Frankfurt am Main. Deutschlands Maschinen- und Anlagenbauer blicken wieder etwas optimistischer in die Zukunft. Doch ausgerechnet bei den Arbeitsplätzen zeichnet sich keine Entwarnung ab. Mehr als 30 Prozent der befragten Unternehmen rechnen mit einem weiteren Personalabbau. Das zeigt eine am Mittwoch, 14. Oktober 2026, veröffentlichte Konjunkturerhebung des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). Für eine der wichtigsten deutschen Industriebranchen bleibt die wirtschaftliche Lage damit widersprüchlich: Die Stimmung verbessert sich, während Beschäftigte weiterhin um ihre Arbeitsplätze bangen müssen.
Für die aktuelle Erhebung wurden knapp 800 Unternehmen befragt. Die Ergebnisse zeigen zwar eine spürbare Verbesserung gegenüber dem Sommer, machen aber zugleich deutlich, wie groß die Herausforderungen für die deutsche Industrie bleiben.
Mehr Unternehmen bewerten ihre Lage positiv
Im dritten Quartal 2026 bezeichneten 34 Prozent der befragten Maschinenbauunternehmen ihre aktuelle wirtschaftliche Situation als gut oder sehr gut. Bei der vorherigen Erhebung im Juli waren es lediglich 28 Prozent gewesen.
Etwa 22 Prozent beurteilen ihre Geschäftslage weiterhin als schlecht oder sehr schlecht.
Auch beim Blick auf die kommenden sechs Monate wächst die Zuversicht. Rund ein Drittel der Unternehmen erwartet eine Verbesserung der wirtschaftlichen Situation. Nur zehn Prozent rechnen mit einer weiteren Verschlechterung.
Die Umfrage deutet damit auf eine vorsichtige Stabilisierung hin. Von einem umfassenden wirtschaftlichen Aufschwung kann allerdings noch keine Rede sein.
Denn nicht alle Bereiche des Maschinenbaus profitieren gleichermaßen von der verbesserten Stimmung.
Rüstungsindustrie und Medizintechnik sorgen für Nachfrage
Besonders positive Impulse kommen aus Branchen, die derzeit stärker investieren oder neue Technologien entwickeln.
Dazu gehören die Verteidigungsindustrie, die Luft- und Raumfahrt sowie die Medizintechnik. Dort eröffnen neue Projekte zusätzliche Geschäftsmöglichkeiten für Maschinenbauer und industrielle Zulieferer.
Schwieriger gestaltet sich die Entwicklung dagegen für Unternehmen, die stark von der Automobilindustrie oder der Chemiebranche abhängig sind.
Gerade die anhaltenden Probleme der deutschen Autoindustrie belasten zahlreiche Hersteller von Maschinen, Produktionsanlagen und Automatisierungstechnik.
Die unterschiedlichen Entwicklungen innerhalb der Industrie führen dazu, dass einzelne Unternehmen neue Aufträge gewinnen, während andere weiterhin mit schwacher Nachfrage und wirtschaftlichem Anpassungsdruck kämpfen.
Mehr als 30 Prozent rechnen mit Stellenabbau
Besonders problematisch ist die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt.
Nach Angaben des VDMA planen lediglich 18 Prozent der befragten Maschinenbauunternehmen, zusätzliche Beschäftigte einzustellen. Demgegenüber rechnen mehr als 30 Prozent mit einem Personalabbau.
Damit stehen die verbesserten wirtschaftlichen Erwartungen in deutlichem Gegensatz zur Personalplanung vieler Betriebe.
Bereits seit 2019 sind nach Verbandsangaben deutschlandweit rund 100.000 Arbeitsplätze im Maschinenbau weggefallen.
Ein weiterer Rückgang der Beschäftigung könnte die wirtschaftlichen Probleme zahlreicher Industrieregionen verschärfen.
Dabei geht es nicht allein um Arbeitsplätze in großen Produktionsstätten. Auch kleinere Zulieferunternehmen, technische Dienstleister und Handwerksbetriebe hängen unmittelbar von den Aufträgen der Maschinenbauindustrie ab.
Auch ostdeutsche Industriestandorte stehen vor Herausforderungen
Für Ostdeutschland besitzt die Entwicklung besondere Bedeutung.
In Sachsen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Thüringen gehören Maschinenbau, Fahrzeugzulieferung, Elektrotechnik und industrielle Fertigung zu den wichtigen wirtschaftlichen Standbeinen.
Viele Unternehmen sind in überregionale und internationale Lieferketten eingebunden. Schwankende Investitionen in der Automobilindustrie oder sinkende Aufträge aus anderen Industriebereichen können deshalb auch ostdeutsche Standorte treffen.
Gleichzeitig bieten neue Entwicklungen in der Medizintechnik, der Verteidigungsindustrie und der Automatisierung Chancen für spezialisierte Betriebe.
Ob diese Wachstumsfelder den Beschäftigungsrückgang in anderen Bereichen ausgleichen können, bleibt offen.
Die bundesweite VDMA-Umfrage erlaubt allerdings keine unmittelbare Aussage darüber, wie viele Arbeitsplätze konkret in einzelnen ostdeutschen Bundesländern gefährdet sind.
Hohe Kosten und Konkurrenz aus China belasten Unternehmen
Zu den größten Herausforderungen zählen weiterhin die hohen Produktionskosten am Standort Deutschland, geopolitische Unsicherheiten und der zunehmende internationale Wettbewerb.
Besonders die Konkurrenz aus China setzt zahlreiche deutsche Maschinenbauunternehmen unter Druck.
Gleichzeitig müssen viele Betriebe erhebliche Investitionen in Digitalisierung, Automatisierung und neue Produktionsverfahren stemmen, um international wettbewerbsfähig zu bleiben.
Die höheren Erwartungen der Unternehmen sind deshalb noch keine Garantie für zusätzliche Beschäftigung.
Immerhin erwarten 57 Prozent der befragten Betriebe für das laufende Jahr einen nominalen Umsatzanstieg. Für 2027 rechnen sogar 62 Prozent mit steigenden Umsätzen.
Ob daraus auch neue Arbeitsplätze entstehen, ist jedoch ungewiss. Die aktuellen Personalplanungen lassen zunächst eher das Gegenteil erwarten.
Industrieaufschwung ohne zusätzliche Arbeitsplätze?
Die Zahlen zeigen ein grundlegendes Problem der wirtschaftlichen Entwicklung: Unternehmen können wieder optimistischer werden, ohne sofort zusätzliches Personal einzustellen.
Gerade nach längeren Krisenphasen versuchen viele Betriebe zunächst, Kosten zu begrenzen, ihre Produktivität zu steigern und bestehende Kapazitäten besser auszulasten.
Für Beschäftigte bedeutet das, dass positive Konjunkturerwartungen nicht automatisch größere Arbeitsplatzsicherheit schaffen.
Die kommenden Monate werden deshalb zeigen müssen, ob aus der verbesserten Stimmung tatsächlich eine nachhaltige wirtschaftliche Erholung wird.
Bis dahin bleibt die Lage im deutschen Maschinenbau angespannt – und der angekündigte weitere Stellenabbau ein ernstes Warnsignal für den Industriestandort Deutschland.