Rostock. Schwarze Schornsteinfegeruniformen, pinke Schleifen und eine Botschaft, die Leben retten kann: Am Donnerstag, 15. Oktober 2026, haben Schornsteinfegerinnen und Schornsteinfeger aus Mecklenburg-Vorpommern gemeinsam mit dem Klinikum Südstadt Rostock ein besonderes Zeichen gegen Brustkrebs gesetzt. Mit ihrer Aktion „Schwarz trifft Pink“ machten sie auf die Bedeutung der Früherkennung, moderner Behandlungsmöglichkeiten und einer qualifizierten Nachsorge aufmerksam. Dabei ging es nicht nur um medizinische Informationen, sondern auch darum, betroffenen Frauen Mut zu machen.
Der Besuch fiel bewusst auf den bundesweiten Tag des Schornsteinfegers. Die traditionellen Glücksbringer nutzten diesen Anlass, um Patientinnen und Mitarbeitenden des Klinikums kleine Glücksgrüße zu überbringen und gleichzeitig auf eine Erkrankung aufmerksam zu machen, die jedes Jahr Zehntausende Menschen in Deutschland betrifft.
Rund 70.000 Frauen erkranken jährlich an Brustkrebs
Brustkrebs ist die mit Abstand häufigste Krebserkrankung bei Frauen in Deutschland. Jährlich erhalten nach den Angaben des Klinikums rund 70.000 Frauen und etwa 700 Männer diese Diagnose.
Statistisch gesehen erkrankt etwa jede achte Frau im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs.
Hinter diesen Zahlen stehen Menschen, deren Leben sich durch die Diagnose häufig grundlegend verändert. Neben den medizinischen Herausforderungen kommen Ängste um die eigene Zukunft, Fragen zur Behandlung und Sorgen innerhalb der Familie hinzu.
Der internationale Brustkrebsmonat Oktober, auch als Pinktober bekannt, soll deshalb das Bewusstsein für die Erkrankung stärken.
Im Mittelpunkt stehen dabei die Möglichkeiten der Früherkennung, die Fortschritte in der modernen Brustkrebstherapie und die Bedeutung einer kontinuierlichen medizinischen Betreuung.
Mit der Aktion am Klinikum Südstadt wollten die Beteiligten diese Themen auf eine besondere und öffentlichkeitswirksame Weise vermitteln.
Persönliche Erfahrung gab den Anstoß zur Aktion
Die Idee zu „Schwarz trifft Pink“ stammt von Dörte Fitzer-Siggelkow, einer Mitarbeiterin des Klinikums Südstadt Rostock.
Als Ehefrau eines Schornsteinfegermeisters ist sie mit der traditionellen Bedeutung des Berufs als Glücksbringer vertraut.
Doch erst durch ihre eigene Brustkrebserkrankung erhielt dieses Symbol für sie eine ganz persönliche Bedeutung.
Aus ihren Erfahrungen entstand der Wunsch, anderen betroffenen Frauen Hoffnung zu vermitteln und zugleich an die Verantwortung für die eigene Gesundheit zu erinnern.
„Eine Brustkrebsdiagnose verändert das Leben von einem Moment auf den anderen“, berichtet Fitzer-Siggelkow.
Sie wisse aus eigener Erfahrung, wie wichtig es sei, körperliche Veränderungen ernst zu nehmen, medizinische Untersuchungen wahrzunehmen und sich auf eine qualifizierte Behandlung verlassen zu können.
Mit der gemeinsamen Aktion wolle sie zeigen, dass Frauen mit ihrer Erkrankung nicht allein seien.
„Glück kann man immer gebrauchen – aber genauso wichtig sind Früherkennung, eine gute Behandlung in einem zertifizierten Brustzentrum und eine fachgerechte Nachsorge“, betont sie.
Schornsteinfeger bringen Glücksgrüße ins Klinikum
Am Donnerstagvormittag bestimmten Schwarz und Pink das Bild am Klinikum Südstadt Rostock.
Schornsteinfegerinnen und Schornsteinfeger aus der Region kamen gemeinsam mit Beschäftigten des Krankenhauses zusammen, um auf Brustkrebs und die Bedeutung der Vorsorge aufmerksam zu machen.
Anschließend besuchten einige der traditionellen Glücksbringer Patientinnen und Mitarbeitende und überbrachten kleine Glücksgrüße.
Enrico Medved, Schornsteinfegermeister und Presse- und Öffentlichkeitsbeauftragter der Berufsinnung in Mecklenburg-Vorpommern, sieht darin eine besondere Verbindung zwischen Tradition und gesellschaftlichem Engagement.
„Schornsteinfeger gelten seit Jahrhunderten als Glücksbringer. Mit unserem Besuch möchten wir den Patientinnen und dem Klinikteam ein Lächeln schenken und zugleich auf ein Thema aufmerksam machen, das uns alle angeht“, erklärt Medved.
Die rosa Schleife sei weltweit ein Zeichen der Solidarität mit Brustkrebserkrankten und ihren Angehörigen.
Gemeinsam mit der schwarzen Berufskleidung der Schornsteinfeger entstehe daraus ein weithin sichtbares Symbol.
Die Botschaft dahinter sei eindeutig: Hoffnung und Glück seien wertvoll, könnten medizinische Untersuchungen und eine fachgerechte Behandlung jedoch nicht ersetzen.
Früherkennung kann die Heilungschancen verbessern
Brustkrebs ist bei frühzeitiger Diagnose heute in vielen Fällen heilbar.
Entscheidend sind unter anderem das Stadium der Erkrankung, die biologischen Eigenschaften des Tumors und die Möglichkeiten einer individuell abgestimmten Therapie.
