Zwischen Burgplatz und Elsterstraße entsteht derzeit eine neue Verbindung für Fußgänger und Radfahrer. Der rund 120 Meter lange Weg soll beleuchtet, asphaltiert und barrierefrei werden. Die Stadt spricht von einer sicheren Alternative abseits der Hauptverkehrsstraßen – zugleich ersetzt das Bauwerk eine bisherige Route, die wegen der Erweiterung des Zoos verschwindet.
Die Arbeiten begannen Mitte Juli 2026. Der neue Weg führt künftig direkt an der Kinder- und Jugendfarm vorbei und verbindet den Bereich am Burgplatz mit der Elsterstraße. Während der Bauzeit bleibt die Strecke für den allgemeinen Durchgangsverkehr gesperrt. Anlieger sollen ihre Grundstücke weiterhin erreichen können, auch Rettungswege bleiben nach Angaben der Stadt gesichert.
Die Fertigstellung ist bis September vorgesehen. Einen genauen Eröffnungstermin nennt die Stadt bislang nicht. Auch die Gesamtkosten des Projekts wurden in der veröffentlichten Mitteilung nicht beziffert.
Asphalt, Rampen und energiesparende Beleuchtung
Die neue Verbindung wird nicht lediglich als unbefestigter Parkweg angelegt. Vorgesehen sind eine asphaltierte Oberfläche, Rampen zum Ausgleich vorhandener Höhenunterschiede und eine energiesparende Beleuchtung. Damit soll die Strecke auch für Rollstuhlfahrer, Menschen mit Rollator, Eltern mit Kinderwagen und Radfahrer besser nutzbar sein.
Geplant sind nach Angaben der Stadt:
- etwa 120 Meter asphaltierter Weg,
- Nutzung durch Fußgänger und Radfahrer,
- Rampen zur Überwindung von Höhenunterschieden,
- energiesparende Beleuchtung,
- Führung entlang der Kinder- und Jugendfarm,
- Verbindung zwischen Burgplatz und Elsterstraße.
„Da die bisherige Route entfällt, dient der asphaltierte Ersatzweg künftig als Alternative abseits der Hauptverkehrsstraßen.“
So beschreibt die Stadtverwaltung die Funktion des Vorhabens. Der Begriff „Ersatzweg“ ist dabei entscheidend: Das Projekt schafft zwar eine neue, besser ausgebaute Verbindung, gleicht aber zunächst den Verlust einer bestehenden Route aus.
Zoo-Erweiterung verändert bekannte Wege
Der Neubau steht im unmittelbaren Zusammenhang mit der Erweiterung des Zoos. Die bisherige Wegeverbindung kann künftig nicht mehr in ihrer bisherigen Form genutzt werden. Deshalb muss der Fuß- und Radverkehr neu geführt werden.
Für die Stadt stellt sich damit die Frage, wie touristische und kulturelle Projekte mit den alltäglichen Wegen der Einwohner vereinbart werden. Der Zoo ist ein wichtiger Freizeitort, die Verbindung zwischen Burgplatz und Elsterstraße dient jedoch nicht nur Besuchern. Auch Anwohner, Familien, Kinder und Radfahrer nutzen den Bereich als Teil ihrer täglichen Wege.
Der Neubau soll verhindern, dass Fußgänger und Radfahrer wegen der Zoo-Erweiterung auf stärker befahrene Straßen ausweichen müssen. Die Führung abseits der Hauptverkehrsachsen ist deshalb ein Sicherheitsgewinn – vorausgesetzt, die Strecke bleibt gut einsehbar, beleuchtet und dauerhaft gepflegt.
Keine Bäume müssen gefällt werden
Nach Angaben der Stadt konnten größere ökologische Eingriffe vermieden werden. Für das Projekt seien keine Baumfällungen notwendig. Die Trasse wurde demnach so geplant, dass vorhandene Bäume erhalten bleiben können.
Das ist gerade im Umfeld des Zoos und der Kinder- und Jugendfarm von Bedeutung. Der Bereich wird nicht allein als Verkehrsraum wahrgenommen, sondern auch als Grün- und Freizeitfläche.
Den Bauauftrag erhielt das in der Region ansässige Tiefbauunternehmen Kasper & Schlechtriem. Weitere Einzelheiten zum Umfang des Auftrags, zu den Baukosten oder zu möglichen Fördermitteln hat die Stadt öffentlich bislang nicht genannt.
