Bei einem Herzinfarkt entscheidet nicht allein moderne Technik über die Überlebenschancen. Ärzte und Pflegekräfte müssen Befunde innerhalb kürzester Zeit beurteilen, eingespielte Abläufe beherrschen und auch unter größtem Druck die richtigen Entscheidungen treffen. Genau solche Spezialisten können künftig offiziell in Senftenberg ausgebildet werden.
Fachgesellschaft erkennt Klinik als Ausbildungsstätte an
Die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie hat die Klinik für Kardiologie und Rhythmologie der Sana Kliniken Niederlausitz als Stätte der Zusatzqualifikation Interventionelle Kardiologie anerkannt. Die Auszeichnung bestätigt nach Angaben des Krankenhauses eine Ausbildung, die am Standort bereits seit mehr als zwei Jahren nach den Vorgaben der Fachgesellschaft angeboten wird.
Damit können erfahrene Kardiologen in Senftenberg zusätzliche Kenntnisse und praktische Fähigkeiten für anspruchsvolle Eingriffe im Herzkatheterlabor erwerben. Die Anerkennung setzt eine geeignete technische Ausstattung, erfahrene Ausbilder und ein ausreichend breites Spektrum an Untersuchungen und Behandlungen voraus.
Mit einem Katheter bis zum Herzen
Bei der interventionellen Kardiologie werden Erkrankungen des Herzens mit möglichst schonenden Katheterverfahren untersucht und behandelt. Ein dünner Katheter wird über ein Blutgefäß am Handgelenk oder in der Leiste bis zum Herzen geführt.
Auf diese Weise können Ärzte verengte oder verschlossene Herzkranzgefäße sichtbar machen. Engstellen lassen sich mit einem Ballon erweitern und bei Bedarf mit einer Gefäßstütze, einem sogenannten Stent, offenhalten. Gerade bei einem akuten Herzinfarkt kann eine schnelle Wiedereröffnung des Gefäßes entscheidend sein, weil dadurch mehr Herzmuskel erhalten werden kann.
Ausbildung dauert mindestens zwei Jahre
Die Zusatzqualifikation richtet sich nicht an Berufsanfänger. Nach den Vorgaben der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie müssen die Teilnehmer bereits mindestens drei Jahre Erfahrung in der Inneren Medizin und Kardiologie besitzen.
Anschließend folgt eine insgesamt 24 Monate dauernde Qualifikation mit überwiegender Tätigkeit im Herzkatheterlabor. Die Ausbildung ist in vier aufeinander aufbauende Stufen gegliedert und verbindet theoretische Kenntnisse mit zahlreichen praktischen Eingriffen.
Die angehenden Spezialisten lernen dabei unter anderem, Herzkatheteruntersuchungen selbstständig durchzuführen, Gefäßverengungen zu beurteilen und auch komplizierte Veränderungen der Herzkranzgefäße zu behandeln.
Herzkatheterlabor rund um die Uhr einsatzbereit
Das Senftenberger Herzkatheterlabor verfügt seit August 2022 über eine Rufbereitschaft an allen Tagen des Jahres. Patienten mit einem akuten Herzinfarkt oder anderen bedrohlichen Herzerkrankungen können dadurch unabhängig von Tageszeit und Wochentag behandelt werden.
Nach Angaben der Klinik werden jährlich mehr als 5.000 stationäre Patienten in der Kardiologie versorgt. Neben der neuen Anerkennung für interventionelle Kardiologie ist die Abteilung bereits als Ausbildungsstätte für die Behandlung komplexer Herzrhythmusstörungen anerkannt.
Rettungskette beginnt vor dem Krankenhaus
Bei einem schweren Herznotfall beginnt die Versorgung häufig bereits im Rettungswagen oder Rettungshubschrauber. Noch während ein Patient nach Senftenberg gebracht wird, können sich Notaufnahme, Herzkatheterlabor und Intensivstation auf die Behandlung vorbereiten.
Im Krankenhaus folgen erste Diagnostik, Stabilisierung und bei Bedarf der sofortige Eingriff. Anschließend werden schwer erkrankte Patienten intensivmedizinisch überwacht. Ist eine Operation oder eine weiterführende Spezialbehandlung notwendig, arbeitet die Klinik eng mit dem Sana-Herzzentrum Cottbus zusammen.
Ausbildung soll Fachkräfte in der Region halten
Die Anerkennung besitzt auch für die medizinische Versorgung im ländlich geprägten Südbrandenburg Bedeutung. Hoch spezialisierte Ärzte werden bundesweit gesucht. Kliniken, die attraktive Qualifikationsmöglichkeiten anbieten, können Nachwuchsmediziner leichter gewinnen und langfristig an die Region binden.
Die Sana Kliniken sehen die Auszeichnung deshalb nicht nur als Bestätigung ihrer bisherigen Arbeit. Sie soll dazu beitragen, dass auch künftig ausreichend Spezialisten für Herzinfarkte, Gefäßerkrankungen und andere schwere Herzprobleme in der Niederlausitz zur Verfügung stehen.
Quellen
• Sana Kliniken Niederlausitz: „Wenn jede Minute zählt, zählt Können“, 3. August 2026
• Deutsche Gesellschaft für Kardiologie: Zusatzqualifikation Interventionelle Kardiologie, abgerufen am 3. August 2026
• Deutsche Gesellschaft für Kardiologie: Curriculum Interventionelle Kardiologie
• Sana Kliniken Niederlausitz: Entwicklung der 24-Stunden-Versorgung im Herzkatheterlabor