Erfurt. Für die St.-Gotthardt-Kirche im Erfurter Ortsteil Marbach ist es ein besonderer Tag: Am Sonntag, 26. Juli 2026, soll das neue Geläut mit einem ökumenischen Gottesdienst eingeweiht werden. Dazu gehören zwei neu gegossene Bronzeglocken und eine historische Glocke aus dem Jahr 1703.
Der Gottesdienst beginnt nach Angaben des Kirchspiels Marbach-Salomonsborn um 14 Uhr vor der Kirche. Mit der Einweihung findet ein langjähriges Vorhaben seinen feierlichen Abschluss.
Historische Glocke stammt aus dem Jahr 1703
Das älteste Stück des neuen Geläuts ist eine Bronzeglocke aus dem Jahr 1703. Sie soll gemeinsam mit den beiden neuen Glocken wieder ihren Platz im Turm erhalten.
Damit kehrt ein bedeutendes Zeugnis der Marbacher Kirchen- und Ortsgeschichte zurück. Die historische Glocke überstand mehrere Jahrhunderte, in denen zahlreiche Kirchenglocken beschädigt, umgegossen oder während der Kriege für die Metallgewinnung abgegeben wurden.
Der Förderverein der St.-Gotthardt-Kirche hatte sich dafür eingesetzt, die alte Glocke wieder mit einem vollständigen Geläut zu verbinden. Nach Angaben des Vereins soll das Glockenspiel damit nach fast 400 Jahren wieder im Kirchturm erklingen.
Zwei neue Glocken wurden in Passau gegossen
Ergänzt wird die historische Glocke durch zwei neue Bronzeglocken. Sie wurden Ende April 2025 in Passau gegossen. Die Planungsarbeiten für das Projekt waren zuvor bereits abgeschlossen worden.
Ein Glockengeläut besteht nicht lediglich aus einzelnen Instrumenten. Größe, Gewicht und Tonhöhe müssen aufeinander abgestimmt sein, damit beim gemeinsamen Läuten ein harmonisches Klangbild entsteht. Auch Glockenstuhl, Aufhängung und Turm müssen die entstehenden Kräfte dauerhaft tragen können.
Die Rückkehr der drei Glocken erforderte deshalb nicht nur den Guss der neuen Instrumente, sondern auch technische und bauliche Vorbereitungen am Kirchturm.
Förderverein treibt Projekt seit Jahren voran
Der Förderverein St.-Gotthardt-Kirche Erfurt-Marbach wurde 2015 gegründet. Sein Ziel ist es, die Kirche zu erhalten und Vorhaben rund um das historische Gebäude zu unterstützen.
Das Glockenprojekt gehörte zu den wichtigsten Aufgaben des Vereins. Für Finanzierung, Planung und technische Umsetzung waren Spenden sowie die Zusammenarbeit mit Kirchengemeinde, Fachleuten und Unterstützern notwendig.
Auch Benefizveranstaltungen dienten dazu, auf das Vorhaben aufmerksam zu machen und Geld für die Arbeiten zu sammeln. So wurde bereits 2025 zu einem Konzert zugunsten der neuen Glocken eingeladen.
Gottesdienst findet vor der Kirche statt
Die Einweihung wird am Sonntagnachmittag mit einem ökumenischen Gottesdienst gefeiert. Nach dem veröffentlichten Gemeindekalender beginnt die Veranstaltung um 14 Uhr vor der St.-Gotthardt-Kirche.
Die Feier richtet sich nicht nur an Mitglieder der Kirchengemeinde. Auch Einwohner des Ortsteils und Interessierte an der regionalen Geschichte können den besonderen Moment miterleben.
Die ökumenische Gestaltung unterstreicht, dass die Glocken über die einzelne Kirchengemeinde hinaus Bedeutung besitzen. Ihr Klang gehört zum Ortsbild, begleitet Gottesdienste und erinnert an besondere Tage im Leben der Gemeinde.
Glocken prägen den Alltag eines Ortes
Kirchenglocken hatten über Jahrhunderte eine wichtige Funktion. Sie riefen zum Gottesdienst, kündigten Feiertage an und dienten in früheren Zeiten auch als Warnsignal bei Bränden oder anderen Gefahren.
Heute prägt ihr Klang weiterhin die akustische Identität vieler Dörfer und Stadtteile. Gerade in einem gewachsenen Ort wie Marbach ist die Rückkehr eines vollständigen Geläuts deshalb nicht nur ein kirchliches, sondern auch ein kulturelles Ereignis.
Mit der Verbindung der Glocke von 1703 und den beiden neuen Instrumenten treffen nun unterschiedliche Epochen aufeinander. Das Geläut bewahrt einen Teil der historischen Substanz und schafft zugleich eine dauerhaft nutzbare Lösung für die Zukunft.
Ein Projekt zwischen Tradition und Erneuerung
Die neuen Glocken ersetzen die historische Glocke nicht. Vielmehr ergänzen sie das erhaltene Instrument und machen es wieder zum Bestandteil eines gemeinsamen Geläuts.
Damit steht das Projekt beispielhaft für den Umgang mit historischen Kirchengebäuden: Alte Elemente werden bewahrt, während neue Technik und heutige handwerkliche Möglichkeiten ihre weitere Nutzung sichern.
Die St.-Gotthardt-Kirche erhält damit nicht nur drei Glocken, sondern ein Stück ihrer ursprünglichen Funktion und Wahrnehmbarkeit zurück.
Mit der Einweihung des neuen Geläuts endet für die St.-Gotthardt-Kirche in Erfurt-Marbach ein langjähriges Projekt. Eine historische Bronzeglocke aus dem Jahr 1703 erklingt künftig gemeinsam mit zwei Glocken, die 2025 in Passau gegossen wurden.
Der ökumenische Gottesdienst am Sonntag um 14 Uhr würdigt das Engagement der Kirchengemeinde, des Fördervereins und zahlreicher Unterstützer. Für Marbach kehrt damit ein hörbares Stück Ortsgeschichte zurück.