Falschparker blockieren die künftige Wendefläche
Schon während der Bauarbeiten weist die Stadt auf ein weiteres Problem hin. Im Bereich der Zufahrt zur Kinder- und Jugendfarm werden Flächen der dortigen Wendeanlage offenbar regelmäßig unerlaubt zum Parken genutzt.
Nach Fertigstellung des Weges wird die Strecke an dieser Stelle zur Sackgasse. Die Wendemöglichkeit muss deshalb frei bleiben, damit Ver- und Entsorgungsfahrzeuge sowie Einsatzkräfte den Bereich erreichen und wieder verlassen können. Die Stadt kündigt an, das unerlaubte Parken dort künftig stärker in den Blick zu nehmen.
Das betrifft nicht nur einzelne Falschparker. Eine zugestellte Wendefläche kann dazu führen, dass:
- Lieferfahrzeuge rückwärts aus der Straße fahren müssen,
- Müll- und Versorgungsfahrzeuge nicht wenden können,
- Rettungswege eingeschränkt werden,
- Fußgänger und Radfahrer durch rangierende Fahrzeuge gefährdet werden,
- Zugänge zur Kinder- und Jugendfarm blockiert werden.
Ob zusätzliche Schilder, Poller oder verstärkte Kontrollen vorgesehen sind, geht aus der Mitteilung nicht hervor.
Barrierefreiheit muss im Alltag funktionieren
Die Stadt bezeichnet die neue Verbindung ausdrücklich als barrierefrei. Entscheidend wird sein, ob dieser Anspruch nach der Fertigstellung tatsächlich erfüllt wird.
Dazu gehören nicht nur ausreichend flache Rampen. Wichtig sind auch:
- eine durchgehend ebene Oberfläche,
- ausreichende Breite für Begegnungsverkehr,
- gut erkennbare Übergänge,
- sichere Beleuchtung,
- keine abrupten Kanten oder Engstellen,
- regelmäßiger Winterdienst,
- klare Trennung oder Rücksichtnahme zwischen Fußgängern und Radfahrern.
Gerade auf gemeinsam genutzten Wegen können Konflikte entstehen, wenn Fahrräder mit höherer Geschwindigkeit unterwegs sind und gleichzeitig Kinder, ältere Menschen oder Personen mit Mobilitätshilfen die Strecke nutzen.
Die Stadt hat bislang nicht erläutert, wie breit der Weg wird oder ob bestimmte Bereiche baulich oder durch Markierungen gegliedert werden.
Ein kleines Projekt mit hoher Alltagswirkung
Mit 120 Metern ist die neue Verbindung kein großes Verkehrsprojekt. Für die Menschen, die den Weg regelmäßig nutzen, kann sie dennoch entscheidend sein.
Kurze und sichere Verbindungen bestimmen, ob Wege zu Fuß oder mit dem Fahrrad attraktiv bleiben. Fallen solche Routen durch Bauprojekte weg, entstehen schnell Umwege, die besonders für Menschen mit eingeschränkter Mobilität spürbar sind.
Der neue Weg am Zoo zeigt deshalb einen typischen Zielkonflikt der Stadtentwicklung: Eine Freizeiteinrichtung wächst, zugleich müssen bestehende Alltagswege neu geordnet werden.
Hoyerswerda erhält eine beleuchtete und barrierefreie Verbindung. Sie ist damit voraussichtlich komfortabler als die bisherige Route. Dennoch sollte die Stadt transparent darstellen, welche Kosten entstehen, wie die Wegeführung nach Abschluss der Zoo-Erweiterung dauerhaft aussehen wird und wie Konflikte zwischen Radfahrern, Fußgängern, Anliegern und parkenden Fahrzeugen gelöst werden.
Bis September bleibt der Bereich Baustelle. Danach wird sich zeigen, ob aus einem notwendigen Ersatzweg tatsächlich eine bessere Verbindung für die Stadt wird.
Quellen und Datenbasis
- Stadt Hoyerswerda: „Bauarbeiten für neue Wegeverbindung am Zoo beginnen“, veröffentlicht am 15. Juli 2026.
- Stadt Hoyerswerda: Aktuelle Meldungen und Angaben zum Bauzeitraum sowie zur Zoo-Erweiterung.