In der Leipziger Straße in Finsterwalde verschwindet eine der letzten sichtbaren Lücken im Stadtbild. Auf den Grundstücken 22 bis 24 errichtet die städtische Wohnungsgesellschaft WGF ein viergeschossiges Mehrfamilienhaus mit insgesamt 20 Wohnungen. Die veranschlagte Bausumme liegt bei rund sechs Millionen Euro.
Das Projekt soll den Straßenzug am äußeren Rand der historischen Altstadt städtebaulich schließen. Das Grundstück liegt in einer Kurve und ist stellenweise nur etwa zwölf Meter breit. Balkone sind deshalb nicht vorgesehen. Stattdessen entstehen geschützte Loggien. Ein barrierefreier Eingangsbereich sowie zwei Treppenhäuser sollen alle Wohnungen erreichbar machen.
20 Wohnungen auf engem Grundstück
Der Neubau umfasst eine Bruttogeschossfläche von rund 2.667 Quadratmetern. Geplant ist ein Massivbau aus Stahlbeton und Hochlochziegeln. Die Fassade soll sich mit Putz, Klinkersockel, Traufhöhe und Dachform an der umliegenden Bebauung orientieren.
Die Finanzierung erfolgt nach Angaben der Stadt über Eigenmittel der Wohnungsgesellschaft und eine Fremdfinanzierung in Höhe von 3,9 Millionen Euro. Eine vollständige Aufschlüsselung der Eigenmittel, Fördergelder und späteren Miethöhen wurde in der städtischen Mitteilung nicht veröffentlicht.
Gerade die künftigen Mieten dürften für viele Einwohner entscheidend sein. Ein kommunaler Neubau sollte nicht nur eine Baulücke schließen, sondern auch Wohnungen schaffen, die für durchschnittliche Einkommen bezahlbar bleiben.
Vom Problemquartier zum Wohnstandort
Noch in den 1990er-Jahren war die Leipziger Straße nach Angaben der Stadt von Sanierungsrückständen, Leerständen und teilweise ruinösen Gebäuden geprägt. Seitdem wurden zahlreiche Häuser saniert und Baulücken geschlossen.
Ein wichtiger Schritt war der grundhafte Ausbau der Straße nach dem Ende ihrer früheren Funktion als Landesstraße. Rund 1,5 Millionen Euro flossen in die Erneuerung der Infrastruktur. Die Arbeiten wurden Ende 2017 abgeschlossen.
Heute beschreibt die Stadt den Straßenzug als gefragten Wohn- und Arbeitsstandort. Der Neubau 22–24 soll diese Entwicklung abschließen und die letzte größere Baulücke schließen. Beim Tag der Städtebauförderung konnten Interessierte Ende Mai erstmals einen Blick auf die Baustelle und in das entstehende Gebäude werfen.
Stadtentwicklung muss mehr leisten als Fassadenpflege
Das Projekt zeigt, wie Städtebauförderung und kommunaler Wohnungsbau zusammenwirken können. Eine schwierige innerstädtische Fläche wird bebaut, bestehende Infrastruktur genutzt und zusätzlicher Wohnraum geschaffen.
Trotzdem bleiben wichtige Fragen offen:
- Wie hoch werden die Mieten?
- Wie viele Wohnungen sind altersgerecht oder vollständig barrierefrei?
- Wann ist die Fertigstellung geplant?
- Wie hoch ist der tatsächliche Eigenanteil der WGF?
- Werden öffentliche Fördermittel eingesetzt?
- Gibt es bereits ausreichend Interessenten?
Die WGF erklärte nach der Grundsteinlegung, die Arbeiten liefen planmäßig. Ein konkretes Bezugsdatum wurde dabei jedoch nicht genannt.
Sechs Millionen Euro als Investition in die Innenstadt
Der Neubau ist mehr als ein einzelnes Wohnhaus. Er steht sinnbildlich für den Wandel der Leipziger Straße: von einem Straßenzug mit Leerständen und ruinösen Gebäuden zu einem innerstädtischen Wohnstandort.
Damit das Projekt langfristig überzeugt, müssen jedoch nicht nur Architektur und Stadtbild stimmen. Entscheidend wird sein, ob die neuen Wohnungen bezahlbar, alltagstauglich und tatsächlich barrierearm sind.
Quellen
Stadt Finsterwalde: Tag der Städtebauförderung 2026 und Projektentwicklung Leipziger Straße 22–24.
CKRS Architekten: Projektbeschreibung, Wohnungszahl, Bauweise und architektonisches Konzept.
Wohnungsgesellschaft der Stadt Finsterwalde: Angaben zur Grundsteinlegung und zum Baufortschritt.