Der Bau des Flutpolders Rösa im Landkreis Anhalt-Bitterfeld erreicht seine entscheidende Schlussphase. Sachsen-Anhalts Umweltminister Prof. Dr. Armin Willingmann setzte am Mittwoch den ersten Spatenstich für das neue Einlaufbauwerk.

Die Anlage bildet den letzten wesentlichen Baustein des groß angelegten Hochwasserschutzprojekts an der Mulde. Künftig soll der Polder bei extremen Wasserständen bis zu 20 Millionen Kubikmeter Wasser aufnehmen und dadurch die Hochwassergefahr für flussabwärts gelegene Städte und Gemeinden verringern.

Allein das Einlaufbauwerk kostet rund 18 Millionen Euro. Für den gesamten Flutpolder werden etwa 60 Millionen Euro veranschlagt.

Wasser wird bei extremer Flut gezielt in den Polder geleitet

Der Flutpolder ist als gesteuerter Rückhalteraum angelegt. Im Normalbetrieb bleiben die eingedeichten Flächen für Landwirtschaft und Natur verfügbar.

Erreicht die Mulde jedoch ein extremes Hochwasser, werden die Verschlüsse des Einlaufbauwerks während des höchsten Wasserstandes geöffnet. Das Wasser strömt anschließend kontrolliert in den Polder und wird dort vorübergehend gespeichert.

Dadurch sinkt die Wassermenge, die gleichzeitig flussabwärts weiterfließt. Nach dem Ende der Hochwasserwelle kann das gespeicherte Wasser über das bereits errichtete Auslaufbauwerk schrittweise wieder an die Mulde abgegeben werden.

20 Millionen Kubikmeter Speichervolumen

Der Polder soll insgesamt rund 20 Millionen Kubikmeter Wasser aufnehmen können.

Das entspricht 20 Milliarden Litern. Durch diese enorme Rückhaltekapazität soll der Scheitel einer Hochwasserwelle gedämpft und der Druck auf Deiche, Siedlungen, Straßen und wirtschaftlich genutzte Flächen reduziert werden.

Das Einlaufbauwerk kann nach Angaben des Umweltministeriums bis zu 400 Kubikmeter Wasser pro Sekunde in den Polder leiten.

Zum Vergleich nennt das Land eine Menge von etwa 2.000 Badewannen mit jeweils 200 Litern Inhalt – allerdings pro Sekunde.

Vier bewegliche Verschlüsse geplant

Das neue Bauwerk wird mit vier beweglichen Verschlüssen ausgestattet. Diese sogenannten Fischbauchklappen sollen jeweils 17 Meter breit und dreieinhalb Meter hoch werden.

Durch die Klappen kann genau gesteuert werden, wann und in welcher Menge Wasser aus der Mulde in den Polder gelangt.

Die beweglichen Elemente müssen auch unter hohem Wasserdruck zuverlässig arbeiten. Steuerung, Antrieb und Bauwerkskonstruktion werden deshalb für erhebliche Belastungen ausgelegt.

Tausende Kubikmeter Beton und Erdmaterial

Die Dimensionen des Bauvorhabens sind beträchtlich.

Nach aktuellem Planungsstand werden für das Einlaufbauwerk rund 5.500 Kubikmeter Stahlbeton benötigt. Hinzu kommen Wasserbaupflaster, Steinsatz und Steinschüttungen auf einer Fläche von etwa 5.700 Quadratmetern.

Im Zuge der Deich- und Erdarbeiten sollen rund 70.000 Kubikmeter Material bewegt werden.

Das Baufeld wurde bereits vorbereitet. Auch die erforderlichen archäologischen Untersuchungen sind nach Angaben des Landes abgeschlossen.

Hochwasserschutz für Gemeinden entlang der Mulde

Der Flutpolder soll vor allem Orte schützen, die flussabwärts an der Mulde liegen.

Bei extremen Hochwasserlagen können große Wassermengen in kurzer Zeit auf die Deiche und Siedlungsbereiche treffen. Durch die gezielte Zwischenspeicherung soll der Wasserstand im weiteren Flussverlauf gesenkt werden.

Davon profitieren Wohngebiete, Unternehmen, landwirtschaftliche Betriebe, Verkehrswege und weitere Teile der öffentlichen Infrastruktur.

Der Polder kann Hochwasser nicht verhindern. Er soll jedoch dazu beitragen, die Folgen besonders schwerer Ereignisse deutlich zu begrenzen.

Gesamtprojekt besteht aus mehreren Bauabschnitten

Zum Vorhaben gehören neben dem neuen Einlaufbauwerk auch ein Auslaufbauwerk sowie die Erhöhung und Verstärkung angrenzender Deichabschnitte.

Mehrere Maßnahmen sind bereits abgeschlossen:

  • der Hochwasserschutz in den Ortslagen Rösa und Brösa,
  • das Auslaufbauwerk,
  • eine Rückstausicherung am Mühlengraben,
  • der erste Abschnitt des Polderdeiches.

Am zweiten Polderdeichabschnitt laufen die Arbeiten noch. Nach derzeitiger Planung soll dieser Teil ebenfalls im Jahr 2026 fertiggestellt werden.

Polderflächen bleiben normalerweise nutzbar

Ein Flutpolder wird nur in besonderen Hochwasserlagen geflutet.

Außerhalb solcher Ereignisse können die Flächen weiterhin landwirtschaftlich genutzt werden oder der Natur zur Verfügung stehen. Erst wenn ein festgelegter Wasserstand erreicht ist, entscheidet die zuständige Hochwasserschutzleitung über die Öffnung des Einlaufbauwerks.

