Nauen. Wer derzeit am Bahnhof Nauen sein Auto abstellen möchte, braucht mitunter Geduld. Die Bauarbeiten an der Lehrter Bahn und der damit verbundene Schienenersatzverkehr haben die ohnehin angespannte Parkplatzsituation weiter verschärft. Besonders für Berufspendler, die auf eine Kombination aus Auto und öffentlichem Nahverkehr angewiesen sind, entwickelt sich die Suche nach einem freien Stellplatz zu einer zusätzlichen Belastung.
Die Stadt Nauen sieht dringenden Handlungsbedarf. Nach Angaben der Verwaltung hatte sie die Deutsche Bahn bereits vor Beginn der Bauarbeiten auf die zu erwartenden Probleme hingewiesen. Sogar zusätzliche Flächen für Parkplätze seien angeboten worden. Umgesetzt wurde dieser Vorschlag bislang jedoch nicht.
Nun prüft die Stadt, ob sie selbst weitere Stellplätze bereitstellen kann. Eine kurzfristige Lösung ist allerdings noch nicht absehbar.
Stadt hatte frühzeitig vor Parkplatzproblemen gewarnt
Die Schwierigkeiten rund um den Nauener Bahnhof kommen für die Stadtverwaltung offenbar nicht überraschend.
Bereits vor Beginn der Baumaßnahmen an der Lehrter Bahn habe die Stadt mit der Deutschen Bahn über die zu erwartenden Folgen gesprochen. Dabei sei insbesondere auf die zusätzlichen Belastungen durch den Schienenersatzverkehr hingewiesen worden.
Wenn Bahnverbindungen durch Busse ersetzt werden und sich gewohnte Reisewege verändern, kann dies auch Auswirkungen auf die Parkplatznachfrage haben.
Nauen ist als Bahnhof für Pendler aus der Stadt und dem Umland von Bedeutung. Viele Fahrgäste gelangen zunächst mit dem eigenen Auto zum Bahnhof und setzen ihre Reise anschließend mit öffentlichen Verkehrsmitteln fort.
Geraten die bestehenden Stellflächen an ihre Kapazitätsgrenze, entstehen daraus Probleme, die über die eigentliche Bahnbaustelle hinausgehen.
Nach Angaben der Stadtverwaltung fanden deshalb mehrere Gespräche mit der Deutschen Bahn statt. Auch das zuständige Landesministerium wurde über die erwarteten Belastungen informiert und um Unterstützung gebeten.
Zusätzliche Flächen angeboten – bislang ohne Umsetzung
Besonders bemerkenswert ist, dass die Stadt nach eigener Darstellung bereits eine konkrete Möglichkeit zur Entlastung vorgeschlagen hat.
Demnach wurden der Deutschen Bahn Flächen neben dem bestehenden Erweiterungsparkplatz angeboten, auf denen zusätzliche Stellplätze entstehen könnten.
Eine Umsetzung dieses Vorschlags sei bislang ausgeblieben.
Weshalb die Deutsche Bahn das Angebot bisher nicht aufgegriffen hat, geht aus der Mitteilung der Stadt nicht hervor.
Ebenso bleibt offen, ob technische, finanzielle oder organisatorische Gründe einer Umsetzung entgegenstehen.
Eine Stellungnahme der Deutschen Bahn zu den Angaben der Stadt liegt in der vorliegenden Presseinformation nicht vor.
Damit bleibt zunächst ungeklärt, warum eine bereits angebotene Möglichkeit zur Erweiterung des Parkplatzangebots bisher nicht genutzt wurde.
Für die betroffenen Pendler ist diese Frage allerdings von unmittelbarer Bedeutung. Denn solange keine zusätzlichen Stellplätze zur Verfügung stehen, bleibt die angespannte Situation bestehen.
Neue Parkplätze an der Spandauer Straße möglich
Unabhängig von den Gesprächen mit der Deutschen Bahn sucht die Stadt Nauen inzwischen nach eigenen Möglichkeiten, zusätzliche Parkflächen zu schaffen.
Im Gespräch sind unter anderem Stellplätze im Bereich der Spandauer Straße.
Allerdings können die betreffenden Flächen nicht ohne vorherige Prüfung für den Fahrzeugverkehr freigegeben werden.
Nach Angaben der Verwaltung muss zunächst sichergestellt werden, dass sie für eine sichere Nutzung als Parkplatz geeignet sind.
Dabei spielt insbesondere die Tragfähigkeit des Untergrundes eine Rolle.
Eine Fläche, die zunächst ausreichend Platz bietet, ist nicht automatisch für eine regelmäßige Belastung durch parkende Fahrzeuge geeignet.
Vor einer Nutzung müssen daher die entsprechenden Voraussetzungen geprüft werden.
Einen Termin für eine mögliche Freigabe kann die Stadt derzeit nicht nennen.
Ob und in welchem Umfang tatsächlich neue Stellplätze entstehen, ist damit noch offen.