Um eine Erkrankung möglichst früh zu erkennen, stehen in Deutschland verschiedene Untersuchungsangebote zur Verfügung.
Frauen ab 30 Jahren haben Anspruch auf eine jährliche ärztliche Tastuntersuchung der Brust und der Achselhöhlen.
Frauen zwischen 50 und 75 Jahren werden alle zwei Jahre zum Mammographie-Screening eingeladen.
Die Röntgenuntersuchung soll Veränderungen erkennen, die möglicherweise noch nicht tastbar sind.
Auch die regelmäßige Aufmerksamkeit für Veränderungen der eigenen Brust kann hilfreich sein. Eine Selbstuntersuchung ersetzt jedoch nicht die empfohlenen ärztlichen Früherkennungsuntersuchungen.
Zu den möglichen Warnzeichen gehören neu auftretende Knoten, Veränderungen der Brusthaut oder der Brustwarze sowie ungewöhnliche Absonderungen.
Solche Veränderungen bedeuten nicht automatisch, dass eine Krebserkrankung vorliegt. Sie sollten jedoch ärztlich abgeklärt werden.
Rostocker Brustzentrum diagnostiziert rund 500 Erkrankungen im Jahr
Für Patientinnen und Patienten mit Brustkrebs spielt die Behandlung in spezialisierten Einrichtungen eine wichtige Rolle.
Das Brustzentrum am Klinikum Südstadt Rostock ist Teil der Universitätsfrauenklinik und Poliklinik und wird von PD Dr. Steffi Hartmann geleitet.
Die Einrichtung erfüllt die Qualitätsanforderungen der Deutschen Krebsgesellschaft und verfügt über eine entsprechende Zertifizierung.
Nach Angaben des Klinikums werden dort jährlich rund 500 Brustkrebserkrankungen neu diagnostiziert.
Hinzu kommen etwa 4.000 Konsultationen in der Brustsprechstunde.
Die Behandlung erfolgt in enger Zusammenarbeit verschiedener medizinischer Fachrichtungen.
Dazu gehören unter anderem die Radiologie, die operative Therapie, die gynäkologische Onkologie und die medizinische Nachsorge.
Durch diese fachübergreifende Zusammenarbeit sollen Patientinnen und Patienten eine möglichst umfassende und individuell abgestimmte Versorgung erhalten.
Moderne Diagnostik und individuelle Behandlung
Für die Untersuchung von Brustveränderungen stehen am Klinikum Südstadt unterschiedliche diagnostische Verfahren zur Verfügung.
Dazu gehören Mammographie, Ultraschall und Magnetresonanztomographie.
Welche Untersuchungen notwendig sind, richtet sich nach der jeweiligen medizinischen Situation.
Wird eine Krebserkrankung festgestellt, beraten Spezialistinnen und Spezialisten in interdisziplinären Tumorkonferenzen über geeignete Behandlungsmöglichkeiten.
Dabei werden aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse und medizinische Leitlinien berücksichtigt.
Je nach Erkrankung können operative Verfahren, medikamentöse Therapien und weitere Behandlungsmöglichkeiten zum Einsatz kommen.
Ziel ist eine Therapie, die sowohl auf die Eigenschaften des Tumors als auch auf die persönliche Situation der betroffenen Patientin abgestimmt ist.
Brustschwestern begleiten Betroffene durch die Erkrankung
Neben der medizinischen Behandlung legt das Rostocker Brustzentrum Wert auf eine persönliche Betreuung.
Eine wichtige Aufgabe übernehmen dabei speziell ausgebildete Pflegefachkräfte, die sogenannten Breast Care Nurses oder Brustschwestern.
Sie begleiten Patientinnen von der Diagnose über die verschiedenen Behandlungsphasen bis zur Nachsorge.
Dabei stehen sie für medizinische und pflegerische Fragen zur Verfügung und unterstützen die Betroffenen auch beim Umgang mit Sorgen und Ängsten.
Gerade während einer Krebserkrankung kann eine verlässliche persönliche Ansprechperson von großer Bedeutung sein.
Denn neben den körperlichen Belastungen müssen Erkrankte häufig zahlreiche Entscheidungen treffen und ihren Alltag an neue Herausforderungen anpassen.
Die kontinuierliche Begleitung soll deshalb dazu beitragen, Unsicherheiten zu verringern und die Lebensqualität während der Behandlung zu unterstützen.
Pinktober soll auch über den Oktober hinaus wirken
Der internationale Brustkrebsmonat wurde 1985 in den Vereinigten Staaten ins Leben gerufen und entwickelte sich zu einer weltweiten Initiative.
Heute steht die rosa Schleife international für Solidarität, Hoffnung und die Aufklärung über Brustkrebs.
Mit der gemeinsamen Aktion am Klinikum Südstadt Rostock wollen die Schornsteinfeger und das Klinikteam jedoch ausdrücklich daran erinnern, dass Brustgesundheit nicht nur im Oktober Aufmerksamkeit verdient.
Früherkennung, qualifizierte Behandlung und eine konsequente Nachsorge bleiben das ganze Jahr über wichtig.
Für Dörte Fitzer-Siggelkow ist die Botschaft auch eine persönliche Herzensangelegenheit.
Ihre eigene Erkrankung hat sie dazu bewegt, anderen Frauen Mut zu machen und auf die Bedeutung medizinischer Vorsorge hinzuweisen.
Die Begegnung zwischen den traditionellen Glücksbringern und der rosa Schleife wurde damit zu mehr als einer symbolischen Aktion.
Sie sollte daran erinnern, dass hinter jeder Brustkrebsdiagnose ein Mensch steht, der neben moderner medizinischer Versorgung auch Unterstützung, Zuversicht und persönliche Zuwendung braucht.