Das Universitätsklinikum Leipzig beteiligt sich an einer internationalen Zulassungsstudie zu einem neuartigen Implantat. Der sogenannte Trans-Duodenal Barrier soll Stoffwechseleffekte eines Magenbypasses nachahmen, ohne dass dafür eine klassische Operation notwendig ist. Für die Studie werden geeignete Teilnehmer gesucht.
LEIPZIG. Das UKL ist nach eigenen Angaben eine von acht Kliniken in Deutschland, die das neue Verfahren untersuchen. Gedacht ist es für Menschen mit Typ-2-Diabetes und starkem Übergewicht, bei denen Gewicht und Blutzucker trotz bestehender Behandlung nicht ausreichend verbessert werden konnten.
Dünner Schlauch im oberen Dünndarm
Der Trans-Duodenal Barrier ist ein wenige Millimeter dünner und etwa 60 Zentimeter langer Schlauch. Er wird am Magenausgang befestigt und reicht bis in den oberen Dünndarm.
Die Nahrung fließt zunächst durch das Implantat und kommt dadurch erst später mit der Dünndarmschleimhaut und den Verdauungssäften in Berührung. Dies soll Stoffwechselprozesse und Hormonsignale beeinflussen, die bei der Regulierung des Blutzuckers und des Sättigungsgefühls eine Rolle spielen.
Prof. Matthias Blüher, Leiter der Adipositasambulanz für Erwachsene am UKL, beschreibt das Prinzip als mögliche zusätzliche Behandlungsoption für Patienten, die mit bisherigen Verfahren nicht ausreichend Gewicht verlieren.
Einsetzen dauert etwa 20 Minuten
Anders als bei einer Magenbypass-Operation wird der Verdauungstrakt nicht dauerhaft chirurgisch verändert. Das Implantat wird endoskopisch über den Mund eingesetzt.
Der Eingriff dauert nach Angaben des UKL rund 20 Minuten. Die Patienten schlafen während der Behandlung. Das Implantat kann später wieder entfernt werden, anschließend soll die ursprüngliche Anatomie erhalten sein.
Ballons statt Metallanker
Ein früheres Implantat arbeitete mit kleinen Metallankern. Diese konnten bei einzelnen Patienten Beschwerden, Blutungen oder Infektionen verursachen.
Das neue Modell wird stattdessen mit zwei luftgefüllten Ballons am Übergang zwischen Magen und Dünndarm fixiert. Der größere Ballon soll verhindern, dass der Schlauch weiter in den Darm rutscht. Der kleinere Ballon stabilisiert ihn in Richtung Magen.
Prof. Albrecht Hoffmeister, Leiter der Gastroenterologie am UKL, wird das Implantat im Rahmen der Studie einsetzen.
Sicherheit und Wirksamkeit werden untersucht
Die Studie soll klären, wie sicher und wirksam das neue Implantat ist. Erwartet werden eine Gewichtsabnahme und eine bessere Einstellung des Blutzuckers. Ob und in welchem Umfang diese Effekte tatsächlich eintreten, ist jedoch erst Gegenstand der laufenden Untersuchung.
Alle Teilnehmer erhalten begleitend eine intensive Ernährungsberatung.
Wer teilnehmen kann
Gesucht werden Erwachsene mit:
- Typ-2-Diabetes,
- Adipositas mit einem Body-Mass-Index über 30,
- einem trotz Behandlung nicht optimal eingestellten Langzeitblutzucker.
Die Teilnahme ist kostenlos. Nach Angaben des UKL werden Untersuchungen, Behandlung und Fahrtkosten übernommen. Die Zahl der Studienplätze ist begrenzt.
Interessierte können sich per E-Mail an die Adipositasambulanz des Universitätsklinikums Leipzig wenden:
adipositas@medizin.uni-leipzig.de
Noch keine regulär zugelassene Behandlung
Bei dem Verfahren handelt es sich um eine Zulassungsstudie. Das Implantat ist damit noch keine allgemein verfügbare Standardtherapie.
Erst die Ergebnisse der Studie sollen zeigen, ob die Methode ausreichend sicher ist und Menschen mit Adipositas und Typ-2-Diabetes langfristig hilft.
Quelle
Universitätsklinikum Leipzig: Presseinformation 2026/068 „Mit Hightech abnehmen und den Blutzucker verbessern“ vom 27. Juli 2026.