In Hirschfelde bei Zittau steht ein bedeutendes Kapitel der Oberlausitzer Industriegeschichte vor seinem endgültigen Ende. Das denkmalgeschützte Maschinenhaus des früheren Braunkohlekraftwerks darf abgerissen werden. Der Energiekonzern LEAG hat inzwischen auch die erforderliche Zustimmung der Denkmalbehörde erhalten. Damit können die Rückbauarbeiten kurzfristig beginnen. Bis zum Frühjahr 2027 soll das Gelände vollständig beräumt sein. Das Gebäude gehörte zu den letzten erhaltenen Zeugnissen eines einst bedeutenden Energiestandortes.
Denkmalbehörde genehmigt den Abriss
Die Entscheidung über die Zukunft des früheren Maschinenhauses ist gefallen.
Wie der MDR am 13. Oktober 2026 berichtete, liegt dem Energiekonzern LEAG inzwischen die notwendige denkmalrechtliche Zustimmung zum Abriss vor.
Damit ist die letzte noch ausstehende Genehmigung erteilt.
Die Arbeiten können nach Unternehmensangaben kurzfristig beginnen und sollen in den kommenden Monaten abgeschlossen werden.
Bis zum Frühjahr 2027 soll die Fläche vollständig geräumt sein.
Für die industrielle Vergangenheit der Region hat der Schritt eine besondere Bedeutung: Mit dem Maschinenhaus verschwindet einer der letzten baulichen Überreste des früheren Kraftwerks Hirschfelde.
Kraftwerk prägte Generationen in der Oberlausitz
Über viele Jahrzehnte war das Kraftwerk Hirschfelde ein bedeutender Standort der Energieerzeugung.
Die Anlage gehörte zur industriellen Entwicklung der Oberlausitz, die wesentlich durch Braunkohlebergbau und Stromproduktion geprägt wurde.
Für die Region bedeutete der Kraftwerksbetrieb nicht nur die Erzeugung von Elektrizität, sondern auch Arbeitsplätze und wirtschaftliche Entwicklung.
Generationen von Beschäftigten arbeiteten an den technischen Anlagen.
Mit den politischen und wirtschaftlichen Veränderungen nach der deutschen Wiedervereinigung endete schließlich auch die Stromproduktion.
Ende 1992 wurde der Kraftwerksbetrieb eingestellt.
Große Teile der Anlage wurden anschließend abgerissen. Das Maschinenhaus blieb jedoch erhalten.
Aus dem Maschinenhaus wurde ein Industriemuseum
Nach der Stilllegung erhielt das historische Gebäude eine neue Aufgabe.
Ein Verein nutzte das frühere Maschinenhaus über viele Jahre als Industriemuseum.
Dort wurde an die Geschichte der Stromerzeugung, die technischen Anlagen und die Menschen erinnert, die am Standort gearbeitet hatten.
Das Museum war damit nicht nur ein Ort für technische Exponate.
Es bewahrte zugleich einen Teil der regionalen Identität und der industriellen Vergangenheit der Oberlausitz.
Besucher konnten sich mit der Geschichte des Kraftwerks und seiner Bedeutung für Hirschfelde und die Umgebung auseinandersetzen.
Der Erhalt des Gebäudes machte diese Geschichte unmittelbar am ursprünglichen Standort erfahrbar.
Neißehochwasser verursachte schwere Schäden
Ein entscheidender Einschnitt war das Neißehochwasser im Jahr 2010.
Das Hochwasser beschädigte das bereits sanierungsbedürftige Maschinenhaus erheblich.
In den folgenden Jahren verschlechterte sich der bauliche Zustand weiter.
Schließlich musste das Industriemuseum 2015 seinen regulären Besucherverkehr einstellen.
Die weitere Nutzung des Gebäudes wurde dadurch zunehmend erschwert.
Die Schäden und der schlechte bauliche Zustand bildeten den Hintergrund der späteren Diskussion über einen möglichen Abriss.
Mit der nun vorliegenden denkmalrechtlichen Zustimmung ist die Entscheidung über den Bestand des Gebäudes gefallen.
Industriekultur verliert historischen Originalstandort
Der Verlust des Maschinenhauses betrifft nicht nur ein einzelnes Bauwerk.
Historische Industrieanlagen vermitteln, wie Menschen früher arbeiteten, welche technischen Entwicklungen eine Region prägten und wie sich wirtschaftliche Strukturen veränderten.
Besonders in der Oberlausitz sind solche Orte eng mit der Geschichte des Braunkohlebergbaus und der Energieversorgung verbunden.
Der Erhalt authentischer Gebäude ermöglicht es, diese Vergangenheit unmittelbar sichtbar zu machen.
Mit einem Abriss entfällt diese Möglichkeit am ursprünglichen Standort.
Ob einzelne bauliche Elemente, Dokumente oder technische Zeugnisse für eine spätere museale Präsentation gesichert werden, geht aus den bislang veröffentlichten Angaben nicht hervor.
Für die weitere Erinnerung an die Geschichte des Kraftwerks wäre diese Frage von Bedeutung.
LEAG prüft neue Nutzung des Geländes
Trotz des geplanten Abrisses soll Hirschfelde nach Angaben des Energiekonzerns LEAG auch künftig als Energiestandort eine Perspektive erhalten.
Das Unternehmen untersucht derzeit verschiedene Möglichkeiten für die weitere Entwicklung der Fläche.
Konkrete Angaben über eine bereits beschlossene neue Nutzung liegen allerdings nicht vor.
Auch ein verbindlicher Zeitplan für mögliche Investitionen wurde bislang nicht veröffentlicht.
Die Zukunft des Geländes hängt deshalb davon ab, welche Vorhaben sich technisch, wirtschaftlich und planungsrechtlich umsetzen lassen.
Zwischen Strukturwandel und Erinnerung
Die Oberlausitz steht seit Jahren vor der Aufgabe, ihre industrielle Vergangenheit mit neuen wirtschaftlichen Perspektiven zu verbinden.
Während sich die Energiewirtschaft verändert, gewinnen neue Technologien und alternative Nutzungen früherer Industrieflächen an Bedeutung.
Gleichzeitig stellt sich die Frage, welche Zeugnisse der bisherigen Entwicklung erhalten bleiben sollen.
Das Kraftwerk Hirschfelde steht beispielhaft für diesen Konflikt.
Einerseits soll ein langjährig beschädigtes Gebäude beseitigt und die Fläche für neue Möglichkeiten vorbereitet werden.
Andererseits geht mit dem Abriss eines der letzten erhaltenen Gebäude des früheren Kraftwerks verloren.
Die Genehmigung ist inzwischen erteilt. Damit steht die historische Anlage nun vor ihrem endgültigen Rückbau.
Welche neue Nutzung an ihre Stelle treten wird, ist noch offen.