Perleberg – Am 17. Oktober 1761 wurde Johann Bernhard Stappenbeck in Perleberg geboren. 265 Jahre später erinnert die Stadt an einen früheren Bürgermeister, dessen Amtszeit eng mit einem der rätselhaftesten historischen Fälle der Region verbunden ist.
Stappenbeck war zunächst Ratsherr und Stadtsekretär, bevor er von 1809 bis 1821 Bürgermeister von Perleberg wurde.
Kindheit und Ausbildung in bewegten Zeiten
Stappenbecks Kindheit fiel in eine von Kriegen geprägte Zeit.
Zunächst besuchte er in Perleberg die damalige „Große Schule“ am Kirchplatz. Später wechselte er an das Joachimsthalsche Gymnasium in Berlin und studierte anschließend an der Universität Halle.
1785 kehrte er in seine Heimatstadt zurück.
Im Jahr 1800 heiratete Stappenbeck Friederike Pfützenreuter. Aus der Ehe gingen vier Kinder hervor. Der älteste Sohn Wilhelm Stappenbeck wurde später selbst eine bekannte Persönlichkeit in Perleberg und leitete von 1831 bis 1846 als Rektor die „Große Schule“.
Mysteriöser Fall gleich im ersten Amtsjahr
Stappenbecks erstes Jahr als Bürgermeister wurde von einem außergewöhnlichen Ereignis überschattet.
Im November 1809 verschwand der britische Diplomat Lord Benjamin Bathurst während der Napoleonischen Zeit spurlos aus einer Perleberger Poststation.
Bathurst war damals englischer Gesandter am Wiener Hof.
Was mit ihm geschah, konnte nie abschließend geklärt werden.
Gerüchte über französische Spione
Das Verschwinden sorgte schon damals für zahlreiche Spekulationen.
Unter anderem entstand die Theorie, Bathurst könnte von französischen Spionen entführt worden sein. Beweise für diese und andere Vermutungen fanden sich jedoch nicht.
Bürgermeister Stappenbeck beteiligte sich intensiv an der Suche nach dem verschwundenen Diplomaten und versuchte, dessen Verbleib aufzuklären.
Der Fall blieb dennoch ungelöst und entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einer der bekanntesten historischen Geschichten Perlebergs.
Stappenbeck lehnt Wiederwahl ab
1821 stellte sich Stappenbeck nicht erneut zur Wahl als Bürgermeister.
Anschließend übernahm er das Amt eines Ritterschafts-Syndicus. In historischen Überlieferungen wird er als charaktervolle Persönlichkeit beschrieben.
Johann Bernhard Stappenbeck starb am 5. November 1832 in Perleberg. Er wurde 71 Jahre alt.
Knabenbild erinnert an späteren Bürgermeister
Eine besondere Erinnerung an Stappenbeck befindet sich heute im Stadt- und Regionalmuseum Perleberg.
Dort wird seit 2025 ein Ölgemälde als Dauerleihgabe der Familie Stappenbeck gezeigt.
Das Bild zeigt den späteren Bürgermeister als Jungen in einer auffälligen Kinderuniform mit Lockenkranzfrisur.
Die Uniform orientiert sich an der Parademontur des Husaren-Regiments Nr. 2 „von Zieten“. Zu sehen sind unter anderem ein roter Dolman mit blauen Aufschlägen und goldener Verschnürung, rote Hosen und gelbe Stiefel.
Erinnerung an ein Stück Perleberger Stadtgeschichte
Mit dem 265. Geburtstag rückt damit nicht nur die Biografie eines früheren Bürgermeisters in den Mittelpunkt.
Stappenbecks Lebensgeschichte verbindet zugleich lokale Stadtgeschichte mit einem bis heute ungeklärten historischen Kriminalfall, der Perleberg weit über die Region hinaus bekannt machte.