Rund eineinhalb Jahre nach den schweren Ausschreitungen beim Regionalliga-Duell zwischen dem FC Carl Zeiss Jena und der BSG Chemie Leipzig ist ein juristisch wie politisch hochbrisantes Kapitel der Jenaer Sportgeschichte abgeschlossen: Die letzten von der Stadtverwaltung verhängten Hausverbote für das Ernst-Abbe-Sportfeld sind offiziell ausgelaufen.
Rückblick: 61 Hausverbote nach Eskalation im November 2024
Ursprung der Maßnahmen waren die Vorfälle beim Risikospiel im November 2024. Damals war es im und um den Gästeblock des Ernst-Abbe-Sportfelds zu massiven Krawallen, Pyrotechnik-Einsätzen und Auseinandersetzungen mit den Sicherheitskräften gekommen. Mehrere Personen wurden verletzt, es entstand erheblicher Sachschaden im Stadionareal.
Als Reaktion auf die Eskalation griff die Stadt Jena als Eigentümerin der Sportstätte zu einem ungewöhnlich scharfen Instrument: Sie verhängte auf Basis ihres Hausrechts insgesamt 61 städtische Betretungs- und Hausverbote gegen identifizierte Problemfans beider Lager – unabhängig von den vereinsseitigen oder vom DFB ausgesprochenen bundesweiten Stadionverboten.
Zündstoff im Verhältnis zwischen Verein und Stadt
Die Durchsetzung der Kommunal-Verbote führte in der Folge zu monatelangen Spannungen zwischen der Führung des FC Carl Zeiss Jena und der Stadtverwaltung:
Haltung des Vereins: Die Klubführung plädierte für einen differenzierten Ansatz. Man befürchtete, dass pauschale städtische Hausverbote den Dialog mit der aktiven Fanszene erschweren und die Präventionsarbeit der Fanprojekte untergraben könnten.
Haltung der Kommunalpolitik: Die Stadt verteidigte den harten Kurs als notwendiges Signal für Null-Toleranz gegenüber Gewalt im öffentlichen Raum und zur Sicherung der städtischen Infrastruktur.
Sowohl im Stadtrat als auch in Sicherheitsforen wurde der Umgang mit den Betroffenen intensiver diskutiert als bei vergleichbaren Vorkommnissen in der Vergangenheit.
Blick nach vorn: Neue Sicherheitskonzepte im Ernst-Abbe-Sportfeld
Mit dem schrittweisen Auslaufen der Fristen – die letzten Befristungen endeten im Sommer 2026 – dürfen die betroffenen Personen das Sportfeld wieder betreten, sofern keine anderen zivil- oder strafrechtlichen Auflagen entgegenstehen.
Für den FC Carl Zeiss Jena und die städtischen Sicherheitsbehörden geht es bei künftigen Risikospielen nun vor allem darum, mit überarbeiteten Einlasskontrollen, moderner Videoüberwachung und engerer Abstimmung zwischen Ordnerdienst, Fanprojekt und Polizei erneute Eskalationen zu verhindern.
Quellen & Datenbasis
Stadtverwaltung Jena / Dezernat für Finanzen, Sicherheit und Bürgerservice: Mitteilungen zur Durchsetzung des Hausrechts im Ernst-Abbe-Sportfeld (2024–2026).
FC Carl Zeiss Jena e.V. / Polizeiinspektion Jena: Einsatzberichte und Stellungnahmen zum Sicherheitskonzept bei Risikospielen.