Der Ball rollte – und blieb sofort wieder liegen. Beim ersten Spieltag der Regionalliga Nordost beteiligten sich alle neun Begegnungen an einer gemeinsamen Protestaktion. Vereine, Spieler und Fans wollen den Druck auf den Deutschen Fußball-Bund und die Regionalverbände erhöhen. Ihre Forderung: Jeder Meister muss direkt aufsteigen.
LEIPZIG/ERFURT/JENA. Nach dem jeweiligen Anpfiff ließen die Mannschaften den Ball zunächst ruhen. In mehreren Stadien dauerte die Unterbrechung etwa eine Minute, beim Spiel der zweiten Mannschaft des 1. FC Magdeburg gegen Tasmania Berlin sogar knapp drei Minuten. Der Protest richtete sich gegen die weiterhin ungelöste Aufstiegsfrage zwischen den fünf Regionalligen und der 3. Liga.
Fünf Meister kämpfen um vier Plätze
Der Kern des Streits liegt in der unterschiedlichen Zahl der Ligen. Unterhalb der 3. Liga gibt es fünf Regionalliga-Staffeln, aus der 3. Liga steigen jedoch nur vier Vereine ab.
Die Meister der Regionalligen West und Südwest steigen direkt auf. Bei Nord, Nordost und Bayern erhält jeweils ein Meister nach einem Rotationssystem einen direkten Platz. Die beiden anderen müssen in Hin- und Rückspiel um den letzten Aufstiegsplatz kämpfen. Einer der fünf Meister bleibt somit zwangsläufig in der Regionalliga.
In der laufenden Saison 2026/27 besitzt der Meister der Regionalliga Nordost zwar das direkte Aufstiegsrecht. Die Vereine setzen ihren Protest dennoch fort, weil für die folgenden Jahre weiterhin keine dauerhafte und einheitliche Lösung gefunden wurde.
Lok-Fans werfen kleine Pokale auf den Rasen
Besonders sichtbar wurde der Protest beim Auswärtsspiel des 1. FC Lokomotive Leipzig in Luckenwalde. Anhänger des amtierenden Nordost-Meisters warfen kleine Pokale auf den Rasen.
Die Aktion spielte darauf an, dass Lok Leipzig trotz zweier Meisterschaften in Folge nicht in die 3. Liga aufgestiegen war. Zuletzt scheiterte der Verein in den Aufstiegsspielen gegen den Vertreter aus Bayern. Der Meisterpokal sei dadurch sportlich nahezu wertlos geworden, lautete die Botschaft der Aktion.
Auch bei den Begegnungen zwischen Carl Zeiss Jena und dem FSV Zwickau sowie zwischen Chemie Leipzig und Babelsberg beteiligten sich Mannschaften und Zuschauer an dem stillen Protest.
Erfurts Trainer fordert neuen Schwung
Rot-Weiß Erfurts Trainer Fabian Gerber unterstützte die Aktion nach dem 4:1-Auftaktsieg gegen den BFC Dynamo. In die Reformdebatte müsse wieder Bewegung kommen. Als bevorzugte Lösung nannte er das sogenannte Kompassmodell.
Dieses Modell sieht vier Regionalligen vor, deren geografische Grenzen regelmäßig angepasst werden könnten. Dadurch gäbe es ebenso viele Regionalliga-Meister wie Aufstiegsplätze zur 3. Liga. Jeder Staffelsieger könnte direkt aufsteigen.
Reform scheiterte vorerst an fehlender Einigkeit
Eine monatelang vorbereitete Abstimmung über die künftige Struktur der Regionalligen hatte Ende Juni kein einheitliches Ergebnis gebracht. Mehr als 95 Prozent der beteiligten Klubs wünschen grundsätzlich eine Veränderung, konnten sich jedoch nicht auf ein gemeinsames Modell einigen.
Neben dem Kompassmodell steht ein Regionenmodell zur Diskussion. Dabei würden aus den bisherigen Staffeln Nord, Nordost und Bayern zwei neue Ligen entstehen. Die Regionalligen West und Südwest blieben weitgehend bestehen. Im Nordosten wird dieses Modell kritisch gesehen, weil die bestehende Staffel aufgelöst und ostdeutsche Vereine auf unterschiedliche Regionen verteilt würden.
Die ursprünglich angestrebte Reform zur Saison 2028/29 ist damit unsicher. Wie und wann die Gespräche fortgesetzt werden, ist bislang offen.
Nur noch ein Ostverein in der 3. Liga
Die ungleichen Aufstiegschancen haben aus Sicht der Nordost-Vereine auch Auswirkungen auf die Zusammensetzung der 3. Liga. In der Saison 2026/27 ist Hansa Rostock der einzige ostdeutsche Drittligist.
Dynamo Dresden und der 1. FC Magdeburg spielen in der 2. Bundesliga, Energie Cottbus ist ebenfalls in die Zweitklassigkeit aufgestiegen. Lok Leipzig verpasste dagegen trotz der Meisterschaft erneut den Sprung nach oben.
Initiative zählt 77 Unterstützer
Der Initiative „Aufstiegsreform 2025“ haben sich inzwischen 77 Vereine von der Bundesliga bis zur Oberliga angeschlossen. Das gemeinsame Ziel bleibt eine Struktur, in der sportliche Meisterschaften automatisch mit dem Aufstieg belohnt werden.
Der Protest zum Saisonauftakt war deshalb nicht als einmalige Aktion gedacht. Vereine und Fans wollen weiter öffentlich Druck machen, bis DFB und Regionalverbände eine dauerhafte Lösung vereinbaren.
Quellen
Nordostdeutscher Fußballverband: Zusammenfassung des ersten Spieltags und der Protestaktionen.