Schwerin/Insel Poel. Eine Werkstatt, in der es um weit mehr als Holz, Werkzeug und handwerkliches Geschick geht: Der „Männerschuppen Insel Poel e. V.“ hat den Landeswettbewerb „Gesichter für ein gesundes Miteinander“ 2026 in Mecklenburg-Vorpommern gewonnen. Die Initiative bringt Menschen zusammen, schafft neue Kontakte und wirkt damit der Einsamkeit entgegen. Für dieses Engagement wurde sie von Sozialministerin Stefanie Drese und der DAK-Gesundheit mit dem ersten Platz ausgezeichnet.

Auch drei weitere Projekte aus Mecklenburg-Vorpommern erhielten Auszeichnungen. Sie zeigen, wie unterschiedlich gesellschaftlicher Zusammenhalt entstehen kann: durch ein anonymes Zuhörtelefon für Studierende, gemeinsames Tischtennisspielen oder ehrenamtliche Rikschafahrten für pflegebedürftige Menschen.

Eine Werkstatt, in der Gemeinschaft entsteht

Die Idee hinter dem Männerschuppen ist ebenso einfach wie wirkungsvoll: Menschen treffen sich, arbeiten gemeinsam an praktischen Projekten und kommen dabei miteinander ins Gespräch.

Initiator Andrew Gordon hat auf der Insel Poel einen offenen Treffpunkt geschaffen, an dem handwerkliche Tätigkeiten, gegenseitige Unterstützung und soziale Begegnungen zusammengehören.

Dabei steht nicht allein das Ergebnis der handwerklichen Arbeit im Mittelpunkt. Mindestens ebenso wichtig ist die Möglichkeit, Kontakte zu knüpfen und Teil einer Gemeinschaft zu werden.

Gerade für Menschen, die im Alltag nur wenige soziale Begegnungen haben, kann ein solcher Treffpunkt eine wichtige Rolle spielen.

Der Verein bietet seinen Teilnehmern eine regelmäßige Struktur, gemeinsame Aufgaben und die Gelegenheit, eigene Fähigkeiten einzubringen.

Damit verbindet das Projekt praktische Arbeit mit sozialer Teilhabe und Gesundheitsförderung.

Marktstände, Weihnachtsbaum und Projekte für Kinder

Was im Männerschuppen entsteht, kommt nicht nur den Vereinsmitgliedern zugute.

Die Initiative hat bereits zahlreiche Projekte umgesetzt, von denen auch andere Menschen auf der Insel profitieren.

So fertigten die Teilnehmer robuste Marktstände für die Gemeinde und gestalteten einen wiederverwendbaren Weihnachtswunschbaum.

Darüber hinaus unterstützten sie den Bau beziehungsweise die Ausstattung einer Wanderschutzhütte und organisierten kreative Projekttage für Schulkinder.

Die Aktivitäten beschränken sich jedoch längst nicht mehr auf die Werkstatt.

Auch gemeinsames Kochen, Qigong, Singen und öffentliche Vorträge zu Gesundheits- und Gesellschaftsthemen gehören zum Angebot.

Damit ist aus der ursprünglichen Idee eines handwerklichen Treffpunkts ein vielseitiges Gemeinschaftsprojekt geworden.

Die Initiative wirkt nach Angaben der Veranstalter inzwischen über die Insel Poel hinaus.

Sozialministerin Drese würdigt freiwilliges Engagement

Mecklenburg-Vorpommerns Sozialministerin Stefanie Drese hob bei der Auszeichnung die große Bandbreite der teilnehmenden Projekte hervor.

Ob gemeinsames Handwerken, Gespräche am Telefon, sportliche Begegnungen oder Ausflüge mit der Rikscha: Allen ausgezeichneten Initiativen sei gemeinsam, dass sie Begegnungen ermöglichen und Menschen zusammenbringen.

Nach Einschätzung der Ministerin zeigen die Projekte, wie viel gesellschaftliche Kraft aus freiwilligem Engagement entstehen kann.

