Die Stadt Zittau übernimmt das traditionsreiche Phänomen/ROBUR-Industriegelände am Bahnhof. Oberbürgermeister Thomas Zenker hat am 22. Oktober 2026 den Kaufvertrag unterzeichnet. Auf dem mehr als 20.000 Quadratmeter großen Areal sollen unter anderem ein neuer Busbetriebshof und möglicherweise Ausstellungsflächen für die Landesgartenschau 2032 entstehen.
Stadt übernimmt Verantwortung für historisches Industrieareal
Nach langwierigen Verhandlungen mit den Erben des bisherigen Eigentümers und einem deutlichen Mehrheitsbeschluss des Stadtrats steht der Erwerb des ehemaligen Phänomen/ROBUR-Werks fest. Die Stadt Zittau wird damit Eigentümerin eines der bedeutendsten früheren Industriestandorte unmittelbar am Bahnhof.
Das Gelände zwischen Bahnhofstraße, Eisenbahnstraße und Marschnerstraße umfasst mehr als 20.000 Quadratmeter. Darauf befinden sich zahlreiche ehemalige Industriegebäude, darunter auch denkmalgeschützte Bauwerke. Einige Gebäude sind inzwischen stark verfallen, andere könnten langfristig wieder genutzt werden.
Für viele Einwohner ist der Standort eng mit der Industriegeschichte der Stadt und der eigenen Familiengeschichte verbunden.
„Das Phänomen/ROBUR-Werk sind schon viel zu lange eine vernarbte, noch immer schmerzende Wunde im Stadtbild“, erklärte Oberbürgermeister Thomas Zenker. Er dankte dem Stadtrat dafür, dass die Stadt die Entwicklung des Geländes nun wieder selbst gestalten könne.
Kaufpreis im mittleren sechsstelligen Bereich
Der Erwerb ist für die Stadt mit einer erheblichen finanziellen Verpflichtung verbunden. Nach Angaben der Stadtverwaltung liegt der Kaufpreis im mittleren sechsstelligen Bereich. Die Zahlung soll nach Abschluss der erforderlichen Formalitäten erfolgen.
Angesichts des teilweise schlechten baulichen Zustands hatte der Stadtrat intensiv über die Wirtschaftlichkeit des Vorhabens beraten.
„Eigentlich hätten wir für diese Ruinenlandschaft Geld bekommen müssen, statt dafür zu zahlen“, sagte Zenker mit Blick auf die vorhandene Bausubstanz.
Ausschlaggebend für die mehrheitliche Zustimmung waren insbesondere zwei aussichtsreiche Nutzungsmöglichkeiten. Die Stadt möchte verhindern, dass das weitläufige Gelände erneut über Jahre ungenutzt bleibt oder Gegenstand von Grundstücksspekulationen wird.
Neuer Busbetriebshof direkt am Bahnhof geplant
Ein zentrales Vorhaben ist die Errichtung eines neuen Betriebshofs für DB Regio Bus auf einem Teil des ehemaligen Industrieareals.
Darauf haben sich die Stadt Zittau, der Landkreis Görlitz und DB Regio Bus bereits grundsätzlich verständigt. Eine entsprechende Absichtserklärung wurde von den drei Partnern unterzeichnet.
Für den Neubau müssten mehrere bestehende Gebäude abgerissen werden, darunter teilweise ruinöse Industriebauten. Anschließend sollen Wartungsanlagen, Stellplätze sowie Park- und Pausenbereiche für Linienbusse entstehen.
Der Standort in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs bietet aus Sicht der Beteiligten erhebliche betriebliche Vorteile. Leerfahrten könnten reduziert und der öffentliche Personennahverkehr wirtschaftlicher organisiert werden.
Zenker betonte, dass ein dauerhaft gesicherter Betriebshof am zentralen Verkehrsknotenpunkt sowohl für Zittau als auch für den südlichen Landkreis Görlitz wichtig sei.
Die vorgesehene Nutzung soll auch über künftige Vertragslaufzeiten einzelner Verkehrsunternehmen hinaus Bestand haben.
Landesgartenschau 2032 als weitere Entwicklungschance
Neben dem Busbetriebshof könnte ein Teil der historischen Industriegebäude für eine mögliche Landesgartenschau 2032 in Zittau genutzt werden.
Insbesondere der sogenannte Hochbau kommt nach den bisherigen Überlegungen als Ausstellungsfläche infrage. Damit könnte ein Teil des industriellen Erbes erhalten und gleichzeitig einer neuen öffentlichen Nutzung zugeführt werden.
Eine endgültige Entscheidung über die Nutzung der betreffenden Gebäude steht allerdings noch aus. Auch die bauliche Erhaltung einzelner Gebäudeteile muss geprüft werden.
Die Überlegungen stehen im Zusammenhang mit dem geplanten Motto der Landesgartenschau: „Lost and Found“.
Damit möchte Zittau die Wiederentdeckung und Neugestaltung bislang vernachlässigter Orte in den Mittelpunkt stellen.
Historischer Industriestandort soll neue Perspektive erhalten
Das ehemalige Phänomen/ROBUR-Werk gehört zu den markanten Zeugnissen der Zittauer Industriegeschichte. Über Jahrzehnte war das Areal ein bedeutender Produktionsstandort und Arbeitsplatz für zahlreiche Menschen aus der Region.
Nach dem Ende der industriellen Nutzung verschlechterte sich der Zustand vieler Gebäude zunehmend. Die weitläufige Industriebrache prägt seither das Stadtbild in unmittelbarer Bahnhofsnähe.
Mit dem Kauf erhält Zittau nun die Möglichkeit, die weitere Entwicklung unmittelbar zu steuern.
Noch offen sind die konkreten Zeitpläne für den Rückbau einzelner Gebäude, die Errichtung des Busbetriebshofs und die Sanierung erhaltenswerter Bausubstanz. Auch die Finanzierung der einzelnen Entwicklungsmaßnahmen muss im weiteren Verfahren geklärt werden.
Für Oberbürgermeister Zenker steht das Vorhaben beispielhaft für einen grundlegenden Wandel im Umgang mit aufgegebenen Industrieflächen.
„Aus unseren Verlusten müssen wir wieder neue Chancen machen“, erklärte er mit Blick auf die zukünftige Entwicklung des Areals.