Schwerin. Mecklenburg-Vorpommern steht vor dem Beginn einer politisch ungewöhnlichen Legislaturperiode. Am Dienstag, dem 20. Oktober 2026, kommt der neu gewählte Landtag um 14 Uhr im Schweriner Schloss zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen. Erstmals ist die AfD mit 32 von 71 Mandaten stärkste parlamentarische Kraft. Dennoch verfügen SPD, Linke und Grüne gemeinsam über eine Mehrheit und verhandeln über eine neue Landesregierung unter Ministerpräsidentin Manuela Schwesig.

AfD gewinnt Wahl – hat aber keine Regierungsmehrheit

Die Landtagswahl vom 20. September hat die politischen Verhältnisse in Mecklenburg-Vorpommern grundlegend verändert.

Mit 38,2 Prozent der Zweitstimmen wurde die AfD stärkste Partei. Sie verfügt künftig über 32 Sitze im Landtag.

Die SPD erreichte 35,5 Prozent und erhält 29 Mandate. Die Linke und Bündnis 90/Die Grünen kommen auf jeweils fünf Sitze.

CDU und FDP schafften den Einzug ins Parlament nicht. Die Union scheiterte mit 4,9 Prozent knapp an der Fünfprozenthürde.

SPD, Linke und Grüne verfügen gemeinsam über 39 der 71 Mandate. Für eine absolute Mehrheit sind 36 Sitze erforderlich.

Streit um das Amt des Landtagspräsidenten

Bereits bei der ersten Sitzung steht eine wichtige Personalentscheidung an.

Die AfD beansprucht als stärkste Fraktion das Amt des Landtagspräsidenten. Sie hat dafür Carlos Rodrigues vorgeschlagen.

Die SPD unterstützt dagegen die bisherige Landtagspräsidentin Birgit Hesse.

Nach parlamentarischer Tradition kommt das Vorschlagsrecht häufig der stärksten Fraktion zu. Daraus ergibt sich jedoch kein automatischer Anspruch auf die Wahl des eigenen Kandidaten.

Entscheidend ist die Mehrheit im Parlament.

Streit um Redezeiten und parlamentarische Regeln

Neben den Personalfragen sorgen geplante Änderungen der Geschäftsordnung für Auseinandersetzungen.

SPD, Linke und Grüne wollen die parlamentarischen Verfahren neu regeln. Dabei geht es unter anderem um Redezeiten und Ordnungsmaßnahmen.

Die AfD kritisiert die Vorschläge und sieht sich als einzige Oppositionsfraktion benachteiligt.

Die künftigen Koalitionsparteien betonen dagegen die Notwendigkeit eines geordneten und arbeitsfähigen Parlaments.

Schwesig verhandelt über Rot-Rot-Grün

Während die parlamentarische Arbeit beginnt, laufen die Gespräche über eine neue Landesregierung.

Ministerpräsidentin Manuela Schwesig will die Zusammenarbeit ihrer SPD mit der Linken fortsetzen und um die Grünen erweitern.

Im Mittelpunkt stehen die angespannte Finanzlage des Landes, die Modernisierung der Verwaltung und die wirtschaftliche Entwicklung.

Auch Investitionen in bezahlbares Wohnen, Digitalisierung und Zukunftstechnologien werden diskutiert.

Noch liegt kein vollständiger Koalitionsvertrag vor.

Neue Wahlperiode beginnt

Mit der konstituierenden Sitzung nimmt der neunte Landtag Mecklenburg-Vorpommerns offiziell seine Arbeit auf.

Am Nachmittag stehen die Wahl des Präsidiums und grundlegende organisatorische Entscheidungen an.

Die Wahl der Ministerpräsidentin beziehungsweise des Ministerpräsidenten erfolgt erst im weiteren Verlauf der Regierungsbildung.

Besonders die Besetzung des Landtagspräsidiums wird zeigen, wie die neuen parlamentarischen Mehrheitsverhältnisse erstmals praktisch wirken. Bild & Einordnung

• Titelbild: Plenarsaal des Landtags Mecklenburg-Vorpommern • Alt-Text: Plenarsaal des Schweriner Landtags vor der konstituierenden Sitzung am 20. Oktober 2026. • Fotonachweis: Landtag Mecklenburg-Vorpommern