Deutschlands letzte große Warenhauskette Galeria steckt erneut in einer schweren Krise. Nach dem vierten Insolvenzantrag innerhalb von sechs Jahren gibt es für die Beschäftigten zumindest vorläufig eine gute Nachricht: Die Bundesagentur für Arbeit hat die Zahlung von Insolvenzgeld ermöglicht. Damit sollen die Gehälter der rund 11.250 Mitarbeiter zunächst gesichert und der Geschäftsbetrieb in den bundesweit 83 Warenhäusern fortgesetzt werden. Doch die Zukunft zahlreicher Filialen bleibt ungewiss. In Mitteldeutschland stehen besonders die Standorte Dresden, Leipzig, Magdeburg und Erfurt im Blickpunkt.
Insolvenzgeld soll Gehälter absichern
Die Beschäftigten der Warenhauskette können vorerst aufatmen. Nach Angaben aus dem Insolvenzverfahren besteht Anspruch auf Insolvenzgeld, das über eine Bank vorfinanziert werden soll.
Die Leistung entspricht grundsätzlich dem ausgefallenen Nettoarbeitsentgelt und kann für maximal drei Monate vor der Eröffnung des Insolvenzverfahrens gezahlt werden.
Durch die Vorfinanzierung sollen die Mitarbeiter möglichst zeitnah ihr Geld erhalten.
Das ist eine wichtige Voraussetzung dafür, dass die Warenhäuser trotz der Insolvenz geöffnet bleiben können.
Allein die monatlichen Gehaltskosten des Unternehmens belaufen sich nach bisherigen Angaben auf rund 25 Millionen Euro.
Ohne die Absicherung der Löhne wäre die Fortführung des Geschäftsbetriebs erheblich schwieriger.
Warum Galeria erneut Insolvenzgeld erhalten kann
Die erneute Zahlung war zunächst keineswegs sicher.
Schließlich durchlief die Warenhauskette bereits mehrere Insolvenzverfahren. Das vorherige Verfahren aus dem Jahr 2024 befindet sich weiterhin in der sogenannten Planüberwachung.
Entscheidend ist jedoch die rechtliche Struktur des Unternehmens.
Der aktuelle Insolvenzantrag wurde von der Galeria S.à r.l. & Co. KG gestellt und betrifft damit einen anderen Rechtsträger als das frühere Verfahren.
Dadurch ist eine erneute Gewährung von Insolvenzgeld rechtlich möglich.
Die Finanzierung erfolgt über eine Umlage, die von Unternehmen getragen wird. Es handelt sich nicht um eine unmittelbar aus allgemeinen Steuermitteln finanzierte Leistung.
Für die Beschäftigten bedeutet diese Entscheidung zunächst finanzielle Sicherheit, nicht jedoch eine Garantie für den dauerhaften Erhalt ihres Arbeitsplatzes.
Vier Galeria-Warenhäuser in Mitteldeutschland
Besonders aufmerksam wird die Entwicklung in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen verfolgt.
In Mitteldeutschland gibt es noch vier Galeria-Standorte: in Dresden, Leipzig, Magdeburg und Erfurt.
Diese Warenhäuser gehören zu den verbliebenen großen Einzelhandelsstandorten ihrer jeweiligen Innenstädte.
Weitere Schließungen hätten deshalb nicht nur Auswirkungen auf die dort Beschäftigten.
Auch die Entwicklung der Innenstädte könnte betroffen sein. Große Kaufhäuser ziehen Kunden an, von denen oftmals benachbarte Einzelhändler, Gastronomiebetriebe und Dienstleister profitieren.
Fällt ein solcher Standort weg, entstehen häufig große leer stehende Handelsflächen, für die sich nicht ohne Weiteres eine neue Nutzung finden lässt.
Die Lage ist allerdings regional unterschiedlich. Ob einzelne Filialen wirtschaftlich tragfähig sind, muss im Insolvenzverfahren geprüft werden.
Insolvenzverwalter prüft die Zukunft
Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Frank Kebekus bestellt.
Seine Aufgabe besteht darin, die wirtschaftliche Situation des Unternehmens zu untersuchen, den Geschäftsbetrieb möglichst aufrechtzuerhalten und nach tragfähigen Lösungen zu suchen.
Dazu gehört auch die Frage, ob weitere Investoren gewonnen werden können.
Nach Medienberichten stehen mögliche Schließungen von bis zu 33 Standorten im Raum.
Eine verbindliche Entscheidung über die Zahl und die betroffenen Filialen liegt jedoch noch nicht vor.
Deshalb wäre es verfrüht, bereits bestimmte Warenhäuser in Ostdeutschland als endgültig verloren zu betrachten.
Finanzielle Probleme trotz Millionenkredit
Die erneute Insolvenz kommt nur wenige Jahre nach dem letzten Sanierungsversuch.
Noch im Juni 2026 hatte Galeria einen Kreditrahmen von bis zu 160 Millionen Euro erhalten.
Trotzdem verschärfte sich die Liquiditätslage weiter.
Zu den Problemen gehören nach aktuellen Berichten ausbleibende Mietzahlungen und die schwierige Finanzierung des laufenden Geschäftsbetriebs.
Die grundsätzlichen Herausforderungen des Warenhausgeschäfts bestehen ohnehin seit Jahren.
Der stationäre Einzelhandel steht unter Konkurrenzdruck durch Onlinehändler, spezialisierte Fachgeschäfte und veränderte Konsumgewohnheiten.
Große Innenstadtimmobilien verursachen zugleich erhebliche Miet-, Energie- und Personalkosten.
Wie geht es für Kunden und Beschäftigte weiter?
Die Galeria-Häuser sollen zunächst geöffnet bleiben. Kunden können weiterhin einkaufen, auch wenn es in einzelnen Filialen Einschränkungen beim Warenangebot geben kann.
Für die Beschäftigten hängt die langfristige Perspektive davon ab, ob es gelingt, ein wirtschaftlich tragfähiges Konzept zu entwickeln.
Das Insolvenzgeld überbrückt lediglich einen begrenzten Zeitraum.
Es ersetzt weder eine dauerhafte Finanzierung noch die notwendige Restrukturierung des Unternehmens.
Gerade für die ostdeutschen Standorte in Dresden, Leipzig, Magdeburg und Erfurt bleibt die weitere Entwicklung deshalb von großer Bedeutung.
Die zentrale Frage lautet inzwischen nicht mehr allein, ob Galeria die aktuelle Insolvenz übersteht, sondern auch, wie viele Warenhäuser danach noch Teil des deutschen Innenstadthandels sein werden.