Ein Drohnenabsturz mitten in einem ausverkauften Konzert, Rauchentwicklung, panische Menschen und Dutzende Verletzte: Was am Samstag, 10. Oktober, rund um das Rostocker Ostseestadion geschah, war zum Glück kein echter Katastrophenfall. Doch für rund 400 Beteiligte wurde das Szenario zu einer anspruchsvollen Bewährungsprobe.

Gemeinsam trainierten die Universitätsmedizin Rostock, die Medical Task Force Mecklenburg-Vorpommern und weitere Rettungs- und Katastrophenschutzeinheiten die Versorgung von etwa 70 simulierten Verletzten. Erstmals wurde im Land eine medizinische Rettungskette dieser Größenordnung vom Unglücksort über einen Behandlungsplatz bis zur klinischen Aufnahme und Weiterbehandlung erprobt.

Drohnenabsturz vor 30.000 Konzertbesuchern

Das Übungsszenario war bewusst dramatisch gewählt: Im Ostseestadion findet ein ausverkauftes Open-Air-Konzert mit 30.000 Besuchern statt. Plötzlich stürzt eine Drohne unbekannter Ursache ab.

Rauch breitet sich aus. Unter den Konzertbesuchern entsteht Verunsicherung, Menschen drängen durcheinander. Innerhalb kürzester Zeit müssen zahlreiche Verletzte medizinisch versorgt werden.

Die Einsatzkräfte hatten es mit unterschiedlichen Verletzungsbildern zu tun. Simuliert wurden unter anderem Rauchgasbelastungen der Atemwege, chirurgische Verletzungen, internistische Notfälle und akute psychische Belastungsreaktionen.

Damit ging es nicht allein um die schnelle Behandlung einzelner Patienten. Die Helfer mussten unter hohem Zeitdruck entscheiden, wer zuerst versorgt werden musste und welche Patienten besonders dringend in ein Krankenhaus transportiert werden sollten.

Behandlungsplatz für 50 Patienten aufgebaut

Eine zentrale Rolle übernahm die Medical Task Force, eine für größere Schadenslagen vorgesehene Zivilschutzeinheit.

Ihre Einsatzkräfte errichteten unter Zeitdruck einen Behandlungsplatz für 50 Patienten. Dort wurden die eintreffenden Verletzten gesichtet, medizinisch versorgt und für den Weitertransport vorbereitet.

Bei der sogenannten Triage legten die Helfer anhand des medizinischen Zustands fest, welche Patienten besonders dringend behandelt werden mussten.

Parallel dazu organisierten die Einsatzkräfte den Transport in die Universitätsmedizin Rostock. Die Patienten mussten angemeldet, die verfügbaren Kapazitäten abgestimmt und die notwendigen Informationen an die Klinik weitergegeben werden.

Auch Personenauskunftsstellen verschiedener Katastrophenschutzeinheiten waren eingebunden. Sie unterstützten die Erfassung von Einsatzkräften und Betroffenen.

Universitätsmedizin löst Krankenhausalarm aus

Während am Ostseestadion die Erstversorgung lief, begann in der Universitätsmedizin Rostock ein weiterer entscheidender Teil der Übung.

Die Klinik aktivierte ihren Krankenhausalarm- und Einsatzplan. Zusätzliches Personal wurde alarmiert und die Versorgung der eintreffenden Patienten vorbereitet.

Nach der Ankunft erfolgte eine erneute medizinische Sichtung. Anschließend wurden die Verletzten entsprechend ihrer Behandlungsbedürftigkeit auf verschiedene Bereiche der Klinik und die vorgesehenen Operationssäle verteilt.

Auch die Betreuung von Angehörigen und die Auskunft über vermisste Personen gehörten zum Übungsszenario.

Eine besondere Herausforderung bestand darin, dass der reguläre Krankenhausbetrieb während der gesamten Großübung weiterlief.

„Solche Übungen ermöglichen es uns, unsere Alarmierungs- und Behandlungsprozesse unter realitätsnahen Bedingungen zu überprüfen und weiterzuentwickeln“, erklärte Dr. Christiane Stehle, Vorstandsvorsitzende und Ärztliche Vorständin der Universitätsmedizin Rostock.

