Damit lagen beide Ergebnisse unter dem offiziellen kombinierten WLTP-Verbrauch von 4,1 Litern je 100 Kilometer.
Zwei Fahrer auf unterschiedlichen Strecken
An der Challenge nahmen Bernd Conrad vom YouTube-Kanal „Auto Notizen“ und Alexander Schäfer vom Kanal „CarRanger“ teil.
Conrad startete in Köln und fuhr in Richtung Gardasee. Schäfer begann seine Reise in Heilbronn und führte seine Route durch Frankreich. Unterwegs besuchte er mehrere Produktionsstandorte der Renault Group.
Beide Fahrer hatten die Aufgabe, mindestens 1.000 Kilometer mit einer Tankfüllung zurückzulegen. Dabei sollten sie nach Vorgabe des Herstellers keine extreme Sparfahrt betreiben.
Kein klassisches Hypermiling vorgesehen
Beim sogenannten Hypermiling versuchen Fahrer, den Kraftstoffverbrauch durch besonders langsames Beschleunigen, sehr geringe Geschwindigkeiten und weitere gezielte Maßnahmen möglichst stark zu reduzieren.
Für die Renault-Challenge war eine solche Fahrweise nach Angaben des Unternehmens ausdrücklich nicht vorgesehen. Die beiden Teilnehmer sollten normal im Verkehr mitschwimmen und dabei andere Verkehrsteilnehmer nicht behindern.
Auf Autobahnen waren sie demnach meist mit ungefähr 100 Kilometern pro Stunde oder etwas schneller unterwegs. Auf Landstraßen hielten sie sich an die jeweils geltenden Geschwindigkeitsbegrenzungen.
Bernd Conrad erklärte, die geplante Autobahngeschwindigkeit habe zunächst ambitioniert gewirkt. Im Verlauf der Fahrt habe sich jedoch gezeigt, dass ein flüssiges Mitschwimmen im Verkehr möglich gewesen sei.
1.112 Kilometer auf der Fahrt zum Gardasee
Bernd Conrad erreichte nach Herstellerangaben eine Gesamtstrecke von 1.112 Kilometern.
Der ermittelte Durchschnittsverbrauch lag bei 3,59 Litern je 100 Kilometer. Damit unterschritt er den offiziellen kombinierten WLTP-Wert des Modells um rund einen halben Liter.
Bei einer solchen Langstreckenfahrt können gleichmäßige Geschwindigkeiten und wenige starke Beschleunigungsvorgänge den Verbrauch deutlich senken. Stadtverkehr mit häufigem Anfahren, kurze Strecken und niedrige Außentemperaturen können dagegen zu höheren Werten führen.
Das Ergebnis lässt sich deshalb nicht ohne Weiteres auf jeden alltäglichen Einsatz übertragen. Es zeigt jedoch, welche Reichweite unter günstigen Langstreckenbedingungen möglich sein kann.
Zweiter Clio erreicht 1.101 Kilometer
Alexander Schäfer kam auf eine Strecke von 1.101 Kilometern.
Der Verbrauch wurde nach Angaben von Renault sowohl über den Bordcomputer als auch anhand der Tankquittung ermittelt. Das Ergebnis lag bei 3,64 Litern je 100 Kilometer.
Damit bewegten sich die beiden Fahrzeuge trotz unterschiedlicher Routen und Fahrer auf einem ähnlichen Verbrauchsniveau.
Schäfer bezeichnete vor allem die deutliche Überschreitung der 1.000-Kilometer-Marke als überraschend. Nach seiner Darstellung wurden die Ergebnisse auf realen Straßen und ohne besondere Tricks erreicht.
Herstellerangabe liegt bei 4,1 Litern
Für den Renault Clio Full Hybrid E-Tech 160 nennt Renault einen kombinierten Kraftstoffverbrauch von 4,1 Litern je 100 Kilometer nach dem WLTP-Verfahren.
Die kombinierten CO₂-Emissionen werden mit 92 Gramm je Kilometer angegeben. Das Fahrzeug gehört nach Herstellerangaben zur CO₂-Klasse B.
WLTP-Werte werden unter festgelegten Prüfbedingungen ermittelt und sollen eine bessere Vergleichbarkeit zwischen unterschiedlichen Fahrzeugen ermöglichen. Der tatsächliche Verbrauch im Straßenverkehr kann davon abweichen.
Einfluss haben unter anderem:
- Geschwindigkeit und Fahrweise,
- Außentemperatur und Wetter,
- Verkehrsaufkommen,
- Beladung des Fahrzeugs,
- Reifen und Reifendruck,
- Nutzung von Klimaanlage und Heizung,
- Streckenprofil und Höhenunterschiede.
Die Challenge zeigt daher ein konkretes Ergebnis auf ausgewählten Langstrecken, ersetzt aber keinen allgemeinen Verbrauchstest unter allen möglichen Alltagsbedingungen.
Vollhybrid benötigt keine externe Ladesäule
Der Clio Full Hybrid E-Tech 160 ist ein Vollhybrid. Er kombiniert einen Benzinmotor mit einem elektrischen Antrieb und einer Batterie.
Anders als bei einem Plug-in-Hybrid wird die Batterie nicht an einer externen Ladesäule aufgeladen. Die Energie stammt unter anderem aus dem Verbrennungsmotor und der Rückgewinnung von Energie beim Verzögern und Bremsen.
Der Elektromotor kann den Benzinmotor vor allem beim Anfahren, bei niedriger Geschwindigkeit und in bestimmten Fahrsituationen unterstützen. Dadurch soll der Kraftstoffverbrauch sinken.
