Die Brigitte-Reimann-Stadtbibliothek in Hoyerswerda erhält eine der wichtigsten Auszeichnungen des deutschen Bibliothekswesens. Der Deutsche Bibliotheksverband kürt sie zur „Bibliothek des Jahres in kleinen Kommunen und Regionen 2026“. Mit dem Preisgeld von 7.000 Euro wird eine Einrichtung gewürdigt, die sich längst nicht mehr nur als Ort für Bücher versteht.
Die Jury hebt besonders das strategische Konzept der Bibliothek hervor. Die Arbeit orientiert sich an den vier Schwerpunkten Demokratie, Bildung, Nachhaltigkeit und Beteiligung.
87 Bibliotheken hatten sich beworben
Insgesamt gingen 87 Bewerbungen für die beiden Auszeichnungen „Bibliothek des Jahres“ und „Bibliothek des Jahres in kleinen Kommunen und Regionen“ ein. Über die Vergabe entschied eine Jury mit Vertretern des Bibliotheksverbandes, des Bundesbildungsministeriums, der Kultusministerkonferenz und des Deutschen Städtetages.
Der Hauptpreis geht 2026 an das ZB MED – Informationszentrum Lebenswissenschaften in Köln. Hoyerswerda erhält die seit 2020 vergebene Auszeichnung für kleinere Kommunen und Regionen.
Der Erfolg ist damit keine rein sächsische Anerkennung. Die Bibliothek setzt sich in einem bundesweiten Auswahlverfahren gegen zahlreiche andere Einrichtungen durch.
Bibliothek macht Demokratie im Alltag sichtbar
Die Brigitte-Reimann-Stadtbibliothek organisiert neben der klassischen Ausleihe Veranstaltungen, Bildungsangebote und Beteiligungsformate. Sie arbeitet mit Schulen, Vereinen, Kulturträgern und weiteren Partnern aus der Stadt zusammen.
Die Bundesvorsitzende des Bibliotheksverbandes, Antje Theise, würdigte die Verbindung von Bildung, Kultur und gesellschaftlicher Teilhabe. Nach Einschätzung der Jury macht die Einrichtung demokratische Werte im Alltag konkret erlebbar und entwickelt Angebote gemeinsam mit den Menschen in der Stadt.
Gerade in kleineren Städten übernehmen Bibliotheken zunehmend Aufgaben, die über das Bereitstellen von Medien hinausgehen. Sie werden zu niedrigschwelligen Treffpunkten, Lernorten und öffentlichen Räumen für Diskussionen.
Preis stärkt das kulturelle Profil Hoyerswerdas
Für Hoyerswerda ist die Auszeichnung ein überregionaler Imagegewinn. Die Stadt wird häufig mit dem Strukturwandel, dem Bevölkerungsrückgang nach 1990 und dem Umbau der Neustadt verbunden.
Der Bibliothekspreis zeigt eine andere Seite: Eine kommunale Einrichtung entwickelt neue Formen der Beteiligung und wird damit zum bundesweiten Vorbild.
Die Ehrung dürfte zugleich zusätzliche Aufmerksamkeit auf die Arbeit der Bibliothek und auf die nach der Schriftstellerin Brigitte Reimann benannte Einrichtung lenken.
Auszeichnung ist auch Auftrag für die Zukunft
Das Preisgeld von 7.000 Euro ist für eine kommunale Bibliothek hilfreich, kann jedoch größere strukturelle Aufgaben nicht allein lösen. Entscheidend bleiben eine verlässliche Finanzierung, ausreichend Personal und die Unterstützung der Stadt.
Die Auszeichnung erhöht zugleich die Erwartungen. Hoyerswerda muss nun zeigen, dass das gewürdigte Konzept dauerhaft weiterentwickelt werden kann.
Quellen
Deutscher Bibliotheksverband: Preisträger und Begründung der Jury für die Bibliotheken des Jahres 2026.
Deutscher Städtetag: Würdigung der ausgezeichneten Bibliotheken in Köln und Hoyerswerda.