Rostock-Warnemünde bekommt am Sonntag wichtigen Besuch im Wettbewerb um olympische Segelwettbewerbe. Bayerns Innen- und Sportminister Joachim Herrmann reist mit einer Delegation nach Warnemünde, um sich über den möglichen Segelstandort für eine Olympiabewerbung Münchens zu informieren. Mecklenburg-Vorpommerns Sportministerin Stefanie Drese begleitet den Besuch. Beginn ist nach Angaben der Landesregierung um 9.45 Uhr an der Mittelmole.

Warnemünde will München überzeugen

Hinter dem Besuch steckt mehr als ein gewöhnlicher Termin am Rande der Hanse Sail. Rostock versucht seit Monaten, Warnemünde als deutschen Standort für olympische und paralympische Segelwettbewerbe zu positionieren.

Die Stadt argumentiert mit einem international bekannten Segelrevier, kurzen Wegen zwischen Hafen und Regattabahnen sowie vorhandener sportlicher Infrastruktur. In Warnemünde befindet sich außerdem ein Bundesstützpunkt Segeln.

Für München ist die Frage relevant, weil Segelwettbewerbe bei Sommerspielen nicht in der bayerischen Landeshauptstadt ausgetragen werden könnten. Ein leistungsfähiger Außenstandort an Nord- oder Ostsee wäre erforderlich.

Drei Bewerber beschäftigen sich mit Warnemünde

Rostock hat sich nicht ausschließlich auf München konzentriert.

Nach Angaben der Stadt haben Berlin+, München und Rhein-Ruhr Warnemünde in ihren Überlegungen beziehungsweise Konzepten als möglichen Segelstandort berücksichtigt.

Berlin hatte sich bereits zuvor für Warnemünde ausgesprochen. Für Rostock wäre es deshalb besonders wertvoll, auch München für die Ostseeküste zu gewinnen.

Mittelmole und Hohe Düne sind wichtige Argumente

Die Rostocker Bewerbung setzt stark auf bestehende Infrastruktur.

Die Stadt verweist auf die Yachthäfen Mittelmole und Hohe Düne. Der 2025 neu eröffnete Yachthafen auf der Mittelmole verfügt nach Angaben Rostocks über eine integrierte Sportschule. Hinzu kommen kurze Wege zu möglichen Wettkampfflächen auf der Ostsee.

Ein weiterer Punkt ist das Zuschauererlebnis. Nach Darstellung der Stadt könnten Wettkämpfe teilweise vom Strand aus verfolgt werden.

Damit will sich Warnemünde von klassischen Segelstandorten abheben.

Konkurrenz schläft nicht

Eine Entscheidung für Warnemünde ist keineswegs selbstverständlich.

Mit Kiel steht ein traditionsreicher deutscher Segelstandort als Konkurrent bereit. Kiel war bereits 1936 und 1972 Austragungsort olympischer Segelwettbewerbe und wirbt ebenfalls um eine Rolle bei einer neuen deutschen Bewerbung.

Für Rostock geht es deshalb darum, politische Entscheidungsträger von den vorhandenen Anlagen und Entwicklungsmöglichkeiten zu überzeugen.

Rostock sieht Olympia als Stadtentwicklungsprojekt

Die Bewerbung wird in Rostock nicht ausschließlich sportlich begründet.

Stadt und Land verbinden mit Olympia auch Fragen der Infrastruktur, internationalen Sichtbarkeit und Stadtentwicklung. Die Rostocker Bürgerschaft unterstützt das Vorhaben, ebenso hatte sich der Landtag Mecklenburg-Vorpommerns grundsätzlich hinter olympische Segelwettbewerbe in Warnemünde gestellt.

Die Stadt verweist zudem auf Bahnverbindungen Richtung Berlin und Hamburg sowie den Flughafen Rostock-Laage.

Sonntag wird zum Schaufenster für Warnemünde

Dass der Besuch aus Bayern während der Hanse Sail erfolgt, ist für Rostock günstig.

Warnemünde präsentiert sich an diesem Wochenende ohnehin als maritime Großveranstaltungsstadt. Genau dieses Bild soll offenbar auch gegenüber der bayerischen Delegation wirken: Hafen, Segelsport, Besucher und maritime Infrastruktur an einem Ort.

Ob München sich am Ende tatsächlich für Warnemünde entscheidet, ist offen.

Der Sonntag dürfte aber ein wichtiger Termin in Rostocks Olympia-Kampagne werden.

Quellen

Ministerium für Soziales, Gesundheit und Sport Mecklenburg-Vorpommern – Termine vom 9. August 2026

Hanse- und Universitätsstadt Rostock – Olympisches Segeln in Rostock-Warnemünde

Hanse- und Universitätsstadt Rostock – Vision und Mission der Olympiabewerbung