Strausberg. Ein Laserstrahl, wenige Sekunden und eine Drohne stürzt zu Boden: Die Bundeswehr hat am Mittwoch, 14. Oktober 2026, auf dem Flugplatz Strausberg in Brandenburg ein neuartiges System zur Abwehr unbemannter Fluggeräte öffentlich demonstriert. Gemeinsam mit dem niedersächsischen Technologieunternehmen INLEAP Photonics erprobte die Bundeswehr eine Laserwaffe, die kleine Drohnen mithilfe künstlicher Intelligenz erkennt und gezielt bekämpfen kann. Nach Angaben der Bundeswehr war es die erste öffentliche Demonstration dieser Art in Deutschland.
Der Test ist Teil des Innovationsvorhabens „Laserdome“. Hintergrund ist die zunehmende militärische Bedrohung durch Drohnen, die insbesondere im Krieg zwischen Russland und der Ukraine eine zentrale Rolle spielen.
Laser trifft Drohne in rund 500 Metern Entfernung
Bei der Demonstration flog eine Drohne in ungefähr einem halben Kilometer Entfernung vom Lasersystem.
Kameras und Radartechnik überwachten das Fluggerät. Eine künstliche Intelligenz analysierte die erfassten Daten und identifizierte einen geeigneten Angriffspunkt.
Als mögliche Schwachstelle kommt beispielsweise ein Rotorarm infrage. Wird dieser beschädigt, kann die Drohne ihre Flugfähigkeit verlieren.
Die Entscheidung zum Einsatz der Waffe lag dabei weiterhin bei einem Menschen. Erst nachdem ein verantwortlicher Bediener die Freigabe erteilt hatte, wurde der Laser aktiviert.
Der konzentrierte Energiestrahl traf die Drohne. Wenige Sekunden später stürzte das Fluggerät ab.
Der Versuch verdeutlicht, welche Möglichkeiten moderne Laserwaffen bei der Bekämpfung kleiner, unbemannter Fluggeräte bieten können.
Allerdings lässt sich aus einer erfolgreichen Vorführung unter kontrollierten Bedingungen noch nicht ableiten, wie zuverlässig das System in komplexen militärischen Einsatzsituationen funktioniert.
Bundeswehr bereitet sich auf Drohnenschwärme vor
Die militärische Bedeutung solcher Systeme wächst erheblich.
Im Ukrainekrieg werden Drohnen in großer Zahl zur Aufklärung und für Angriffe eingesetzt. Besonders kleine Fluggeräte können erhebliche Schäden verursachen, obwohl ihre Herstellung vergleichsweise wenig kostet.
Für die Streitkräfte entsteht daraus ein wirtschaftliches und militärisches Problem.
Wer kostengünstige Drohnen mit teuren Flugabwehrraketen bekämpft, muss unter Umständen einen erheblich höheren finanziellen Aufwand betreiben als der Angreifer.
Laserwaffen könnten künftig eine Ergänzung zu herkömmlichen Abwehrsystemen darstellen.
Ihr Vorteil liegt darin, dass sie Ziele mithilfe gebündelter Energie bekämpfen und bei entsprechender technischer Auslegung schnell nacheinander auf mehrere Fluggeräte ausgerichtet werden können.
Gerade bei sogenannten Drohnenschwärmen, also mehreren gleichzeitig oder kurz hintereinander angreifenden Drohnen, spielt die Geschwindigkeit der Zielerfassung und Bekämpfung eine entscheidende Rolle.
Ob ein Lasersystem tatsächlich ganze Schwärme unter realistischen Einsatzbedingungen zuverlässig abwehren kann, muss jedoch in weiteren Tests nachgewiesen werden.
Künstliche Intelligenz erkennt mögliche Schwachstellen
Eine Besonderheit des in Strausberg vorgestellten Systems ist die Verbindung klassischer Sensortechnik mit künstlicher Intelligenz.
Radar- und Kamerasysteme erfassen ein mögliches Ziel. Die Software soll anschließend beurteilen, an welcher Stelle ein Laserangriff besonders wirksam sein könnte.
