Rudolstadt. Glitzernde Kostüme, mitreißende Musik und ausgelassene Nächte – doch hinter der schillernden Fassade wächst eine politische Bedrohung. Mit dem weltberühmten Musical „Cabaret“ bringt das Schiller-Theater Rudolstadt eines der eindringlichsten Bühnenwerke über die letzten Jahre der Weimarer Republik auf die Bühne. Am Samstag, 14. November 2026, feiert die Neuinszenierung um 19.30 Uhr im Großen Haus Premiere. Die Nachfrage ist bereits so groß, dass die Premierenvorstellung ausverkauft ist.

Die Inszenierung verbindet Schauspiel, Live-Orchester und Tanz. Gemeinsam mit den Thüringer Symphonikern und dem Thüringer Folklore Tanzensemble entsteht eine Bühnenwelt, in der ausgelassene Unterhaltung und die zunehmende politische Radikalisierung im Deutschland der frühen 1930er-Jahre unmittelbar aufeinandertreffen.

Ein Nachtclub zwischen Lebenslust und politischem Abgrund

Schauplatz der Handlung ist das Berlin der frühen 1930er-Jahre. Während sich die gesellschaftlichen Spannungen verschärfen und der Nationalsozialismus an Einfluss gewinnt, wird im legendären Kit Kat Klub weiter gefeiert.

Im Mittelpunkt steht die Sängerin Sally Bowles, die mit ihren Auftritten das Publikum begeistert. Der Nachtclub ist für sie ein Ort der Freiheit, des Vergnügens und der vermeintlichen Unbeschwertheit.

In diese Welt gerät der junge amerikanische Schriftsteller Clifford Bradshaw. Er kommt nach Berlin, um Material für einen Roman zu sammeln, und begegnet Sally Bowles. Aus der anfänglichen Faszination entwickelt sich eine Liebesbeziehung.

Als Sally wegen finanzieller Schwierigkeiten bei Clifford einzieht, versuchen beide, sich ein gemeinsames Leben aufzubauen. Doch die politische Wirklichkeit dringt zunehmend in ihren Alltag ein.

Sally wird schwanger. Plötzlich stehen Fragen nach Verantwortung, Zukunft und persönlicher Freiheit im Raum. Während das Paar nach Antworten sucht, verändert sich die Gesellschaft um sie herum dramatisch.

Die Geschichte zeigt, wie Menschen versuchen, ihre privaten Hoffnungen zu bewahren, während die politischen Verhältnisse immer bedrohlicher werden.

Weltberühmtes Musical mit historischem Hintergrund

Die Handlung von „Cabaret“ geht auf literarische Erinnerungen des britisch-amerikanischen Schriftstellers Christopher Isherwood zurück.

Isherwood lebte von 1929 bis 1933 in Berlin und hielt seine Erfahrungen später in Erzählungen fest, die unter dem Titel „Goodbye to Berlin“ bekannt wurden.

Diese Texte bildeten gemeinsam mit John van Drutens Theaterstück „Ich bin eine Kamera“ die Grundlage für das Musical, dessen Buch Joe Masteroff schrieb. Die Musik stammt von John Kander, die Gesangstexte von Fred Ebb.

1966 wurde „Cabaret“ erstmals am Broadway in New York aufgeführt. Das Werk entwickelte sich zu einem internationalen Erfolg.

Zu den bekanntesten Liedern gehören „Willkommen“, „Money, Money“ und „Maybe This Time“.

Zusätzliche Bekanntheit erlangte das Musical durch die Verfilmung von 1972 mit Liza Minnelli in der Hauptrolle.

Bis heute zählt „Cabaret“ zu den bedeutendsten Musicals des 20. Jahrhunderts. Seine besondere Wirkung entsteht aus dem Gegensatz zwischen unterhaltsamer Bühnenshow und gesellschaftlicher Katastrophe.

Die ausgelassene Atmosphäre des Nachtclubs steht dabei sinnbildlich für eine Gesellschaft, die ihre politischen Gefahren lange nicht wahrhaben möchte.

Schauspiel, Orchester und Tanz arbeiten gemeinsam

Für die Rudolstädter Neuinszenierung kommen mehrere künstlerische Bereiche zusammen.

Die Thüringer Symphoniker übernehmen die musikalische Begleitung. Gespielt wird die reduzierte Orchesterfassung von Chris Walker.

Das Thüringer Folklore Tanzensemble Rudolstadt gestaltet mit seinen Tänzerinnen und Tänzern die Bühnenwelt des Kit Kat Klubs.

