Bei einer vom Deutschen Wetterdienst am Erfurter Flughafen gemessenen Temperatur von mindestens 30 Grad entfällt der Eintritt in den städtischen Museen. Die Stadt hat die sogenannte Hitzefrei-Regelung Ende Juli erneut aktiviert. Besonders das Angermuseum, die Kunsthalle und das Stadtmuseum verfügen über technisch klimatisierte Bereiche. Beim ersten Versuch Ende Juni hatte sich die Zahl der Museumsbesucher nach Angaben der Kulturdirektion nahezu verdreifacht.

Museen sollen mehr als Kultur bieten

Die Stadt versteht ihre Museen während Hitzeperioden ausdrücklich auch als Aufenthalts- und Rückzugsorte.

Menschen können sich dort vor direkter Sonneneinstrahlung schützen und gleichzeitig Ausstellungen besuchen. Der kostenlose Eintritt senkt die Schwelle für Personen, die sonst möglicherweise kein Museum betreten würden.

Der Ansatz verbindet Kulturpolitik mit kommunaler Hitzevorsorge. Gerade in dicht bebauten Innenstädten fehlen häufig ausreichend schattige und öffentlich zugängliche Räume.

30 Grad am Flughafen sind der Maßstab

Ob der Eintritt entfällt, richtet sich nach der Temperaturmessung des Deutschen Wetterdienstes am Erfurter Flughafen.

Damit gilt ein nachvollziehbarer und unabhängiger Referenzwert. Allerdings können sich die Temperaturen innerhalb des Stadtgebiets deutlich unterscheiden.

Versiegelte Plätze in der Innenstadt können sich stärker aufheizen als der Stadtrand. Umgekehrt kann die Flughafenmessung 30 Grad erreichen, obwohl das Wetter in einzelnen Stadtteilen durch Wolken oder Wind erträglicher ist.

Die klare Grenze erleichtert dennoch die praktische Umsetzung.

Drei Häuser verfügen über Klimatisierung

Besonders empfohlen werden das Angermuseum, die Kunsthalle und das Stadtmuseum.

Diese Einrichtungen besitzen technisch klimatisierte Bereiche. Andere Häuser wie das Volkskundemuseum, das Patrizierhaus Krönbacken und das Schlossmuseum Molsdorf bieten durch ihre historische Bauweise zumindest zeitweise kühlere Räume.

Nicht jedes Museum ist damit gleichermaßen als Hitzeschutzort geeignet. Besucher sollten bedenken, dass einzelne Räume trotz dicker Mauern oder Verschattung warm werden können.

Besucherzahl hat sich fast verdreifacht

Beim ersten Hitzefrei-Angebot Ende Juni wurde die Regelung nach Angaben von Kulturdirektor Christian Horn sehr gut angenommen.

Die Besucherzahl habe sich in diesem Zeitraum nahezu verdreifacht.

Das zeigt, dass Eintrittspreise für spontane Museumsbesuche eine erhebliche Hürde darstellen können. Es zeigt zugleich, dass Menschen bei großer Hitze gezielt nach öffentlich zugänglichen Innenräumen suchen.

Für eine belastbare Bewertung wären konkrete absolute Zahlen hilfreich. Eine Verdreifachung kann je nach Ausgangswert sehr unterschiedlich ausfallen.

Naturkundemuseum kann zeitweise schließen

Der kostenlose Eintritt kann zu hohem Andrang führen.

Die Kulturdirektion behält sich deshalb vor, einzelne Häuser zeitweise für weitere Besucher zu schließen. Das gilt insbesondere bei hohen Innenraumtemperaturen oder wenn die zulässige Besucherzahl erreicht ist.

Beim ersten Hitzefrei-Zeitraum war davon besonders das Naturkundemuseum betroffen.

Ein Einlassstopp schützt sowohl Menschen als auch Ausstellungsobjekte. Er kann jedoch dazu führen, dass Besucher trotz langer Anreise keinen Zugang erhalten.

