Ueckermünde. Rund 300 Beschäftigte der Eisengießerei Ueckermünde stehen vor einer ungewissen beruflichen Zukunft. Der Eigentümer, die Breyden-Gruppe, hält trotz politischer Gespräche und heftiger Proteste an der Schließung des traditionsreichen Industriestandorts zum Jahresende fest. Für den heutigen Montag, den 19. Oktober 2026, ist eine weitere Mahnwache angekündigt. Betriebsrat, IG Metall und Kommunalpolitik wollen den Kampf um die Arbeitsplätze nicht aufgeben. Doch das Unternehmen sieht für die Produktion in Vorpommern keine wirtschaftlich tragfähige Zukunft mehr.

Unternehmen hält an Schließung fest

Die Entscheidung ist für die Beschäftigten ein schwerer Schlag.

Nach erneuten Gesprächen zwischen der Geschäftsführung, Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschaftsminister Wolfgang Blank und Ueckermündes Bürgermeister Tino Spiegelberg bestätigte die Breyden-Gruppe am Freitag ihre Schließungsabsicht.

Das Werk soll zum Jahresende den Betrieb einstellen.

In der Gießerei werden insbesondere Gussteile für die Automobilindustrie hergestellt. Dazu gehören Komponenten für Fahrzeugbremsen.

Die Geschäftsführung begründet ihre Entscheidung mit anhaltenden wirtschaftlichen Problemen. Nach Angaben des Unternehmens ist die Auslastung seit Jahresbeginn unzureichend.

Versuche, neue Kunden zu gewinnen und die Produktion wirtschaftlich zu stabilisieren, hätten nicht den erforderlichen Erfolg gebracht.

Hohe Kosten und Konkurrenz aus China

Breyden-Geschäftsführer Sebastian Simon verweist auf mehrere Belastungen, die den Standort unter Druck setzen.

Neben hohen Energie- und Personalkosten nennt das Unternehmen eine zunehmende Konkurrenz durch Anbieter aus China.

Hinzu kommen die Transportkosten für Altmetall, das als Rohstoff für die Produktion benötigt wird.

Im Vergleich zum zweiten Gießereistandort der Unternehmensgruppe in Neunkirchen im Saarland seien die Transportwege nach Ueckermünde deutlich länger.

Nach Darstellung der Geschäftsführung würde eine Fortsetzung der bisherigen Produktion deshalb weitere Verluste verursachen.

Diese wirtschaftliche Bewertung wird von Arbeitnehmervertretern und Kommunalpolitikern nicht widerspruchslos hingenommen.

Sie wollen weiterhin prüfen, ob alternative Produktionskonzepte oder andere Betreiber eine Zukunft für das Werk ermöglichen könnten.

Belegschaft will heute erneut protestieren

Für den heutigen Montag wurde eine weitere Mahnwache gegen die geplante Schließung angekündigt.

Damit wollen die Beschäftigten deutlich machen, dass sie die Entscheidung nicht als unausweichlich akzeptieren.

Bereits nach Bekanntgabe der Schließungspläne hatten sich Arbeitnehmer öffentlich gegen das Ende des Standorts gestellt.

Auch Bürgermeister Tino Spiegelberg setzt sich für den Erhalt der industriellen Arbeitsplätze ein.

Gemeinsam mit Fachleuten und Arbeitnehmervertretern soll geprüft werden, ob sich ein tragfähiges Konzept für einen Weiterbetrieb entwickeln lässt.

Ob eine solche Alternative noch realisiert werden kann, ist allerdings offen.

Wirtschaftsminister kritisiert Entscheidung

Mecklenburg-Vorpommerns Wirtschaftsminister Wolfgang Blank hatte sich persönlich in die Gespräche eingeschaltet.

Er machte deutlich, dass die Landesregierung den Erhalt des Standorts unterstützt.

Nach dem erneuten Treffen mit der Geschäftsführung blieb eine Einigung jedoch aus.

