Berlin – Die Berliner Linken-Spitzenpolitikerin Elif Eralp war über mehrere Jahre Mitglied der „Roten Hilfe e. V.“. Der Verein wird vom Verfassungsschutz dem linksextremistischen Spektrum zugerechnet und bundesweit als eine der wichtigsten Organisationen dieses Milieus bewertet.

Die frühere Mitgliedschaft ist kein Gerücht und keine neue Zuschreibung politischer Gegner. Sie war in älteren Ausgaben des Handbuchs des Berliner Abgeordnetenhauses dokumentiert.

In der aktuellen Fassung wird die Organisation bei Eralps Mitgliedschaften nicht mehr aufgeführt.

Nach Angaben der Berliner Linken trat Eralp 2025 aus dem Verein aus.

Verfassungsschutz: größte Gruppierung im deutschen Linksextremismus

Die Einstufung der „Roten Hilfe“ durch die Sicherheitsbehörden ist eindeutig.

Bundesweit verfügt der Verein nach Angaben der Bundesregierung über rund 14.400 Mitglieder und etwa 50 Ortsgruppen.

Der Verfassungsschutz bezeichnet ihn als größte und eine der wichtigsten Gruppierungen im deutschen Linksextremismus.

In Berlin allein wurden zuletzt rund 2.600 Mitglieder beziehungsweise Unterstützer dem Verein zugerechnet.

Dabei ist wichtig: Die „Rote Hilfe“ selbst tritt nicht als militante Straßenorganisation auf.

Ihre Rolle liegt vor allem in der Unterstützung von Beschuldigten und Verurteilten aus der linken und linksextremistischen Szene.

Unterstützung auch für linksextremistische Straftäter

Genau hier setzt die Kritik der Sicherheitsbehörden an.

Nach Einschätzung des Bundesamts für Verfassungsschutz unterstützt die „Rote Hilfe“ linksextremistische Straftäter während Ermittlungsverfahren, Strafprozessen und teilweise auch während der Haft.

Dazu gehören juristische, finanzielle und politische Unterstützung.

Die Bundesregierung beschreibt die Organisation als Netzwerk, das den Zusammenhalt innerhalb der linksextremistischen Szene stärkt und Beschuldigten politischen Rückhalt bietet.

Besonders kritisch bewerten die Behörden, dass Unterstützung nicht ausschließlich unabhängig vom konkreten Tatvorwurf geleistet wird, sondern Teil einer politischen Solidarisierung mit der Szene ist.

Behörden sehen Legitimationsrahmen für Gewalt

Noch schwerer wiegt eine weitere Einschätzung des Verfassungsschutzes.

Die „Rote Hilfe“ biete aus Sicht der Sicherheitsbehörden einen Legitimationsrahmen für Straf- und Gewalttaten.

Der Verein unterstütze zwar selbst keine Gewalttaten unmittelbar, nach Einschätzung des Bundesamtes werde Gewalt als Mittel politischer Auseinandersetzung jedoch nicht grundsätzlich abgelehnt.

Damit unterscheidet sich die Organisation deutlich von einem gewöhnlichen Rechtshilfeverein.

Eralp war nach Parteiangaben nur passives Mitglied

Die Berliner Linke versucht, die Bedeutung von Eralps früherer Mitgliedschaft einzuordnen.

Nach Angaben der Partei war sie während ihres Jurastudiums aus politischen und sozialen Motiven beigetreten.

Sie habe Menschen unterstützen wollen, die sich politisch engagierten und sich anwaltliche Hilfe nicht ohne Weiteres leisten könnten.

Über Jahre sei sie lediglich passives Mitglied gewesen.

Eine Funktion innerhalb des Vereins habe sie nicht ausgeübt.

Austritt erfolgte 2025

Nach Darstellung der Linken erfolgte Eralps Austritt im vergangenen Jahr aufgrund politischer Differenzen.

Der Austritt geschah damit noch vor ihrer Nominierung zur Spitzenkandidatin der Berliner Linken.

Damit stellt sich auch die Frage, welche Positionen letztlich zum Bruch mit der Organisation führten.

Konkrete Einzelheiten zu diesen Differenzen wurden bislang nicht ausführlich öffentlich erläutert.

Mitgliedschaft war öffentlich bekannt

Von einer geheim gehaltenen Mitgliedschaft kann ebenfalls keine Rede sein.

In früheren Ausgaben des offiziellen Abgeordnetenhandbuchs wurde die „Rote Hilfe“ unter Eralps Vereinsmitgliedschaften aufgeführt.

In der Ausgabe von 2025 tauchte der Verein dann nicht mehr auf.

Eralps frühere Mitgliedschaft war damit grundsätzlich öffentlich nachvollziehbar, erhielt politisch jedoch erst jetzt größere Aufmerksamkeit.

Mitgliedschaft allein macht niemanden zum Extremisten

Bei aller politischen Brisanz muss ein entscheidender Unterschied bestehen bleiben.

Der Berliner Verfassungsschutz weist selbst darauf hin, dass nicht jedes Mitglied der „Roten Hilfe“ persönlich verfassungsfeindliche Ziele verfolgt.

Aus einer Mitgliedschaft lässt sich daher nicht automatisch ableiten, dass Eralp selbst als Linksextremistin einzustufen wäre.

Eine entsprechende Einstufung Eralps durch den Verfassungsschutz ist nicht bekannt.

Politisch relevant ist dennoch, dass eine Spitzenpolitikerin einer Partei, die den Anspruch auf Regierungsverantwortung erhebt, über Jahre Mitglied einer Organisation war, die von den Sicherheitsbehörden dem Linksextremismus zugerechnet wird.

Für Eralp kommt die Debatte zur Unzeit

Die Diskussion fällt in eine politisch sensible Phase.

Die Linke ist aus der Berliner Abgeordnetenhauswahl als stärkste Kraft hervorgegangen. Eralp beansprucht eine zentrale Rolle bei der Regierungsbildung und gilt als mögliche Regierende Bürgermeisterin.

Gleichzeitig muss sich die Partei mit mehreren Kontroversen auseinandersetzen.

Zuletzt sorgte die Anwesenheit von Angehörigen bekannter Großfamilien auf einer Wahlparty der Linken in Neukölln für Diskussionen. Auch der Umgang mit Antisemitismusvorwürfen innerhalb linker und propalästinensischer Milieus beschäftigt mögliche Koalitionspartner.

Die frühere Mitgliedschaft Eralps in der „Roten Hilfe“ fügt dieser Debatte nun einen weiteren Punkt hinzu.

Entscheidend ist Eralps heutige Position

Politisch entscheidend ist deshalb weniger die Frage, ob die frühere Mitgliedschaft existierte. Das ist dokumentiert.

Entscheidend ist vielmehr, wie Eralp heute zur „Roten Hilfe“, zu politischer Gewalt und zu linksextremistischen Strukturen steht.

Die Partei verweist auf ihren Austritt und auf politische Differenzen.

Je näher Eralp jedoch einem möglichen Regierungsamt kommt, desto größer dürfte das öffentliche Interesse daran werden, diese Differenzen konkret zu benennen und ihre heutige Haltung eindeutig zu erklären.