Görlitz/Zittau. Der gemeinsame Lehramtsstudiengang der Universität Leipzig und der Hochschule Zittau/Görlitz entwickelt sich erfolgreich. Zum neuen Studienjahr haben sich 30 Erstsemester für das „Lehramt an Oberschulen mit Sonderpädagogik“ eingeschrieben. Damit beginnen etwas mehr junge Menschen ihre Ausbildung als beim Start des Studiengangs im vergangenen Jahr. Insgesamt sind inzwischen 54 Studierende eingeschrieben.
Das Angebot wurde speziell entwickelt, um dem hohen Lehrkräftebedarf in der Oberlausitz entgegenzuwirken. Es verbindet ein reguläres Lehramtsstudium für Oberschulen mit sonderpädagogischen Kenntnissen und einer praxisnahen Ausbildung in der Region.
Eine Besonderheit ist die Zusammenarbeit zweier unterschiedlicher Hochschultypen: Während die Universität Leipzig ihre wissenschaftliche und lehramtsbezogene Expertise einbringt, stellt die Hochschule Zittau/Görlitz ihre regionalen Netzwerke und praxisorientierten Ausbildungsstrukturen zur Verfügung.
Studierende sollen langfristig in der Oberlausitz bleiben
Ein zentrales Ziel des Studiengangs besteht darin, junge Menschen aus der Region für den Lehrerberuf zu gewinnen und ihnen eine berufliche Perspektive in ihrer Heimat zu eröffnen.
Nach Angaben der Hochschulen stammen auch unter den neuen Erstsemestern mehrere Studierende aus der Oberlausitz. Sie haben bereits Interesse bekundet, nach ihrem Abschluss an Schulen in der Region zu arbeiten.
Für die Verantwortlichen ist das ein wichtiges Signal.
„Die Universität Leipzig engagiert sich damit zusammen mit der HSZG direkt in einer ländlichen Region, in der es einen extrem hohen Bedarf an Lehrerinnen und Lehrern gibt“, erklärt Professorin Brigitte Latzko, Prorektorin für Talententwicklung, Studium und Lehre an der Universität Leipzig.
Die Verbindung zweier regulärer Oberschulfächer mit einer sonderpädagogischen Erweiterung sei in Sachsen bislang einzigartig.
Auch bundesweit betrachtet die Universität das Konzept als innovativen Ansatz für die Ausbildung angehender Lehrkräfte.
Zwei Unterrichtsfächer und zusätzliche Sonderpädagogik
Studierende wählen zunächst zwei Unterrichtsfächer. Zur Auswahl stehen derzeit Deutsch, Mathematik, Biologie sowie Wirtschaft-Technik-Haushalt/Soziales (WTH/S).
Ab dem dritten Semester können sie zusätzlich den sonderpädagogischen Förderschwerpunkt Lernen als Erweiterungsfach belegen.
Damit sollen angehende Lehrkräfte nicht nur auf den Unterricht in ihren gewählten Fächern vorbereitet werden. Sie erwerben zugleich Kenntnisse darüber, wie Schülerinnen und Schüler mit unterschiedlichen Lernvoraussetzungen im Schulalltag unterstützt werden können.
Das Studium umfasst fachwissenschaftliche, fachdidaktische und bildungswissenschaftliche Inhalte sowie schulpraktische Ausbildungsphasen.
Der Ansatz soll den Studierenden helfen, unterschiedliche Lernbedürfnisse frühzeitig zu erkennen und den Unterricht entsprechend zu gestalten.
Schulen werden bereits während des Studiums einbezogen
Eine besondere Rolle spielt die praktische Ausbildung.
Die Hochschule Zittau/Görlitz möchte den Studierenden neben den regulären Praktika zusätzliche freiwillige Praxisphasen ermöglichen. Diese sollen teilweise auch vergütet werden können.
Professor Martin Goldfriedrich, Studiendekan der Fakultät Sozialwissenschaften und Studiengangbeauftragter, sieht darin eine wichtige Ergänzung der bisherigen Lehrkräftebildung.
Die Studierenden könnten dadurch frühzeitig Erfahrungen im inklusiven Schulalltag sammeln und ihre beruflichen Fähigkeiten weiterentwickeln.
Gerade die Verbindung von wissenschaftlicher Ausbildung und Unterrichtspraxis soll dazu beitragen, dass sich junge Menschen gut auf ihre spätere Tätigkeit vorbereiten können.
Für die Schulen der Region bietet die Zusammenarbeit zugleich die Möglichkeit, frühzeitig mit angehenden Lehrkräften in Kontakt zu kommen.
Hochschule Zittau/Görlitz setzt auf regionale Bindung
Auch Professorin Małgorzata Mańkowiak, Prorektorin für Bildung und Nachhaltigkeit an der Hochschule Zittau/Görlitz, bewertet die Entwicklung positiv.
„Ich freue mich sehr, dass wir erneut junge Menschen aus der Region für diesen Studiengang begeistern konnten“, erklärt sie.
Wer bereits während des Studiums die örtlichen Schulen kennenlerne, könne eine Verbindung zu seinem späteren Arbeitsumfeld aufbauen.
Die Hochschule bringe dafür insbesondere ihre praxisnahen Strukturen und Kontakte zu regionalen Einrichtungen ein.
Ziel sei es, den Lehrkräftenachwuchs möglichst langfristig für die Oberlausitz zu gewinnen.
Allerdings bedeutet die steigende Zahl der Studierenden noch nicht automatisch, dass später alle Absolventen an Schulen der Region arbeiten werden. Ob die angestrebte Bindung gelingt, wird sich erst in den kommenden Jahren zeigen.
Gemeinsames Zentrum für Lehrerbildung geplant
Die Hochschulen wollen ihre Zusammenarbeit nun auch organisatorisch weiterentwickeln.
Für das Wintersemester 2026/2027 ist im Rahmen einer Hochschulallianz die Einrichtung eines gemeinsamen Zentrums für Lehrerbildung vorgesehen.
Dieses soll künftig zentrale Aufgaben für den Studiengang übernehmen.
Dazu gehören die Studiengangkoordination, die Verwaltung, die Organisation von Praktika und die Studienberatung.
Das gemeinsame Gremium soll mit Vertretern beider Hochschulen besetzt werden.
Bislang liegt die rechtliche Verantwortung für den Studiengang bei der Universität Leipzig. Sie übernimmt auch das Qualitätsmanagement.
Mit der geplanten gemeinsamen Einrichtung sollen die organisatorischen Strukturen der Kooperation dauerhaft gestärkt werden.
Ein Studienmodell mit Bedeutung für Sachsen
Der Lehrkräftemangel stellt insbesondere ländliche Regionen vor große Herausforderungen. Schulen müssen Unterrichtsangebote sichern und gleichzeitig auf unterschiedliche Lern- und Förderbedürfnisse reagieren.
Der Kooperationsstudiengang in Görlitz und Zittau setzt deshalb an zwei Punkten an: Er ermöglicht eine wohnortnahe Lehramtsausbildung und vermittelt zusätzliche sonderpädagogische Kompetenzen.
Mit inzwischen 54 Studierenden befindet sich das Angebot weiterhin in einer frühen Aufbauphase. Die Hochschule und die Universität wollen den Studiengang in den kommenden Jahren weiterentwickeln und die Zusammenarbeit festigen.
Für die Oberlausitz könnte sich daraus langfristig ein wichtiger Beitrag zur Sicherung des Lehrkräftenachwuchses ergeben.
Die erneute Steigerung der Studienanfängerzahlen zeigt jedenfalls, dass das neue Ausbildungsangebot bei jungen Menschen Interesse findet.