Damit soll die Zeit zwischen Zielerkennung und Bekämpfung möglichst kurz gehalten werden.
Die endgültige Entscheidung über den Waffeneinsatz bleibt nach den Angaben zur Demonstration einem menschlichen Bediener vorbehalten.
Das ist ein wesentlicher Unterschied zwischen einer KI-gestützten Zielerkennung und einem vollständig autonomen Waffensystem.
Für einen tatsächlichen militärischen Einsatz müssen außerdem Sicherheitsfragen berücksichtigt werden. Dazu gehören die Unterscheidung zwischen feindlichen und unbeteiligten Flugobjekten sowie der Schutz des umliegenden Luftraums.
Schutz von Kasernen und Flugplätzen geplant
Die Bundeswehr sieht mögliche Einsatzgebiete zunächst beim Schutz militärischer Einrichtungen und kritischer Infrastruktur.
Dazu zählen Kasernen, Flugplätze und weitere sicherheitsrelevante Anlagen.
Das System ist mobil einsetzbar und könnte deshalb grundsätzlich an unterschiedlichen Standorten verwendet werden.
Perspektivisch kommt auch eine Verwendung in größerer Nähe zum militärischen Gefechtsfeld infrage.
Bis zu einer tatsächlichen Einführung müssen allerdings weitere technische und organisatorische Fragen geklärt werden.
Nach Angaben aus dem Projekt könnte das System theoretisch innerhalb von zwei bis drei Jahren einsatzbereit sein. Voraussetzung dafür sind erfolgreiche weitere Entwicklungsschritte und entsprechende Beschaffungsentscheidungen.
Ein verbindlicher Einführungstermin ergibt sich daraus noch nicht.
Strausberg gewinnt als Standort für Militärtechnologie an Bedeutung
Die Demonstration macht zugleich deutlich, welche Rolle Brandenburg bei der Entwicklung neuer Verteidigungstechnologien spielt.
Der Flugplatz Strausberg bietet Möglichkeiten, innovative Systeme unter realistischen Bedingungen zu erproben.
Hinzu kommt die Zusammenarbeit mit jungen Technologieunternehmen, die neue Lösungen für militärische Herausforderungen entwickeln.
Major Robert Hoffmann, Projektleiter beim Cyber Innovation Hub der Bundeswehr, verwies im Zusammenhang mit dem Test auf die wachsende Bedeutung der Drohnenabwehr.
Die Streitkräfte müssten sich darauf einstellen, künftig mit ganzen Drohnenschwärmen konfrontiert zu werden.
Für Brandenburg könnte sich daraus eine zunehmende Bedeutung als Entwicklungs- und Erprobungsstandort für moderne Sicherheitstechnologie ergeben.
Laserwaffen könnten die Luftverteidigung verändern
Noch befindet sich die Technologie auf dem Weg zu einem möglichen praktischen Einsatz.
Der erfolgreiche Abschuss einer Drohne in Strausberg ist dennoch ein wichtiger Entwicklungsschritt.
Denn die Bundeswehr sucht nach Möglichkeiten, sich gegen eine Bedrohung zu schützen, die sich innerhalb weniger Jahre grundlegend verändert hat.
Kleine Drohnen sind zunehmend leistungsfähig, vergleichsweise preiswert und schwer mit klassischen Luftverteidigungssystemen zu bekämpfen.
Laserwaffen könnten eine zusätzliche Verteidigungsmöglichkeit schaffen. Sie werden herkömmliche Systeme allerdings nicht vollständig ersetzen können.
Reichweite, Sichtbedingungen, Energieversorgung und die zuverlässige Bekämpfung mehrerer Ziele gehören zu den Fragen, die bei der weiteren Entwicklung entscheidend sein werden.
Der Versuch von Strausberg zeigt vor allem eines: Die Bundeswehr arbeitet daran, ihre Drohnenabwehr technologisch grundlegend zu modernisieren. Bis daraus ein einsatzfähiges System wird, sind jedoch weitere Tests notwendig.