Auch Andreas Mirwald, Leiter der DAK-Landesvertretung Mecklenburg-Vorpommern, würdigte den Männerschuppen.

Das Projekt verdeutliche, wie Gesundheitsförderung, ehrenamtliche Tätigkeit und gesellschaftlicher Zusammenhalt ineinandergreifen können.

Die gemeinsam umgesetzten Vorhaben seien dabei nur ein Teil des Erfolgs. Ebenso bedeutsam seien die sozialen Kontakte, die durch die Treffen entstehen und das persönliche Wohlbefinden stärken können.

Greifswald: Ein Zuhörtelefon für Studierende

Den zweiten Platz im Landeswettbewerb belegte die Initiative „Nightline – studentisches Zuhörtelefon“ aus Greifswald.

Das Projekt wurde von Marie Zörner eingereicht und richtet sich insbesondere an Studierende sowie junge Menschen, die sich in belastenden Lebenssituationen befinden.

Die Idee: Wer Sorgen hat oder einfach jemanden zum Reden braucht, findet ein anonymes und wertschätzendes Gesprächsangebot.

Nicht immer steht bei solchen Gesprächen die unmittelbare Lösung eines Problems im Mittelpunkt.

Oft geht es zunächst darum, Gedanken aussprechen zu können und das Gefühl zu haben, mit persönlichen Schwierigkeiten nicht allein zu sein.

Mit seinem niedrigschwelligen Ansatz eröffnet das Projekt einen geschützten Raum für Menschen, denen es möglicherweise schwerfällt, sich im eigenen Umfeld anzuvertrauen.

Gerade in einer Lebensphase, die häufig von Veränderungen, Leistungsdruck und neuen sozialen Anforderungen geprägt ist, kann ein solches Angebot wertvoll sein.

Neustrelitz: Gemeinsam an der Tischtennisplatte

Der dritte Platz ging an den „Ping Pong Salon – Begegnung in Bewegung“ aus Neustrelitz.

Die von Katja Thiede eingereichte Initiative setzt auf eine unkomplizierte Form des Miteinanders: Menschen kommen beim Tischtennisspielen zusammen.

Dabei verbinden sich körperliche Aktivität und gesellschaftliche Begegnung.

Das gemeinsame Spiel bietet einen Anlass, neue Menschen kennenzulernen und miteinander ins Gespräch zu kommen.

Ein wesentliches Merkmal solcher Angebote ist, dass keine aufwendige Organisation oder langfristige Verpflichtung erforderlich sein muss, um erste Kontakte entstehen zu lassen.

Das Projekt leistet damit einen Beitrag zu einer lebendigen Nachbarschaft.

Zugleich zeigt es, dass Gesundheitsförderung nicht ausschließlich in medizinischen Einrichtungen stattfindet.

Auch Freizeitangebote und gemeinsame Bewegung können das Wohlbefinden unterstützen.

Neubrandenburg: Mit der Rikscha zurück an vertraute Orte

Eine besondere Auszeichnung ging nach Neubrandenburg.

Der Verein „Radeln ohne Alter Neubrandenburg e. V.“ erhielt den Sonderpreis Pflege für das Projekt „Rikscha für Bewegungseingeschränkte“.

Seit 2022 organisiert Gernot Kunzemann gemeinsam mit weiteren Ehrenamtlichen Fahrten für Menschen, die ihre gewohnte Umgebung nicht mehr ohne Unterstützung erkunden können.

Die Freiwilligen besuchen Pflegeheime und Einrichtungen der Tagespflege und ermöglichen den Bewohnern Ausflüge mit speziellen Rikschas.

Die Fahrten führen beispielsweise durch frühere Wohnviertel, das Stadtzentrum oder den Kulturpark.

Mitunter werden auch Orte besucht, die für die Fahrgäste eine besondere persönliche Bedeutung besitzen, etwa die Gräber verstorbener Angehöriger.

