Die Bundeswehr will ihre Fähigkeiten zur Abwehr feindlicher Drohnen deutlich ausbauen. Dabei setzt das Deutsche Heer künftig auch auf den Rüstungskonzern Diehl Defence. Nach Informationen aus der Verteidigungsbranche soll zunächst eine kleinere Anzahl des mobilen Drohnenabwehrsystems GARMR beschafft werden. Eine größere Bestellung wird vorbereitet. Für Diehl ist das Vorhaben ein wichtiger Schritt im Wettbewerb mit Rheinmetall um die Ausstattung der deutschen Streitkräfte.

Heer plant Beschaffung von Diehl-System GARMR

Die Bundeswehr bereitet die Anschaffung des mobilen Drohnenabwehrsystems GARMR des deutschen Rüstungsunternehmens Diehl Defence vor. Der Inspekteur des Heeres, Generalleutnant Christian Freuding, bestätigte inzwischen öffentlich, dass das System zur künftigen Ausstattung der neu aufgebauten Heeresflugabwehr gehören soll.

Nach Informationen des Fachportals hartpunkt ist zunächst die Beschaffung einer kleinen Anzahl von Fahrzeugen vorgesehen. Sie sollen innerhalb der Bundeswehr erprobt und für den militärischen Einsatz qualifiziert werden.

Der Wert dieser ersten Bestellung soll unterhalb der Schwelle von 25 Millionen Euro liegen. Ab diesem Auftragswert müssen größere Beschaffungsvorhaben grundsätzlich dem Haushaltsausschuss des Bundestages zur gesonderten Billigung vorgelegt werden.

Parallel wird nach Brancheninformationen bereits ein umfangreicheres Beschaffungsprojekt vorbereitet. Dieses könnte auch gemeinsam mit internationalen Partnern umgesetzt werden.

Konkrete Stückzahlen, Vertragswerte und Liefertermine für GARMR sind bislang nicht offiziell bekannt gegeben worden.

Neue Drohnenabwehr für deutsche Brigade in Litauen

Besondere Bedeutung hat die geplante Beschaffung für die Panzerbrigade 45 der Bundeswehr, die dauerhaft in Litauen stationiert werden soll.

Der Verband benötigt moderne Schutzsysteme gegen Drohnen, die auf dem heutigen Gefechtsfeld eine immer größere Rolle spielen.

Heeresinspekteur Freuding hatte bereits Anfang Oktober angekündigt, die Brigade möglichst frühzeitig mit einer leistungsfähigen Drohnenabwehr auszustatten.

Die zunächst vorgesehene Lösung soll auch dann weitergenutzt werden können, wenn später zusätzliche Flugabwehrsysteme verfügbar sind.

Die Erfahrungen aus dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine haben gezeigt, wie stark unbemannte Fluggeräte militärische Operationen beeinflussen.

Drohnen werden dort zur Aufklärung, zur Zielerfassung und zum direkten Angriff auf Fahrzeuge, Stellungen und Versorgungseinrichtungen eingesetzt.

Für die Bundeswehr ergibt sich daraus die Notwendigkeit, bewegliche Truppenverbände auch während der Fahrt wirksam schützen zu können.

GARMR kombiniert Radar, Maschinengewehr und Abfangdrohnen

Das neue System GARMR wurde von Diehl Defence im Februar 2026 auf der Rüstungsmesse Enforce Tac in Nürnberg vorgestellt.

Es handelt sich um eine Weiterentwicklung des sogenannten Kinetic Defence Vehicle, von dem bereits Exemplare an die Ukraine geliefert wurden.

GARMR ist auf einer geländegängigen Fahrzeugplattform aufgebaut und kombiniert verschiedene Technologien zur Erkennung und Bekämpfung feindlicher Drohnen.

Dazu gehören Radarsensoren, eine stabilisierte Waffenstation sowie spezielle Abfangdrohnen.

Die Sensorik kann kleinere Flugobjekte erfassen und deren Bewegungen verfolgen. Softwaregestützte Verfahren helfen bei der Identifizierung und Bewertung möglicher Bedrohungen.

Für die Bekämpfung stehen unterschiedliche Möglichkeiten zur Verfügung.

Ein Maschinengewehr kann Ziele im unmittelbaren Nahbereich bekämpfen. Für größere Entfernungen sieht das System den Einsatz spezieller Abfangdrohnen vor.

Die sogenannte Cicada-Abfangdrohne kann feindliche Fluggeräte entweder durch einen direkten Treffer oder mithilfe eines Fangnetzes unschädlich machen.

Nach Herstellerangaben sind mit der entsprechenden Systemvariante Entfernungen von mehr als fünf Kilometern möglich.

GARMR ist modular aufgebaut. Dadurch sollen künftig auch weitere Abfangdrohnen und unterschiedliche technische Komponenten integriert werden können.