Aktuelle Auslastungshinweise wären deshalb sinnvoll.

Museumsobjekte brauchen stabiles Klima

Klimatisierung dient nicht nur dem Komfort der Besucher.

Gemälde, Papier, Holz, Textilien und naturkundliche Präparate können durch hohe Temperaturen und schwankende Luftfeuchtigkeit beschädigt werden.

Viele Museumssysteme sind deshalb auf stabile klimatische Bedingungen ausgerichtet. Eine starke Erhöhung der Besucherzahl bringt zusätzliche Wärme und Feuchtigkeit in die Räume.

Die Kulturdirektion muss deshalb zwischen öffentlichem Hitzeschutz und konservatorischen Anforderungen abwägen.

Stadt zeigt mehrere Sonderausstellungen

Die Aktion lenkt zugleich Aufmerksamkeit auf aktuelle Ausstellungen.

In der Kunsthalle werden unter anderem „Colours & Values“ sowie Arbeiten der Landesstipendiatinnen Elisabeth Oertel und Susanna Hanna gezeigt.

Das Angermuseum präsentiert neben seinen Sammlungen die Ausstellung „Robotics Thinnings Assemblies“. Dort geht es um experimentelle Arbeiten der Fachhochschule Erfurt und die Nutzung von Durchforstungsholz als künftigem Baustoff.

Im Stadtmuseum sind unter anderem Ausstellungen zur Sportstadt Erfurt, zu einem vergessenen Parlament und zum Ende der Festung Erfurt zu sehen.

Kostenloser Eintritt verursacht Einnahmeausfälle

Die Regelung ist für Besucher attraktiv, hat aber finanzielle Folgen.

An heißen Tagen entfallen reguläre Eintrittseinnahmen. Gleichzeitig können höhere Besucherzahlen zusätzliche Kosten für Personal, Reinigung, Sicherheit und Klimatisierung verursachen.

Die Stadt sollte deshalb nach dem Sommer veröffentlichen, wie viele kostenlose Besuche registriert wurden und welche Einnahmen dadurch entfielen.

Das ermöglicht eine sachliche Bewertung, ob die Maßnahme als Kulturförderung und Hitzeschutz fortgeführt werden sollte.

Nicht jeder erreicht ein Museum

Museen können ein Teil der Hitzevorsorge sein, ersetzen aber kein flächendeckendes Schutzkonzept.

Ältere und gesundheitlich belastete Menschen können häufig keine längeren Wege in die Innenstadt zurücklegen. Auch Öffnungszeiten beschränken die Nutzbarkeit.

Erfurt benötigt deshalb zusätzlich Schattenplätze, Trinkwasserstellen, begrünte Flächen und kühle Aufenthaltsorte in den Stadtteilen.

Bibliotheken, Bürgerhäuser und andere öffentliche Einrichtungen könnten ebenfalls in ein entsprechendes Netz einbezogen werden.

Ein Modell für weitere Städte

Die Erfurter Regelung verbindet einen messbaren Temperaturwert mit einem klaren öffentlichen Angebot.

Andere Kommunen könnten ein ähnliches Modell übernehmen. Voraussetzung sind geeignete Gebäude und ausreichendes Personal.

Langfristig sollte die Stadt auswerten, welche Besuchergruppen erreicht werden. Besonders interessant ist, ob Menschen nach dem kostenlosen Erstbesuch später erneut ein Museum besuchen.

Dann könnte die Hitzefrei-Regelung neben dem gesundheitlichen Nutzen auch dauerhaft neue Kulturinteressierte gewinnen.

Quellen

  1. Landeshauptstadt Erfurt: „Erneut Hitzefrei in Erfurter Museen“, veröffentlicht am 28. Juli 2026.
  2. Kulturdirektion Erfurt: Angaben zum Referenzwert von 30 Grad und zu den beteiligten Museen.
  3. Erfurter Kunst-, Geschichts- und Naturkundemuseen: Informationen zu Klimatisierung und aktuellen Sonderausstellungen.