Damit stehen nicht nur die Beschäftigten, sondern auch die regionale Wirtschaftspolitik vor einer schwierigen Situation.

Die Landesregierung kann versuchen, Investoren zu gewinnen, wirtschaftliche Alternativen zu prüfen oder den Übergang für betroffene Arbeitnehmer zu begleiten.

Sie kann ein privates Unternehmen jedoch nicht ohne Weiteres verpflichten, einen dauerhaft defizitären Betrieb fortzuführen.

Sozialplanverhandlungen beginnen am Mittwoch

Während der politische Widerstand weitergeht, müssen sich Betriebsrat und Gewerkschaft bereits auf die möglichen Folgen der Werksschließung vorbereiten.

Für Mittwoch, den 21. Oktober, sind Verhandlungen über einen Sozialplan angekündigt.

Dabei geht es unter anderem um finanzielle Ausgleichsregelungen und die Perspektiven der betroffenen Beschäftigten.

Auch die Einrichtung einer Transfergesellschaft steht im Raum. Sie könnte Arbeitnehmer beim Übergang in neue Beschäftigungsverhältnisse unterstützen.

Eine konkrete Einigung liegt bislang nicht vor.

Die IG Metall hatte Beschäftigten bereits geraten, keine vorschnellen Aufhebungsverträge zu unterschreiben.

Nachbarstandort Torgelow bietet Perspektiven

Eine mögliche Beschäftigungsperspektive könnte sich im benachbarten Torgelow ergeben.

Dort betreibt die Silbitz Group ebenfalls eine Eisengießerei.

Das Unternehmen hat signalisiert, Mitarbeiter aus Ueckermünde übernehmen zu wollen.

Der Standort produziert unter anderem Komponenten für Windkraftanlagen sowie Dieselmotoren für Schiffe. Nach Angaben der Geschäftsführung bestehen Aufträge bis 2030.

Ob und wie viele Beschäftigte tatsächlich wechseln könnten, ist bislang nicht geklärt.

Für die Betroffenen wäre eine Weiterbeschäftigung in der Region jedoch besonders wichtig.

Denn ein Arbeitsplatzverlust bedeutet häufig nicht nur den Verlust des bisherigen Einkommens, sondern kann auch lange Arbeitswege, einen Berufswechsel oder einen Umzug erforderlich machen.

Ein weiterer Einschnitt für die Industrie in Vorpommern

Die geplante Schließung der Eisengießerei ist über Ueckermünde hinaus von Bedeutung.

Industrielle Arbeitsplätze sind für strukturschwächere Regionen besonders wichtig. Sie bieten häufig tariflich geregelte Beschäftigung, langfristige berufliche Perspektiven und Aufträge für regionale Dienstleister.

Verschwindet ein größerer Produktionsstandort, gehen deshalb nicht nur unmittelbar Arbeitsplätze verloren.

Auch örtliche Unternehmen und die wirtschaftliche Entwicklung einer Stadt können betroffen sein.

Gerade in Vorpommern ist die Sicherung industrieller Wertschöpfung eine wichtige Voraussetzung dafür, dass junge Fachkräfte langfristig in der Region bleiben.

Kampf um den Standort ist noch nicht beendet

Die Betriebsleitung hat ihre Entscheidung bekräftigt. Die Beschäftigten und ihre Unterstützer wollen dennoch weiter um die Zukunft des Werks kämpfen.

Die für heute angekündigte Mahnwache soll ein weiteres öffentliches Zeichen setzen.

Am Mittwoch rücken dann die konkreten sozialen Folgen in den Mittelpunkt, wenn die Verhandlungen über einen Sozialplan beginnen.

Für rund 300 Menschen geht es um ihre berufliche Existenz. Für Ueckermünde steht zugleich die Frage im Raum, wie viel industrielle Substanz eine Region verlieren kann, bevor der wirtschaftliche Strukturwandel zu einem dauerhaften Rückzug von Arbeitsplätzen wird.