Lübben (Spreewald). Als Vertreter der Städte Lübben und Neunkirchen im November 1986 ihre Partnerschaft besiegelten, war Deutschland noch geteilt. Die Berliner Mauer stand, die DDR und die Bundesrepublik gehörten unterschiedlichen politischen Systemen an. Dennoch wagten beide Kommunen den Schritt aufeinander zu. Vier Jahrzehnte später erinnert das Museum Schloss Lübben mit einer Sonderausstellung an die außergewöhnliche Geschichte dieser deutsch-deutschen Verbindung. Die Schau „Freundschaft. 40 Jahre Städtepartnerschaft zwischen Lübben und Neunkirchen“ wird am 24. Oktober 2026 eröffnet.

Eine Städtepartnerschaft mitten im Kalten Krieg

Im November 1986 wurde im Wappensaal des Lübbener Schlossturms Geschichte geschrieben. Vertreter des brandenburgischen Lübben und des saarländischen Neunkirchen unterzeichneten eine Städtepartnerschaft, die damals keineswegs selbstverständlich war.

Es handelte sich um die zweite innerdeutsche Städtepartnerschaft überhaupt. In einer Zeit, in der die beiden deutschen Staaten durch eine streng bewachte Grenze voneinander getrennt waren, sollte die Vereinbarung Begegnungen und Kontakte über diese politische Trennung hinweg ermöglichen.

Bereits wenige Wochen nach der Unterzeichnung folgte im Dezember 1986 ein Gegenbesuch in Neunkirchen.

Die saarländische Stadt hatte dabei eine besondere historische Verbindung zur DDR: Neunkirchen war der Geburtsort von Erich Honecker, der von 1971 bis 1989 an der Spitze der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands stand.

Die Partnerschaft entstand somit in einem politisch bemerkenswerten Umfeld. Was zunächst als kommunale Verbindung zwischen zwei Städten begann, entwickelte sich über die Jahrzehnte zu einer Beziehung, die den Untergang der DDR und die deutsche Wiedervereinigung überdauerte.

Ausstellung erzählt von Begegnungen und persönlichen Freundschaften

Das Museum Schloss Lübben nimmt das 40-jährige Jubiläum zum Anlass, die Entwicklung der Partnerschaft nachzuzeichnen.

Die Ausstellung beleuchtet sowohl ihre Anfänge und Schwierigkeiten als auch den Wandel nach 1989 und 1990.

Dabei geht es nicht ausschließlich um offizielle Besuche, politische Erklärungen und Vereinbarungen. Im Mittelpunkt stehen vor allem die Menschen, die aus dem kommunalen Kontakt eine lebendige Verbindung machten.

Zahlreiche Fotografien, historische Dokumente und Gegenstände sollen zeigen, wie aus zunächst politisch geprägten Kontakten persönliche Bekanntschaften, Freundschaften und ein vielfältiger Austausch entstanden.

Die Ausstellung beschäftigt sich zugleich mit Gemeinsamkeiten und Unterschieden der beiden Städte. Sie fragt danach, welche Herausforderungen Lübben und Neunkirchen in der Vergangenheit bewältigen mussten und was sie heute miteinander verbindet.

So wird die Geschichte der Städtepartnerschaft auch zu einem Stück deutsch-deutscher Zeitgeschichte.

Was hat die Wiedervereinigung verändert?

Einen besonderen Schwerpunkt bildet die Entwicklung nach dem Mauerfall.

Mit der deutschen Wiedervereinigung veränderten sich auch die politischen Voraussetzungen der Städtepartnerschaft grundlegend. Aus zwei Kommunen in unterschiedlichen Staaten wurden Partner innerhalb eines gemeinsamen Landes.

Damit wandelte sich auch die Bedeutung ihrer Zusammenarbeit.

Während persönliche Begegnungen vor 1990 noch durch die deutsche Teilung geprägt waren, entstanden danach neue Möglichkeiten für gemeinsame Projekte, Besuche und den Austausch zwischen Vereinen und Einwohnern.

Die Ausstellung will verdeutlichen, dass eine Städtepartnerschaft nicht allein von offiziellen Beschlüssen lebt. Entscheidend sind vielmehr die Menschen, die Kontakte pflegen, gemeinsame Interessen entdecken und Verbindungen über Generationen hinweg erhalten.

Ausstellungseröffnung mit Gesprächsrunde und Livemusik

Die Sonderausstellung wird am Samstag, 24. Oktober 2026, um 15 Uhr im Wappensaal des Museums Schloss Lübben eröffnet.

Zur Eröffnung stellen die Veranstalter auch ein begleitendes Buch vor, das sich mit der Geschichte der Partnerschaft beschäftigt.

Anschließend findet unter dem Titel „Grünes Sofa“ eine Gesprächsrunde mit Gästen aus beiden Städten statt. Moderiert wird sie vom Journalisten und Buchautor Uwe Rada.

Dabei sollen persönliche Erinnerungen ebenso zur Sprache kommen wie gegenwärtige Fragen und Zukunftsperspektiven.

Was wissen die Menschen in Neunkirchen heute noch über ihre brandenburgische Partnerstadt? Welche Erinnerungen verbinden die Einwohner mit früheren Begegnungen? Welche Bedeutung hat die Partnerschaft für jüngere Generationen?

Auch der Blick auf den Lübbener Platz in Neunkirchen gehört zu den Themen der Gesprächsrunde.

Die Veranstalter möchten damit nicht nur zurückschauen, sondern zugleich Anregungen für die kommenden Jahrzehnte sammeln.

Livemusik, ein Sektempfang und kurze Führungen durch die Ausstellung begleiten die Eröffnung. Der Eintritt ist frei.

Bis Februar 2027 im Schloss Lübben zu sehen

Die Ausstellung „Freundschaft. 40 Jahre Städtepartnerschaft zwischen Lübben und Neunkirchen“ ist vom 24. Oktober 2026 bis zum 13. Februar 2027 im Museum Schloss Lübben zu sehen.

Das Museum befindet sich am Ernst-von-Houwald-Damm 14 und ist regulär von Mittwoch bis Sonntag zwischen 10 und 17 Uhr geöffnet.

Mit der Sonderausstellung erinnert Lübben an eine Städtepartnerschaft, die in einer Zeit politischer Teilung begann und vier Jahrzehnte später noch immer besteht.

Sie zeigt, wie aus einer zunächst außergewöhnlichen Vereinbarung eine dauerhafte Verbindung zwischen Menschen und Kommunen entstehen konnte – über den Mauerfall und die deutsche Einheit hinaus.