Rheinmetall bleibt wichtiger Partner der Bundeswehr

Die geplante Beschaffung ist auch deshalb bemerkenswert, weil die Bundeswehr bei der mobilen Flugabwehr bereits umfangreich mit Rheinmetall zusammenarbeitet.

Der Düsseldorfer Rüstungskonzern liefert unter anderem den Flugabwehrkanonenpanzer Skyranger 30.

Dieses System soll künftig einen wichtigen Bestandteil der Heeresflugabwehr bilden.

Diehl Defence und Rheinmetall stehen in einzelnen Geschäftsfeldern im Wettbewerb. Gleichzeitig arbeiten beide Unternehmen gemeinsam mit Hensoldt an der Entwicklung des Luftverteidigungssystems für den Nah- und Nächstbereichsschutz.

Die Entscheidung, GARMR in die künftige Ausstattung einzubeziehen, bedeutet deshalb nicht, dass die Bundeswehr Rheinmetall als Lieferanten ablösen will.

Vielmehr sollen verschiedene Systeme mit unterschiedlichen Fähigkeiten einander ergänzen.

Während Skyranger 30 zur Bekämpfung von Luftzielen mit einer Maschinenkanone ausgelegt ist, setzt GARMR auf eine Kombination aus Sensorik, Maschinenwaffen und speziellen Abfangdrohnen.

Bundeswehr baut Heeresflugabwehr wieder auf

Die Neuanschaffungen stehen im Zusammenhang mit dem Wiederaufbau der deutschen Heeresflugabwehr.

Diese Truppengattung war 2012 aufgelöst worden. Teile ihrer Aufgaben und Waffensysteme gingen damals auf die Luftwaffe über.

Angesichts veränderter militärischer Bedrohungen hat die Bundeswehr inzwischen damit begonnen, eigene Flugabwehrfähigkeiten für das Heer wieder aufzubauen.

Ein wichtiger Schritt erfolgte am 14. Oktober 2026 während der Übung Spartan Arrow auf Kreta.

Dort übergab die Luftwaffe das leichte Flugabwehrsystem Ozelot offiziell an das Heer.

Das System soll zunächst Aufgaben im Nahbereichsschutz übernehmen, bis moderne Nachfolgesysteme in größerer Zahl zur Verfügung stehen.

Neben GARMR und Skyranger 30 gehört auch das Flugabwehrsystem IRIS-T zum vorgesehenen Fähigkeitsaufbau.

Die verschiedenen Waffensysteme sollen künftig miteinander vernetzt werden und einen möglichst umfassenden Schutz gegen unterschiedliche Bedrohungen aus der Luft ermöglichen.

Rüstungsindustrie profitiert von wachsender Nachfrage

Die Investitionen in die Drohnenabwehr eröffnen deutschen Rüstungsunternehmen zusätzliche Geschäftsmöglichkeiten.

Diehl Defence gehört bereits zu den wichtigen Herstellern moderner Flugabwehrtechnologie.

Besonders bekannt ist das Unternehmen für das System IRIS-T SLM, das unter anderem von der Ukraine eingesetzt wird.

Anfang Oktober vereinbarte Diehl Defence außerdem mit dem Bundeswehr-Beschaffungsamt die Weiterentwicklung von IRIS-T SLM für die Fregatten der Klasse F125.

Auch Rheinmetall baut seine Aktivitäten im Bereich der Luftverteidigung aus.

Die steigende Bedeutung der Drohnenabwehr führt dazu, dass neben klassischen Flugabwehrkanonen und Lenkflugkörpern zunehmend spezialisierte Abfangdrohnen und elektronische Systeme nachgefragt werden.

Für die Hersteller entsteht damit ein Markt, in dem sowohl die Leistungsfähigkeit als auch die Kosten eines einzelnen Abfangvorgangs eine wichtige Rolle spielen.

Gerade bei vergleichsweise günstigen Angriffsdrohnen ist es wirtschaftlich problematisch, zur Abwehr ausschließlich sehr teure Flugabwehrraketen einzusetzen.

Systeme wie GARMR sollen deshalb zusätzliche Möglichkeiten schaffen, um unterschiedliche Bedrohungen mit jeweils geeigneten Mitteln zu bekämpfen.

Umfang der Bestellung noch offen

Ob und wann die Bundeswehr eine größere Anzahl von GARMR-Systemen verbindlich bestellt, ist derzeit noch offen.

Nach den vorliegenden Berichten soll die erste Beschaffungsphase vor allem der Qualifizierung und Einführung dienen.

Eine spätere Serienbestellung könnte auf einer größeren und stärker geschützten Fahrzeugplattform erfolgen.

Mit der öffentlichen Nennung von GARMR durch den Heeresinspekteur steht jedoch fest, dass das System Bestandteil der künftigen Planungen für die deutsche Heeresflugabwehr ist.

Für Diehl Defence eröffnet sich damit die Aussicht auf zusätzliche Aufträge. Für die Bundeswehr steht die schnelle Verbesserung des Schutzes ihrer Soldaten vor feindlichen Drohnen im Mittelpunkt.