Galeria stellt erneut Insolvenzantrag
Die Warenhauskette Galeria ist erneut zahlungsunfähig. Das Unternehmen hat am Freitagvormittag beim Amtsgericht Düsseldorf einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt.
Damit erlebt Deutschlands letzter großer Warenhauskonzern bereits die vierte Insolvenz innerhalb von sechs Jahren. Schon 2020, 2022 und 2024 musste sich das Unternehmen über Insolvenzverfahren sanieren.
Der Verkauf in den derzeit noch 83 Warenhäusern soll zunächst weitergehen. Kunden können also vorerst weiterhin in den Filialen einkaufen.
Für die rund 12.000 Beschäftigten beginnt dagegen erneut eine Phase großer Unsicherheit. Welche Auswirkungen das Verfahren auf Arbeitsplätze und einzelne Standorte haben wird, ist derzeit noch offen.
Liquiditätsprobleme hatten sich zugespitzt
Dass die Situation bei Galeria erneut kritisch geworden war, hatte sich bereits seit Monaten abgezeichnet.
Im Frühjahr waren Berichte über ausstehende Mietzahlungen bekannt geworden. Im Sommer erhielt die Warenhauskette eine neue Finanzierung mit einem Kreditrahmen von bis zu 160 Millionen Euro.
Mit dieser Finanzierung war jedoch ein weiterer Sanierungsplan verbunden. Galeria kündigte im Juli an, insgesamt 33 der damals 83 Warenhäuser besonders intensiv auf ihre Wirtschaftlichkeit zu überprüfen.
Bei diesen Filialen sollten unter anderem Mietkosten, Verkaufsflächen und Ertragskraft neu bewertet werden. Gleichzeitig liefen Verhandlungen mit zahlreichen Vermietern.
Sollten keine wirtschaftlich tragfähigen Lösungen gefunden werden, standen weitere Schließungen im Raum.
Auch Standorte im Osten standen bereits auf der Prüfliste
Die Entwicklung betrifft auch mehrere ostdeutsche Städte.
Zu den 33 im Sommer überprüften Häusern gehörten unter anderem die Galeria-Filialen am Berliner Alexanderplatz, am Hermannplatz, am Kurfürstendamm und in Spandau.
Auch die Warenhäuser in Potsdam, Magdeburg und Wismar standen auf der Liste.
Welche dieser Häuser nun im Zuge des neuen Insolvenzverfahrens tatsächlich gefährdet sind, steht derzeit noch nicht fest.
Eine Entscheidung über einzelne Filialen dürfte erst im weiteren Verlauf des Verfahrens fallen.
Vierte Insolvenz innerhalb von sechs Jahren
Die Geschichte der Galeria-Krise reicht inzwischen mehrere Jahre zurück.
Bereits während der Corona-Pandemie geriet die damalige Galeria Karstadt Kaufhof massiv unter Druck. 2020 folgte das erste Insolvenzverfahren.
2022 musste das Unternehmen erneut unter den Schutz des Insolvenzrechts. Im Zuge der anschließenden Sanierung wurden zahlreiche Warenhäuser geschlossen und Tausende Arbeitsplätze abgebaut.
Anfang 2024 folgte die dritte Insolvenz. Sie stand auch im Zusammenhang mit dem Zusammenbruch des Immobilien- und Handelsimperiums Signa des österreichischen Unternehmers René Benko.
Galeria wechselte anschließend erneut den Eigentümer. Seit 2024 steht die Warenhauskette unter anderem unter Kontrolle der US-Investmentgesellschaft NRDC und des Unternehmers Bernd Beetz.
Der Firmensitz wurde von Essen nach Düsseldorf verlegt.
Milliardenverluste bei früheren Sanierungen
Die bisherigen Rettungsversuche waren teuer.
In mehreren Insolvenzverfahren verzichteten Gläubiger auf erhebliche Teile ihrer Forderungen. Auch der deutsche Staat hatte Galeria während der Corona-Krise mit hohen Summen unterstützt.
Trotz Filialschließungen, Eigentümerwechseln und neuen Sanierungsplänen gelang es bislang nicht, das Warenhausgeschäft dauerhaft finanziell zu stabilisieren.
Gleichzeitig hat sich der Einzelhandel in deutschen Innenstädten stark verändert. Onlinehandel, steigende Kosten, hohe Mieten und eine teilweise schwache Konsumstimmung belasten insbesondere große Warenhäuser.
Was passiert jetzt mit den Filialen?
Zunächst sollen die Galeria-Häuser geöffnet bleiben.
Für Kunden bedeutet der Insolvenzantrag deshalb nicht automatisch die sofortige Schließung der Warenhäuser.
Entscheidend wird nun sein, ob im Insolvenzverfahren erneut eine tragfähige Finanzierung und ein Sanierungskonzept gefunden werden können.
Für viele Innenstädte hat die Entwicklung eine zusätzliche Bedeutung. Galeria gehört vielerorts noch immer zu den größten Einzelhandelsflächen in zentraler Lage. Eine Schließung weiterer Häuser könnte deshalb nicht nur Beschäftigte treffen, sondern auch Auswirkungen auf ganze Einkaufsstraßen und Stadtzentren haben.
Wie viele der derzeit 83 Filialen langfristig bestehen bleiben können, ist bislang offen.