Damit unterscheidet sich ein gesteuerter Polder von Flächen, die bei jedem höheren Wasserstand automatisch überflutet werden.

Die technische Steuerung ermöglicht es, den Rückhalteraum gezielt dann einzusetzen, wenn seine Wirkung für flussabwärts liegende Gebiete am größten ist.

60 Millionen Euro aus mehreren Finanzierungsquellen

Die Gesamtkosten des Polders belaufen sich nach Angaben des Umweltministeriums auf etwa 60 Millionen Euro.

Finanziert wird das Projekt aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung, des Bundes und des Landes Sachsen-Anhalt.

Das Einlaufbauwerk allein schlägt mit etwa 18 Millionen Euro zu Buche.

Umweltminister Willingmann bezeichnete die Ausgaben als hohe, aber notwendige Investition in den Schutz der Bevölkerung. Moderne Hochwasservorsorge müsse rechtzeitig umgesetzt werden und dürfe nicht erst nach einer erneuten Katastrophe beginnen.

Mehr Raum für die Mulde

Nach Auffassung des Umweltministeriums gehören Polder und Deichrückverlegungen zu einem modernen Hochwasserschutz.

Flüsse erhalten dadurch zusätzliche Flächen, auf denen sie sich bei extremen Wasserständen ausbreiten können. Die Wassermassen werden nicht ausschließlich zwischen immer höheren Deichen eingeengt, sondern teilweise in dafür vorgesehene Bereiche gelenkt.

Das entlastet den Flusslauf und kann das Risiko von Deichbrüchen oder Überströmungen verringern.

Willingmann bezeichnete den Polder Rösa als zentralen Baustein für den Hochwasserschutz im östlichen Sachsen-Anhalt.

Langjährige Planung notwendig

Flutpolder gehören zu den langfristigsten Infrastrukturprojekten im Hochwasserschutz.

Von der ersten Planung bis zur vollständigen Inbetriebnahme müssen nach Angaben des Landes selbst bei einem weitgehend reibungslosen Ablauf zwischen 15 und 20 Jahre eingeplant werden.

Gründe dafür sind umfangreiche Planungs- und Genehmigungsverfahren, Grundstücksfragen, Naturschutzauflagen, technische Untersuchungen und die Aufteilung in mehrere Bauabschnitte.

Auch archäologische Prüfungen können erforderlich sein, bevor die eigentlichen Arbeiten beginnen.

Gemeinschaftsprojekt vieler Beteiligter

LHW-Direktorin Martina Große-Sudhues bezeichnete die Umsetzung als Gemeinschaftsleistung.

An einem Vorhaben dieser Größenordnung arbeiten Planer, Bauunternehmen, Wasserbauingenieure, Behörden, Kommunen und zahlreiche Fachleute über viele Jahre zusammen.

Gerade beim Bau von Deichen, Verschlussanlagen und Rückhalteflächen müssen technische Sicherheit, Umweltschutz und die Interessen der betroffenen Grundstücksnutzer miteinander verbunden werden.

Große-Sudhues dankte allen Beteiligten für ihre Ausdauer und ihr fachliches Engagement.

Mehr als 162 Millionen Euro seit 2002 investiert

Seit dem schweren Hochwasserjahr 2002 wurden allein im Landkreis Anhalt-Bitterfeld mehr als 162 Millionen Euro in Hochwasserschutzmaßnahmen investiert.

Die Region wurde in der Vergangenheit mehrfach von hohen Wasserständen und Überschwemmungen getroffen. Entsprechend umfangreich wurden Deiche saniert, Ortslagen geschützt und technische Anlagen errichtet.

Der Flutpolder Rösa gehört zu den größten und aufwendigsten Projekten dieser langfristigen Schutzstrategie.

Die wichtigsten Zahlen zum Flutpolder

Gesamtkosten: rund 60 Millionen Euro
Kosten des Einlaufbauwerks: rund 18 Millionen Euro
Speichervolumen: etwa 20 Millionen Kubikmeter
Durchfluss am Einlauf: bis zu 400 Kubikmeter pro Sekunde
Bewegliche Verschlüsse: vier Fischbauchklappen
Breite je Klappe: 17 Meter
Höhe je Klappe: 3,5 Meter
Stahlbeton: rund 5.500 Kubikmeter
Stein- und Pflasterflächen: rund 5.700 Quadratmeter
Bewegtes Erdmaterial: rund 70.000 Kubikmeter

Mit dem Baustart für das Einlaufbauwerk geht der Flutpolder Rösa in seinen letzten großen Bauabschnitt.

Die rund 60 Millionen Euro teure Anlage soll bei einem extremen Hochwasser bis zu 20 Millionen Kubikmeter Wasser aus der Mulde aufnehmen. Auf diese Weise sollen flussabwärts gelegene Gemeinden, Betriebe und Verkehrswege besser geschützt werden.

Mehrere Bestandteile des Projekts sind bereits fertiggestellt. Mit dem 18 Millionen Euro teuren Einlaufbauwerk entsteht nun die technische Anlage, die den gesteuerten Einsatz des Polders überhaupt erst ermöglicht.

Quelle

– Ministerium für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt des Landes Sachsen-Anhalt: Presseinformation zum ersten Spatenstich für das Einlaufbauwerk des Flutpolders Rösa, 22. Juli 2026.