Auf langen Autobahnstrecken ist der Vorteil eines Hybridsystems häufig geringer als im Stadtverkehr, weil weniger gebremst und damit auch weniger Energie zurückgewonnen wird. Umso bemerkenswerter ist aus Herstellersicht der niedrige Verbrauch während der Langstreckenfahrten.
Hohe Reichweite ohne Dieselantrieb
Mit den erzielten Ergebnissen will Renault zeigen, dass Reichweiten von mehr als 1.000 Kilometern nicht ausschließlich großen Dieselfahrzeugen vorbehalten sind.
Vollhybride verbinden einen vergleichsweise kleinen Benzintank mit einem elektrifizierten Antrieb. Entscheidend ist deshalb nicht allein das Tankvolumen, sondern der tatsächliche Verbrauch auf der Strecke.
Bei einem Durchschnittswert von ungefähr 3,6 Litern je 100 Kilometer werden für 1.000 Kilometer rechnerisch rund 36 Liter Kraftstoff benötigt.
Die konkrete nutzbare Reichweite hängt jedoch davon ab, wie groß der Tank ist, wann die Reserveanzeige erscheint und ob der Tank vollständig gefüllt wurde.
Ergebnisse stammen aus einer Hersteller-Challenge
Bei der Einordnung ist zu beachten, dass Renault die Aktion organisiert und die Ergebnisse in einer eigenen Pressemitteilung veröffentlicht hat.
Die Teilnehmer sind bekannte Auto-YouTuber, die ihre Fahrten in Videos dokumentierten. Es handelte sich jedoch nicht um einen unabhängigen Vergleichstest eines Prüfinstituts.
Auch die Strecken wurden nicht unter identischen Bedingungen gefahren. Unterschiedliche Verkehrsverhältnisse, Wetterlagen, Höhenprofile und Geschwindigkeiten können den Verbrauch beeinflusst haben.
Die nahe beieinanderliegenden Ergebnisse geben dennoch einen nachvollziehbaren Hinweis auf die mögliche Langstreckeneffizienz des Modells.
Normaltempo bleibt eine Frage der Einordnung
Renault betont, dass die Fahrer nicht im klassischen Hypermiling-Stil unterwegs gewesen seien. Eine Autobahngeschwindigkeit um 100 Kilometer pro Stunde liegt allerdings unter dem Tempo vieler Fahrer auf freien deutschen Autobahnen.
Bei 120 oder 130 Kilometern pro Stunde steigt der Luftwiderstand deutlich. Dadurch erhöht sich gewöhnlich auch der Verbrauch.
Wer die Reichweite von mehr als 1.100 Kilometern im Alltag erreichen möchte, dürfte daher ebenfalls auf eine gleichmäßige und eher zurückhaltende Fahrweise angewiesen sein.
Die Ergebnisse zeigen weniger eine pauschal erreichbare Alltagsreichweite als vielmehr das Potenzial des Fahrzeugs bei bewusst effizienter Langstreckenfahrt.
Benzinpreise entscheiden über die Reisekosten
Bei einem Verbrauch von 3,6 Litern je 100 Kilometer benötigt der Clio für eine Strecke von 1.000 Kilometern rechnerisch etwa 36 Liter Benzin.
Die tatsächlichen Kraftstoffkosten richten sich nach dem jeweiligen Benzinpreis. Liegt dieser beispielsweise bei 1,80 Euro pro Liter, würden rund 64,80 Euro für 1.000 Kilometer entstehen.
Dieser Betrag ist nur ein Rechenbeispiel und nicht Bestandteil der Herstellerangaben. Regionale Preisunterschiede und Schwankungen an den Tankstellen können die tatsächlichen Kosten verändern.
Kompakter Hybrid für lange Strecken
Der Renault Clio gehört zur Kleinwagenklasse. In dieser Fahrzeugkategorie stehen gewöhnlich Stadtverkehr, kurze Pendelwege und ein überschaubarer Platzbedarf im Vordergrund.
Die Challenge soll dagegen die Langstreckentauglichkeit des Vollhybridmodells hervorheben.
Eine Reichweite von mehr als 1.000 Kilometern reduziert auf längeren Reisen die Zahl notwendiger Tankstopps. Ob dies für Käufer ein entscheidendes Kriterium ist, hängt jedoch vom persönlichen Einsatzprofil ab.
Für Vielfahrer sind neben dem Verbrauch auch Sitzkomfort, Geräuschniveau, Kofferraum, Wartungskosten und der Kaufpreis von Bedeutung.
Zwei Renault Clio Full Hybrid E-Tech 160 haben bei einer vom Hersteller organisierten Challenge jeweils mehr als 1.100 Kilometer mit einer Tankfüllung zurückgelegt.
Mit Durchschnittsverbräuchen von 3,59 und 3,64 Litern je 100 Kilometer blieben beide Fahrer unter dem offiziellen WLTP-Wert von 4,1 Litern.
Die Ergebnisse belegen keine allgemein erreichbare Alltagsreichweite. Sie zeigen jedoch, dass ein kompakter Vollhybrid bei gleichmäßiger und zurückhaltender Langstreckenfahrt Verbrauchswerte von rund 3,6 Litern erreichen kann.
Quelle:
Renault Deutschland: Presseinformation „Mehr als 1.000 Kilometer mit einer Tankfüllung: Renault Clio brilliert bei Reichweiten-Challenge“, veröffentlicht am 23. Juli 2026.