Für Menschen mit eingeschränkter Mobilität eröffnen solche Ausflüge Möglichkeiten, die ihnen sonst möglicherweise verwehrt blieben.

Es geht dabei nicht allein darum, an die frische Luft zu kommen.

Auch Erinnerungen, Gespräche und das Wiedersehen mit vertrauten Orten spielen eine wichtige Rolle.

Das Projekt verbindet damit praktische Unterstützung in der Pflege mit menschlicher Nähe und gesellschaftlicher Teilhabe.

Rund 350 Initiativen beteiligten sich bundesweit

Der Wettbewerb „Gesichter für ein gesundes Miteinander“ findet inzwischen zum sechsten Mal statt.

2026 beteiligten sich bundesweit rund 350 Projekte und Initiativen, die sich mit Gesundheit, Prävention, Pflege oder gesellschaftlichem Engagement beschäftigen.

Gesucht werden Menschen und Organisationen, die mit ihren Ideen das Zusammenleben verbessern und gesundheitliche Belastungen verringern helfen.

Dabei geht es nicht ausschließlich um große Einrichtungen oder professionell organisierte Angebote.

Gerade kleinere Initiativen und ehrenamtliche Projekte stehen im Mittelpunkt.

Sie können häufig unmittelbar dort wirken, wo Menschen leben, arbeiten oder ihre Freizeit verbringen.

Die vier ausgezeichneten Projekte aus Mecklenburg-Vorpommern zeigen die große Bandbreite solcher Ansätze.

Während der Männerschuppen auf gemeinsames Handwerk setzt, schafft die Nightline aus Greifswald ein telefonisches Gesprächsangebot.

In Neustrelitz bringt Tischtennis Menschen zusammen, während in Neubrandenburg Rikschafahrten Bewegung und persönliche Begegnung ermöglichen.

Allen Projekten gemeinsam ist das Ziel, Menschen miteinander zu verbinden.

Im Dezember werden die Bundessieger gewählt

Mit der Entscheidung auf Landesebene ist der Wettbewerb noch nicht abgeschlossen.

Im Dezember wählt eine Bundesjury aus den erfolgreichen Projekten der einzelnen Bundesländer die bundesweiten Sieger.

Den Vorsitz der Jury übernimmt DAK-Vorstandschef Andreas Storm.

Schirmherrin des bundesweiten Wettbewerbs ist Bundesfamilienministerin Karin Prien.

Damit erhält auch der Männerschuppen von der Insel Poel die Möglichkeit, über Mecklenburg-Vorpommern hinaus ausgezeichnet zu werden.

Unabhängig vom Ausgang des Bundeswettbewerbs hat die Initiative bereits ein wichtiges Ziel erreicht: Ihr Engagement wird öffentlich sichtbar.

Kleine Projekte können große Wirkung entfalten

Einsamkeit und fehlende soziale Kontakte sind Herausforderungen, die Menschen unterschiedlichen Alters betreffen können.

Besonders im höheren Lebensalter, nach dem Ausscheiden aus dem Berufsleben oder bei eingeschränkter Mobilität können regelmäßige Begegnungen schwieriger werden.

Die ausgezeichneten Initiativen zeigen, dass es nicht immer aufwendiger Programme bedarf, um Menschen zusammenzubringen.

Manchmal genügt ein gemeinsames handwerkliches Projekt, ein offenes Ohr am Telefon, eine Tischtennisplatte oder eine Fahrradrikscha.

Entscheidend ist, dass solche Angebote erreichbar sind und Menschen die Möglichkeit geben, selbst Teil einer Gemeinschaft zu werden.

Der Männerschuppen auf der Insel Poel steht beispielhaft für dieses Prinzip. Mit gemeinsamen Aufgaben, gegenseitiger Unterstützung und einem offenen Treffpunkt ist dort ein Projekt entstanden, das weit über handwerkliche Tätigkeiten hinausgeht.