Halle (Saale). Ein Stück Kunstgeschichte ist in Halle wieder vollständig: Das Denkmal für den Renaissance-Maler Matthias Grünewald am Mühlberg hat seine Gedenktafel zurück. Nachdem die ursprüngliche Tafel verschwunden war und die Stadt wegen Diebstahls Anzeige erstattet hatte, wurde das fehlende Element nun aufwendig nachgefertigt. Rund 2.500 Euro kostete die Wiederherstellung. Gleichzeitig erhielt das Denkmal eine digitale Informationsmöglichkeit.
Gedenktafel verschwand vom Sockel des Denkmals
Seit 1989 erinnert die von Bildhauer Gerhard Geyer geschaffene Plastik am Mühlberg an Matthias Grünewald, einen der bedeutenden deutschen Maler der Renaissance.
Im vergangenen Jahr bemerkte die Stadt, dass die Gedenktafel am Sockel fehlte. Da die Tafel zum ursprünglichen Erscheinungsbild des Kunstwerks gehört, entschied sich Halle für eine Wiederherstellung.
Mit der Nachfertigung wurde der Bildhauer Steffen Ahrens beauftragt, der an der Hochschule für Kunst und Design Burg Giebichenstein studiert hat. Er formte die Tafel nach und ließ sie neu gießen.
Die Kosten von rund 2.500 Euro wurden vollständig aus städtischen Eigenmitteln finanziert.
Damit ist das Denkmal nun wieder in seiner vorgesehenen Gestalt zu sehen.
QR-Code macht Kunstgeschichte digital zugänglich
Die Stadt nutzte die Wiederherstellung zugleich für eine Erweiterung des Informationsangebots.
Neben dem Sockel wurde ein zusätzliches Schild mit einem QR-Code angebracht. Wer diesen mit dem Smartphone scannt, gelangt zur digitalen Plattform „Kunstspaziergang“.
Dort finden Interessierte Hintergrundinformationen über das Grünewald-Denkmal und weitere Kunstwerke im öffentlichen Raum der Stadt Halle.
Die Verbindung zwischen historischem Denkmal und digitalem Informationsangebot soll es ermöglichen, sich auch ohne Führung mit der Geschichte der Kunstwerke zu beschäftigen.
Gerhard Geyer schuf das Denkmal 1989
Der Bildhauer Gerhard Geyer wurde 1907 geboren und starb 1989. Zwischen 1930 und 1933 studierte er bei Gustav Weidanz an der Burg Giebichenstein.
Seine Grünewald-Plastik zeigt den Renaissance-Maler in einer ungewöhnlichen Darstellung: als König mit Pinsel und Palette als Insignien seiner künstlerischen Tätigkeit.
Das Denkmal am Mühlberg ist allerdings nicht die einzige Erinnerung an Grünewald in Halle.
Bereits 1957 entstand an der Ulrichkirche eine weitere Darstellung des Künstlers. Diese orientiert sich gestalterisch an einer historischen Grabplatte.
Beide Werke erinnern an einen Mann, dessen künstlerisches Schaffen bis heute zu den herausragenden Leistungen der deutschen Renaissance zählt.
Matthias Grünewald und seine Verbindung zu Halle
Matthias Grünewald ist vor allem durch den Isenheimer Altar berühmt geworden. Das monumentale Werk gehört zu den bedeutendsten Zeugnissen der europäischen Malerei des frühen 16. Jahrhunderts.
Weniger bekannt ist seine Verbindung zur Stadt Halle.
Unter Kardinal Albrecht war Grünewald hier als oberster Baubeamter tätig. Vermutlich starb er 1528 in Halle.
Seine Tätigkeit in der Saalestadt macht ihn zu einem wichtigen Bestandteil der regionalen Kunst- und Kulturgeschichte.
Mit der wiederhergestellten Gedenktafel bleibt diese historische Verbindung auch im Stadtbild sichtbar.
Stadt investiert in Erhalt öffentlicher Kunst
Die Wiederherstellung des Denkmals zeigt, dass selbst vergleichsweise kleine Beschädigungen oder fehlende Bestandteile erhebliche Arbeiten nach sich ziehen können.
Die gestohlene Tafel musste nicht nur ersetzt, sondern eigens nachgeformt und gegossen werden. Die Stadt übernahm die Finanzierung aus ihrem Haushalt.
Mit dem ergänzten QR-Code erhält das Kunstwerk nun zugleich eine neue Möglichkeit der Vermittlung.
Das Grünewald-Denkmal am Mühlberg ist damit wieder vollständig und kann von Einwohnern und Besuchern als Teil der Halleschen Kunstgeschichte entdeckt werden.