Als universitärer Maximalversorger trage die Einrichtung eine besondere Verantwortung bei der Behandlung schwer verletzter Menschen in Mecklenburg-Vorpommern.

400 Beteiligte müssen zusammenarbeiten

An der Übung waren neben der Universitätsmedizin Rostock und dem DRK-Landesverband Mecklenburg-Vorpommern auch der Landkreis Rostock mit seinem Rettungsdienst sowie der F.C. Hansa Rostock beteiligt.

Die logistische Unterstützung übernahm der Landkreis Rostock.

Werner Kuhn, Präsident des DRK-Landesverbands Mecklenburg-Vorpommern, verwies auf die besonderen Anforderungen an die ehrenamtlichen Einsatzkräfte.

„Unsere ehrenamtlichen Einsatzkräfte müssen unter hoher Belastung schnell entscheiden und verlässlich zusammenarbeiten“, sagte Kuhn.

Besonders wichtig sei das Zusammenspiel zwischen der medizinischen Versorgung am Einsatzort und der anschließenden Behandlung im Krankenhaus gewesen.

Für die Medical Task Force bot die Übung die Möglichkeit, unter realitätsnahen Bedingungen mit den eigenen Fahrzeugen, dem vorhandenen Material und den vorgesehenen Einsatzstrukturen zu trainieren.

Staatssekretäre betonen Bedeutung des Katastrophenschutzes

Auch die Landesregierung begleitete die Großübung.

Sylvia Grimm, Staatssekretärin im Ministerium für Soziales, Gesundheit und Sport Mecklenburg-Vorpommern, verwies auf die außergewöhnliche Belastung, die ein Massenanfall von Verletzten für das Gesundheitssystem bedeutet.

Entscheidend seien leistungsfähige Krankenhausstrukturen, ausreichend qualifiziertes Personal und eingespielte Abläufe.

Dr. Christian Frenzel, Staatssekretär im Innenministerium, hob insbesondere die Zusammenarbeit zwischen Katastrophenschutz und Klinik hervor.

Bei einer größeren Schadenslage müssten alle Organisationen auf abgestimmte Meldewege und eindeutige Zuständigkeiten zurückgreifen können.

Ob diese Zusammenarbeit funktioniere, lasse sich nicht allein anhand theoretischer Einsatzpläne beurteilen. Erst unter realistischen Bedingungen werde deutlich, ob Alarmierung, Kommunikation und Patientenübergaben auch unter Zeitdruck reibungslos ablaufen.

Erste Bilanz positiv – detaillierte Auswertung folgt

Nach Abschluss der Übung zog die Übungsleitung eine zunächst positive Bilanz.

Die beteiligten Organisationen konnten ihre Zusammenarbeit intensivieren und die einzelnen Schritte der medizinischen Versorgung unter realistischen Bedingungen durchspielen.

Eine abschließende Bewertung liegt allerdings noch nicht vor.

In den kommenden Wochen sollen die Erfahrungen sämtlicher Beteiligter zusammengetragen und die verschiedenen Übungsabschnitte systematisch ausgewertet werden. Dabei wird sich zeigen, an welchen Stellen Abläufe weiter verbessert werden können.

Die Rostocker Großübung verdeutlicht, wie viele verschiedene Einrichtungen bei einem größeren Unglück ineinandergreifen müssen – von den ersten Rettungskräften über den Katastrophenschutz bis zum Operationssaal.

Der simulierte Drohnenabsturz war dabei lediglich das Ausgangsszenario. Die eigentliche Herausforderung bestand darin, innerhalb kürzester Zeit zahlreiche Verletzte zu erfassen, medizinisch zu versorgen und sicher in die weitere Behandlung zu bringen.

Am Ende blieb es bei einer Übung. Doch die gewonnenen Erfahrungen sollen dazu beitragen, dass Rettungsdienst, Katastrophenschutz und Krankenhäuser bei einem tatsächlichen Großschadensereignis besser vorbereitet sind.