Die Regie übernimmt Matthias Straub, der zuvor als Schauspieldirektor am Landestheater Coburg mit Musicalinszenierungen erfolgreich war.

Für die musikalische Leitung und Einstudierung ist Yonatan Cohen verantwortlich. Er war zuletzt als Kapellmeister am Theater Halle tätig.

Bühnenbild und Kostüme gestaltet Robert Schrag. Die Choreografie entwickelt Enrico Paglialunga, der unter anderem für die international bekannte Fernsehserie „Babylon Berlin“ gearbeitet hat.

Die Dramaturgie liegt bei Michael Kliefert und Josephine Tietze.

Durch die Zusammenarbeit verschiedener künstlerischer Sparten soll die Atmosphäre des Berliner Nachtlebens mit Musik, Bewegung und Schauspiel auf die Bühne gebracht werden.

Johanna Greff spielt Sally Bowles

Die zentrale Rolle der Nachtclubsängerin Sally Bowles übernimmt Johanna Greff.

An ihrer Seite spielt Johannes Geißer den amerikanischen Schriftsteller Clifford Bradshaw.

Als Conférencier führt Anne Kies durch die Welt des Kit Kat Klubs. Die Figur gehört zu den prägendsten Elementen des Musicals und verbindet die schillernde Unterhaltung mit den zunehmend bedrohlichen politischen Entwicklungen.

Weitere Rollen übernehmen Ulrike Gronow als Fräulein Schneider und Markus Seidensticker als Herr Schultz.

Marcus Ostberg ist als Ernst Ludwig zu erleben.

Laura Bettinger, Klaudia Raabe, Aron Torka und Franz Gnauck ergänzen das Ensemble in mehreren Rollen.

Gemeinsam mit den Tänzerinnen und Tänzern des Thüringer Folklore Tanzensembles entsteht eine Inszenierung, die das Lebensgefühl der damaligen Zeit ebenso zeigen soll wie die gesellschaftlichen Widersprüche.

Warum „Cabaret“ bis heute aktuell geblieben ist

Obwohl die Geschichte fast hundert Jahre zurückliegt, besitzt das Musical weiterhin eine politische Dimension.

Im Mittelpunkt steht nicht allein der Aufstieg des Nationalsozialismus. Das Stück fragt auch danach, wie Menschen auf gesellschaftliche Veränderungen reagieren und weshalb politische Radikalisierung zunächst verdrängt oder unterschätzt werden kann.

Der Kit Kat Klub wird zum Sinnbild einer Welt, die ihre Lebensfreude bewahren möchte, während demokratische Strukturen zunehmend unter Druck geraten.

Gerade diese Verbindung aus Unterhaltung und historischer Auseinandersetzung macht den besonderen Charakter des Werks aus.

Das Publikum erlebt einerseits eine musikalische Bühnenshow mit bekannten Liedern und aufwendigen Tanzszenen. Andererseits entwickelt sich im Hintergrund eine Geschichte über Angst, Anpassung und die Folgen politischer Gleichgültigkeit.

Die Rudolstädter Aufführung greift diese Gegensätze auf und bringt damit einen Stoff auf die Bühne, dessen gesellschaftliche Fragen bis in die Gegenwart reichen.

Premiere ausverkauft – weitere Vorstellungen im November und Dezember

Die Premiere von „Cabaret“ am Samstag, 14. November 2026, um 19.30 Uhr im Großen Haus des Schiller-Theaters Rudolstadt ist bereits ausverkauft.

Für weitere Aufführungen sind nach Angaben des Theaters noch Karten erhältlich.

Die nächsten Vorstellungen finden am 17. November um 15 Uhr und am 21. November um 19.30 Uhr statt.

Weitere Termine sind für den 10. und 12. Dezember vorgesehen, jeweils um 19.30 Uhr.

Eintrittskarten gibt es über die üblichen Vorverkaufsstellen des Theaters, die Theaterkasse in der KulTourDiele sowie über die Internetseite des Schiller-Theaters.

Telefonische Auskünfte zum Kartenverkauf sind unter 03672 4501000 erhältlich.

Mit „Cabaret“ präsentiert das Schiller-Theater eine Produktion, die große Musicalunterhaltung mit einem ernsten historischen Stoff verbindet. Zwischen Musik, Tanz und schillernden Bühnenbildern erzählt das Werk von einer Gesellschaft, die sich auf eine Katastrophe zubewegt – und von Menschen, die dennoch versuchen, ihr persönliches Glück zu finden.