Falschparker müssen mit Konsequenzen rechnen
Die angespannte Parkplatzsituation führt auch zu einem weiteren Problem: Wenn reguläre Stellplätze fehlen, weichen Autofahrer möglicherweise auf Flächen aus, die nicht zum Parken vorgesehen sind.
Die Stadtverwaltung macht deutlich, dass sie solche Ausweichmanöver nicht generell dulden kann.
Die zuständigen städtischen Bereiche kontrollieren die Situation rund um den Bahnhof regelmäßig.
Besonderes Augenmerk gilt dabei Zufahrten, Fahrwegen, Fußwegen und Rettungswegen.
Diese müssen jederzeit frei bleiben.
Die Verwaltung zeigt Verständnis dafür, dass Pendler unter Zeitdruck stehen und angesichts der Parkplatzsuche nach schnellen Lösungen suchen.
Gleichzeitig weist sie darauf hin, dass falsch abgestellte Fahrzeuge beanstandet werden müssen, wenn sie andere Verkehrsteilnehmer behindern oder die Sicherheit gefährden.
Insbesondere blockierte Rettungswege können im Ernstfall schwerwiegende Folgen haben.
Auch Grünflächen und andere nicht ausdrücklich zum Parken vorgesehene Bereiche dürfen nicht als zusätzliche Stellplätze genutzt werden.
Bürgermeister empfiehlt Fahrgemeinschaften und alternative Anreise
Bis neue Parkflächen zur Verfügung stehen, setzt die Stadt auf vorübergehende Entlastung durch ein verändertes Verkehrsverhalten.
Pendler sollen nach Möglichkeit bestehende und entsprechend ausgeschilderte Parkplätze nutzen.
Außerdem empfiehlt die Verwaltung, mehr Zeit für die Parkplatzsuche sowie gegebenenfalls einen längeren Fußweg einzuplanen.
Auch Fahrgemeinschaften könnten dazu beitragen, die Zahl der abgestellten Fahrzeuge zu verringern.
Wer die Möglichkeit hat, kann alternativ mit dem Fahrrad oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Bahnhof fahren.
Bürgermeister Dr. Michael Wiebersinsky verweist in diesem Zusammenhang auf eine Pendler-App sowie die App des Landkreises Havelland. Beide können nach Angaben der Stadt bei der Suche nach alternativen Wegen zur Anreise unterstützen.
Allerdings dürften solche Empfehlungen nicht für alle Betroffenen gleichermaßen umsetzbar sein.
Gerade Pendler aus kleineren Orten im Nauener Umland sind möglicherweise auf das Auto angewiesen, wenn passende Busverbindungen fehlen oder Arbeitszeiten außerhalb der üblichen Verkehrszeiten liegen.
Die Frage nach ausreichenden Parkmöglichkeiten bleibt deshalb unabhängig von individuellen Alternativen bestehen.
Bauarbeiten an der Lehrter Bahn haben Folgen für das Umland
Die Situation in Nauen verdeutlicht, dass größere Bahnbaustellen nicht allein Auswirkungen auf den Zugverkehr haben.
Auch Straßen, Parkplätze und andere Verkehrsanlagen im Umfeld betroffener Bahnhöfe können zusätzlich belastet werden.
Schienenersatzverkehr verändert gewohnte Fahrwege und Umsteigepunkte. Dadurch entstehen neue Anforderungen, die möglichst bereits vor Beginn einer Baumaßnahme berücksichtigt werden sollten.
Die Stadt Nauen macht geltend, dass sie genau auf diese Schwierigkeiten frühzeitig hingewiesen habe.
Dass nun während der laufenden Bauarbeiten erneut über zusätzliche Stellflächen gesprochen werden muss, zeigt zumindest, dass die bisherigen Vorkehrungen aus Sicht der Stadt nicht ausreichen.
Ob die angebotenen Flächen tatsächlich kurzfristig genutzt werden könnten und welche Voraussetzungen dafür notwendig wären, müsste gemeinsam mit der Deutschen Bahn geklärt werden.
Für eine umfassende Bewertung fehlt bislang deren Darstellung.
Wann kommen die zusätzlichen Stellplätze?
Für die Pendler bleibt die wichtigste Frage vorerst unbeantwortet.
Zwar prüft die Stadt zusätzliche Parkmöglichkeiten, doch ein konkreter Eröffnungstermin steht nicht fest.
Auch zur Zahl der möglicherweise neu entstehenden Stellplätze macht die Verwaltung bislang keine Angaben.
Sobald geeignete Flächen zur Verfügung stehen, will die Stadt Nauen darüber informieren.
Bis dahin müssen sich Autofahrer weiterhin auf eine angespannte Parksituation einstellen.
Die Stadt empfiehlt, ausschließlich ausgewiesene Stellflächen zu nutzen und zusätzliche Zeit einzuplanen.
Der Parkplatzmangel am Nauener Bahnhof zeigt, dass eine Bahnbaustelle weit über die Schienen hinaus Folgen haben kann. Während die Stadt auf frühzeitige Warnungen und ein bislang nicht umgesetztes Flächenangebot verweist, warten die Pendler weiter auf eine konkrete Entlastung.