Washington/Teheran. Die Vereinigten Staaten bereiten offenbar eine neue militärische Eskalation im Krieg gegen den Iran vor. Nach einem Bericht des US-Nachrichtensenders CNN hat das amerikanische Militär Angriffspläne ausgearbeitet, die auch den Einsatz der sogenannten „Mutter aller Bomben“ vorsehen. Die GBU-43/B zählt zu den gewaltigsten konventionellen Waffen der Welt. Mögliche Ziele sind iranische Energieanlagen und Einrichtungen des Atomprogramms. Die Entscheidung liegt bei US-Präsident Donald Trump. Noch ist unklar, ob und wann er einen entsprechenden Angriff anordnen könnte.

Der Bericht vom 15. Oktober 2026 beruft sich auf mehrere US-Regierungsvertreter, die mit den militärischen Planungen vertraut sein sollen. Eine unabhängige Bestätigung der konkreten Angriffspläne liegt bislang nicht vor. Auch die Nachrichtenagentur Reuters konnte die Angaben zunächst nicht eigenständig verifizieren.

Größte nichtnukleare Bombe im amerikanischen Arsenal

Die GBU-43/B Massive Ordnance Air Blast Bomb, kurz MOAB, trägt nicht ohne Grund den Beinamen „Mother of All Bombs“. Die rund 9,8 Tonnen schwere Waffe wurde entwickelt, um durch eine gewaltige Druckwelle großflächige Zerstörungen hervorzurufen.

Anders als spezielle bunkerbrechende Bomben ist die MOAB vor allem auf eine massive Explosionswirkung oberhalb der Erdoberfläche ausgelegt.

Die Waffe wird satellitengesteuert ins Ziel gelenkt und gehört zu den stärksten konventionellen Bomben der amerikanischen Streitkräfte.

Ihr erster Kampfeinsatz erfolgte im April 2017 in Afghanistan. Damals ließ die erste Trump-Regierung eine MOAB gegen ein Tunnel- und Höhlensystem der Terrormiliz Islamischer Staat abwerfen.

Ein Einsatz gegen den Iran hätte allerdings eine andere politische und militärische Dimension. Er würde sich gegen einen Staat mit umfangreichen militärischen Einrichtungen und einer Bevölkerung von vielen Millionen Menschen richten.

Iranische Atomanlagen und Energieversorgung im Visier

Nach Informationen von CNN sollen die amerikanischen Militärplanungen mehrere mögliche Angriffsszenarien umfassen.

Dazu gehören Schläge gegen Einrichtungen der iranischen Energieinfrastruktur sowie verbliebene Anlagen des Atomprogramms.

Als mögliches Ziel wird auch eine unterirdische Anlage genannt, die unter der Bezeichnung „Pickaxe Mountain“ bekannt ist. Die Vereinigten Staaten und Israel vermuten dort Einrichtungen beziehungsweise Bestandteile des iranischen Atomprogramms.

Ob die Anlage tatsächlich zur Urananreicherung genutzt wird und welche technischen Einrichtungen sich dort befinden, ist öffentlich nicht abschließend geklärt.

Trump verfolgt seit Langem das erklärte Ziel, den Iran am Erwerb einer Atomwaffe zu hindern. Die iranische Führung hat dagegen wiederholt betont, ihr Atomprogramm diene friedlichen Zwecken.

Die amerikanischen Angriffsoptionen könnten sowohl vor als auch nach den US-Zwischenwahlen am 3. November eine Rolle spielen.

Militärexperten zweifeln an der Wirksamkeit

Bemerkenswert ist, dass selbst innerhalb der amerikanischen Militärplanung erhebliche Zweifel am strategischen Nutzen der gewaltigen Bombe bestehen sollen.

Die MOAB entfaltet ihre zerstörerische Wirkung vor allem an der Oberfläche. Stark befestigte und tief im Fels liegende Anlagen lassen sich damit möglicherweise nicht ausreichend beschädigen.

Gerade iranische Atomeinrichtungen wurden teilweise tief unter der Erde errichtet und gegen Luftangriffe geschützt.

Nach Einschätzung mehrerer mit den Planungen vertrauter Personen könnte die Bombe deshalb zwar massive sichtbare Zerstörungen verursachen, ohne jedoch die militärisch entscheidenden Ziele tatsächlich auszuschalten.

Ein Angriff auf unterirdische Einrichtungen würde normalerweise andere Anforderungen an die eingesetzten Waffen stellen als die Bekämpfung oberirdischer Anlagen.

