Potsdam. Der eigene Bruder bespitzelte ihn für die Stasi. Jahrzehnte später sucht der ehemalige politische DDR-Häftling Peter Keup nach Antworten und konfrontiert frühere Mitarbeiter des DDR-Geheimdienstes mit ihrer Vergangenheit. Die Dokumentation „Spione unter uns“ zeigt diese außergewöhnlichen Begegnungen. Am Donnerstag, dem 5. November 2026, wird der Film um 19 Uhr im Filmmuseum Potsdam gezeigt. Anschließend stellt sich Keup den Fragen des Publikums.

Wenn der eigene Bruder zum Spitzel wird

Peter Keup war politischer Gefangener in der DDR. Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde er Historiker und begann, seine persönliche Vergangenheit aufzuarbeiten.

Dabei beschäftigt ihn besonders der Verrat durch seinen eigenen Bruder, der Informationen über ihn an die Staatssicherheit weitergegeben hatte.

Mehr als drei Jahrzehnte nach dem Ende des Kalten Krieges sucht Keup das Gespräch mit ehemaligen Stasi-Offizieren. Dabei entstehen ungewöhnliche Begegnungen zwischen einem früheren Opfer politischer Verfolgung und Männern, die selbst Teil des Überwachungsapparates waren.

Die amerikanische Dokumentation „The Spies Among Us“ von Jamie Coughlin Silverman und Gabriel Silverman begleitet diese Auseinandersetzung.

Der 94-minütige Film aus dem Jahr 2025 zeigt, wie tief die Überwachung der DDR-Staatssicherheit in persönliche Beziehungen und Familien hineinreichen konnte.

Einblicke in das System der Staatssicherheit

Die Stasi gehörte zu den zentralen Machtinstrumenten der SED-Diktatur. Mit hauptamtlichen Mitarbeitern und einem weitreichenden Netz inoffizieller Informanten überwachte sie die Bevölkerung.

Der Film beleuchtet die Funktionsweise dieses Apparates aus einer besonderen Perspektive: Ein ehemaliger politischer Gefangener spricht direkt mit Menschen, die das System mitgetragen haben.

Dabei geht es um persönliche Verantwortung, Loyalität gegenüber der Diktatur und die Frage, wie Menschen dazu gebracht werden konnten, selbst Angehörige oder Freunde zu überwachen.

Die Gespräche zeigen zugleich, wie schwierig die Aufarbeitung politischer Verfolgung noch Jahrzehnte nach dem Ende der DDR sein kann.

Filmgespräch mit Peter Keup

Die Vorführung findet in Kooperation zwischen der Stiftung Gedenkstätte Lindenstraße und dem Filmmuseum Potsdam statt.

Im Anschluss spricht die Direktorin der Gedenkstätte, Maria Schultz, mit dem Protagonisten Dr. Peter Keup.

Die Veranstaltung gehört zum Begleitprogramm der Sonderausstellung „Leben nach der Haft. Ehemalige politische Gefangene der DDR berichten“.

Darin schildern 20 ehemalige politische Häftlinge ihre Erfahrungen in den Haftanstalten von Potsdam und Cottbus.

Die Ausstellung beschäftigt sich auch mit den langfristigen Folgen politischer Haft. Zwischen 1949 und 1989 wurden in der DDR etwa 250.000 Menschen aus politischen Gründen inhaftiert. Viele Betroffene litten noch lange nach ihrer Entlassung unter gesundheitlichen, beruflichen und familiären Folgen.

Termin und Eintritt

„Spione unter uns“ wird am 5. November 2026 um 19 Uhr im Filmmuseum Potsdam gezeigt.

Der Eintritt beträgt fünf Euro. Im Anschluss findet das moderierte Filmgespräch mit Peter Keup statt.

Die begleitende Sonderausstellung in der Gedenkstätte Lindenstraße ist noch bis zum 6. Juni 2027 zu sehen.

Die Dokumentation macht deutlich, dass die Geschichte der Staatssicherheit nicht allein in Archiven weiterlebt. Für viele ehemalige Verfolgte bleiben Verrat, Überwachung und die Suche nach Antworten bis heute Teil ihrer persönlichen Lebensgeschichte.