Wie sicher ist unsere digitale Gesellschaft noch? Mit dieser Frage beschäftigte sich die 15. IT-Sicherheitskonferenz der Hochschule Stralsund. Rund 350 Teilnehmer aus IT-Branche, Wissenschaft, Justiz und Verwaltung kamen vom 29. September bis 1. Oktober auf dem Campus zusammen oder verfolgten die Veranstaltung online.
Mehr als 20 Fachvorträge, eine Paneldiskussion und zahlreiche Gesprächsformate widmeten sich aktuellen Bedrohungen und neuen Entwicklungen in der IT-Sicherheit. Ein Schwerpunkt lag auf der Rolle Künstlicher Intelligenz.
KI senkt die Hürden für Cyberangriffe
Moderne Sprachmodelle und agentische KI-Systeme verändern nach Einschätzung der Fachleute die Cybersecurity grundlegend.
Prof. Dr. Andreas Noack von der Hochschule Stralsund weist darauf hin, dass selbst Menschen ohne tiefgehende Fachkenntnisse inzwischen leichter Zugang zu komplexen Themen der IT-Sicherheit erhalten. Gleichzeitig könnten moderne Systeme Angriffe automatisieren und dadurch die Qualität und Zahl von Cyberattacken erhöhen.
Die Entwicklung stellt Unternehmen, Behörden und Sicherheitsorganisationen vor neue Herausforderungen.
Digitale Souveränität im Mittelpunkt
Neben KI gehörte die digitale Souveränität zu den zentralen Themen der Konferenz.
Diskutiert wurde unter anderem, wie Behörden ihre IT-Infrastruktur unabhängiger und sicherer gestalten können und welche Rolle Datenschutz, Cloud-Lösungen und eigene digitale Kompetenzen dabei spielen.
Auch Fragen rund um sichere Netze und die Widerstandsfähigkeit kritischer digitaler Strukturen standen im Mittelpunkt.
Konkrete Fälle aus der Praxis
Mehrere Vorträge beschäftigten sich mit realen Angriffsszenarien.
Dabei ging es unter anderem um die kriminalistische Analyse digitaler Erpressung, die Erkennung von Gegenobservation, Angriffsmöglichkeiten auf Unternehmensnetzwerke und den Einsatz von Open-Source-Informationen bei der Schwachstellenanalyse.
Weitere Themen waren Passkeys, Vulnerability Management und integrierte Sicherheitsmanagementsysteme.
NIS2 und neue Regeln für Unternehmen
Auch rechtliche Fragen spielten eine wichtige Rolle.
Fachleute diskutierten unter anderem über die europäische NIS2-Regulierung und ihre Folgen für Dienstleister und deren Kunden.
Gerade mittelständische Unternehmen stehen dabei vor neuen Anforderungen. Mit zunehmender Digitalisierung wachsen auch die Risiken und der Bedarf an professioneller IT-Sicherheit.
Austausch über Branchengrenzen hinweg
Neben den Fachvorträgen setzte die Konferenz bewusst auf persönliche Vernetzung.
Teilnehmer aus Wissenschaft, Verwaltung und Wirtschaft kamen bei gemeinsamen Abendveranstaltungen und längeren Pausen miteinander ins Gespräch.
Gerade dieser direkte Austausch wurde von vielen Teilnehmern als wichtiger Teil der Veranstaltung bewertet.
Konferenz soll auch 2027 fortgesetzt werden
Veranstaltet wurde die IT-Sicherheitskonferenz von der Hochschule Stralsund, dem Mittelstand-Digital Zentrum Rostock und Sund-Xplosion.
Durch die Unterstützung des Mittelstand-Digital Zentrums konnte auf Eintrittsgelder verzichtet werden. Damit sollte insbesondere auch kleinen und mittleren Unternehmen der Zugang ermöglicht werden.
Auch im kommenden Jahr soll die IT-Sicherheitskonferenz wieder auf dem Campus der Hochschule Stralsund stattfinden.