Damit stellt sich eine grundlegende Frage: Soll ein möglicher Einsatz der MOAB tatsächlich die militärischen Fähigkeiten des Iran entscheidend schwächen, oder geht es vor allem darum, amerikanische Stärke zu demonstrieren?

Trump sucht offenbar nach einem entscheidenden Erfolg

Hinter den Überlegungen steht auch der zunehmende innenpolitische Druck auf den amerikanischen Präsidenten.

Der Krieg gegen den Iran dauert inzwischen seit mehr als sieben Monaten an. Eine dauerhafte politische Lösung ist weiterhin nicht erkennbar.

In den Vereinigten Staaten wächst der Unmut über die militärische Auseinandersetzung und ihre wirtschaftlichen Folgen.

Hohe Energiepreise, zusätzliche Militärausgaben und die Unsicherheit über den weiteren Verlauf des Krieges belasten die politische Lage vor den Zwischenwahlen.

Nach dem CNN-Bericht suchen Berater der Trump-Regierung deshalb nach Möglichkeiten, einen militärischen Erfolg zu erzielen, der sich innenpolitisch als entscheidender Durchbruch darstellen ließe.

Ein massiver Luftangriff könnte aus dieser Perspektive dazu dienen, militärische Überlegenheit zu demonstrieren und anschließend einen Rückzug amerikanischer Streitkräfte zu ermöglichen.

Ob der Iran dadurch tatsächlich zu Zugeständnissen bewegt würde, ist jedoch höchst fraglich.

Droht eine weitere Eskalation im Nahen Osten?

Ein Einsatz der MOAB gegen iranische Energieanlagen könnte weitreichende Folgen haben.

Neben der unmittelbaren Zerstörung besteht die Gefahr schwerer Schäden an ziviler Infrastruktur. Besonders Angriffe auf Einrichtungen in der Nähe bewohnter Gebiete könnten zahlreiche Menschen gefährden.

Auch völkerrechtlich wäre entscheidend, ob die jeweiligen Ziele einen konkreten militärischen Beitrag leisten und ob die zu erwartenden zivilen Schäden im Verhältnis zum angestrebten militärischen Vorteil stehen.

Hinzu kommt das Risiko iranischer Vergeltungsangriffe.

Teheran verfügt weiterhin über Möglichkeiten, amerikanische Einrichtungen und regionale Verbündete der Vereinigten Staaten unter Druck zu setzen.

Eine erneute militärische Zuspitzung könnte zudem erhebliche Auswirkungen auf die internationalen Energiemärkte haben. Besonders die strategisch wichtige Straße von Hormus steht dabei im Mittelpunkt.

Über diese Meerenge verläuft ein bedeutender Teil des weltweiten Ölhandels. Störungen der Schifffahrt wirken sich deshalb auch auf die Energiepreise in Europa aus.

Weißes Haus hält sich Entscheidung offen

Eine offizielle Bestätigung für einen bevorstehenden Einsatz der GBU-43/B gibt es bislang nicht.

Ein Vertreter des Weißen Hauses erklärte gegenüber CNN, sensible militärische Planungen würden grundsätzlich nicht kommentiert. Gleichzeitig betonte die Regierung, Präsident Trump halte sich sämtliche Optionen offen, um zu verhindern, dass der Iran Atomwaffen entwickelt.

Auch das Pentagon verwies darauf, dass die amerikanischen Streitkräfte regelmäßig unterschiedliche militärische Szenarien vorbereiten.

Allein die Existenz entsprechender Pläne bedeutet deshalb noch nicht, dass ein Einsatz unmittelbar bevorsteht.

Allerdings verdeutlichen die Berichte, wie weitreichend die militärischen Optionen sind, die in Washington offenbar diskutiert werden.

Gewaltige Bombe, aber keine Garantie für einen Sieg

Der mögliche Einsatz der „Mutter aller Bomben“ steht sinnbildlich für das Dilemma der amerikanischen Iran-Politik.

Die Vereinigten Staaten verfügen über eine enorme militärische Überlegenheit. Doch selbst besonders zerstörerische Waffen garantieren keinen politischen Erfolg.

Ein weiterer Großangriff könnte militärische Anlagen beschädigen und den Druck auf Teheran erhöhen. Ebenso denkbar wäre jedoch eine neue Eskalationsspirale mit zusätzlichen Angriffen, zivilen Opfern und erheblichen wirtschaftlichen Folgen.

Ob Trump die militärischen Planungen tatsächlich umsetzen lässt, bleibt offen.

Fest steht: Sollte Washington seine schwerste konventionelle Bombe gegen den Iran einsetzen, wäre dies ein weiterer gravierender Schritt in einem Krieg, für den bislang keine dauerhafte politische Lösung absehbar ist.