Leistungsbeschreibung und Fristen für die Weiterentwicklung des „Umgebindelandsommers“.
  3. Touristische Gebietsgemeinschaft Naturpark Zittauer Gebirge/Oberlausitz: Geschäftsbericht 2024, veröffentlicht 2025.
  4. Interreg Sachsen–Tschechien: Projekt „Das Umgebindeland touristisch erlebbar machen – Umgebinde 2.0“.
  5. Umgebinde-Kultland: Informationen zur grenzüberschreitenden Umgebindelandschaft in Deutschland, Tschechien und Polen.
  6. Ostdeutsche Zeitung: redaktionelle Prüfung und Einordnung der verfügbaren Angaben, durchgeführt am 1. August 2026.