Perleberg. Frauen, die häusliche Gewalt erleben, bedroht werden oder in einer anderen Form von Gewalt betroffen sind, haben in Perleberg jetzt eine neue Anlaufstelle. Im Mehrgenerationenhaus „Perle-Treff“ an der Reetzer Straße 73 wurde eine Frauenberatungsstelle eröffnet. Die Mitarbeiterinnen Nora Niel und Lina Kuhn unterstützen Betroffene, vermitteln weiterführende Hilfsangebote und helfen bei der Organisation geeigneter Schutzmaßnahmen. Mit der neuen Einrichtung soll der Gewaltschutz im Norden Brandenburgs deutlich gestärkt werden.
Die Beratungsstelle gehört zu insgesamt drei neuen Einrichtungen, die in der Region entstanden sind. Weitere Standorte wurden in Zehdenick und Neuruppin eröffnet. Träger ist der Verein Frauen für Frauen e. V. aus Neuruppin.
Neue Anlaufstelle für Frauen in schwierigen Lebenssituationen
Gewalt gegen Frauen findet häufig im privaten Umfeld statt. Betroffene stehen dabei nicht selten vor großen Herausforderungen, wenn sie Hilfe suchen oder sich aus einer bedrohlichen Situation lösen möchten.
Neben körperlichen Übergriffen können auch psychische Gewalt, Einschüchterungen und Drohungen das Leben erheblich beeinträchtigen.
Für Betroffene ist deshalb entscheidend, eine geeignete Anlaufstelle zu finden, bei der sie ihre Situation schildern und sich über mögliche Hilfen informieren können.
Mit der Frauenberatungsstelle im Perleberger Mehrgenerationenhaus wird dieses Unterstützungsangebot nun vor Ort erweitert.
Die beiden Mitarbeiterinnen Nora Niel und Lina Kuhn sind Ansprechpartnerinnen für Frauen, die Gewalt erlebt haben oder von Gewalt bedroht sind.
Dabei richtet sich das Angebot nicht ausschließlich an unmittelbar Betroffene.
Auch Fachkräfte und Menschen, die einer betroffenen Frau helfen möchten, können sich an die Beratungsstelle wenden.
Damit soll Unterstützung möglichst frühzeitig ermöglicht werden.
Individuelle Beratung und Unterstützung bei Schutzmaßnahmen
Im Mittelpunkt der Arbeit steht die persönliche Beratung.
Je nach Lebenssituation können Betroffene unterschiedliche Formen der Hilfe benötigen.
Während manche Frauen zunächst Informationen über ihre Rechte und vorhandene Unterstützungsangebote suchen, benötigen andere konkrete Hilfe bei der Organisation von Schutzmaßnahmen.
Die Mitarbeiterinnen der Beratungsstelle begleiten diese Prozesse und unterstützen dabei, geeignete Lösungen zu finden.
„Unser Beratungsangebot richtet sich an Frauen, die Gewalt erfahren haben oder von Gewalt bedroht sind, sowie an Fachkräfte und Menschen, die betroffene Frauen unterstützen möchten“, erklären Nora Niel und Lina Kuhn.
Neben der individuellen Beratung übernehmen sie bei Bedarf auch die Koordination geeigneter Gewaltschutzmaßnahmen.
Dabei soll berücksichtigt werden, welche Unterstützung im jeweiligen Einzelfall erforderlich ist.
Die neue Einrichtung soll damit nicht nur Informationen vermitteln, sondern auch den Zugang zu weiteren Hilfsangeboten erleichtern.
Enge Zusammenarbeit mit Polizei, Gerichten und Frauenhäusern
Ein wichtiger Bestandteil des Konzepts ist die Zusammenarbeit mit anderen Institutionen.
Die Frauenberatungsstelle steht im Austausch mit Polizei, Jugendämtern, Gerichten, Frauenhäusern und weiteren Beratungsangeboten.
Diese Vernetzung ist besonders wichtig, weil Gewalterfahrungen häufig unterschiedliche rechtliche, soziale und persönliche Fragen aufwerfen.
In manchen Situationen kann beispielsweise die Einschaltung der Polizei notwendig werden. In anderen Fällen stehen Fragen zum Schutz von Kindern, zu gerichtlichen Maßnahmen oder zu einer sicheren Unterbringung im Mittelpunkt.
Die Beratungsstelle soll dabei helfen, die jeweils geeigneten Ansprechpartner zusammenzubringen.
Ziel ist es, bestehende Hilfsangebote so zu koordinieren, dass betroffene Frauen möglichst bedarfsgerecht unterstützt werden.
Die Zusammenarbeit verschiedener Einrichtungen soll außerdem dazu beitragen, unnötige Hürden bei der Suche nach Hilfe zu vermeiden.
Stadt Perleberg sieht wichtigen Schritt beim Gewaltschutz
Perlebergs Gleichstellungsbeauftragte Regine Tausendfreund begrüßt die Eröffnung der Einrichtung.
„Mit der offiziellen Eröffnung der neuen Frauenberatungsstelle in Perleberg wurde ein weiterer wichtiger Schritt zur Stärkung des Gewaltschutzes für Frauen im Norden Brandenburgs gemacht“, erklärt sie.
Die Einrichtung erweitert das bestehende Hilfenetz und schafft eine zusätzliche Möglichkeit, Betroffene vor Ort zu unterstützen.
Bei der offiziellen Eröffnung hatten Interessierte Gelegenheit, die neu eingerichteten Räume kennenzulernen und sich über das Beratungsangebot zu informieren.
Darüber hinaus stand der fachliche Austausch zwischen den beteiligten Institutionen und Unterstützern im Mittelpunkt.
Dabei wurde nach Angaben der Stadt deutlich, wie wichtig die Zusammenarbeit unterschiedlicher Stellen für einen wirksamen Gewaltschutz ist.
Gerade in einer Region mit größeren Entfernungen zwischen einzelnen Städten und Gemeinden können wohnortnahe Beratungsangebote den Zugang zu Unterstützung erleichtern.
Drei neue Beratungsstellen im Norden Brandenburgs
Die Perleberger Einrichtung ist Teil eines regionalen Ausbaus der Hilfsangebote für gewaltbetroffene Frauen.
Neben der Rolandstadt wurden auch in Zehdenick und Neuruppin neue Frauenberatungsstellen eingerichtet.
Damit stehen Frauen im Norden Brandenburgs zusätzliche Anlaufstellen zur Verfügung.
Die Einrichtungen sollen zugleich dazu beitragen, bestehende Vorgaben zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen umzusetzen.
Dahinter steht das Ziel, Schutzmaßnahmen zu verbessern und die Unterstützung für Betroffene langfristig auszubauen.
Eine wichtige Rolle spielt dabei die sogenannte Istanbul-Konvention.
Das internationale Übereinkommen verpflichtet die Vertragsstaaten, Maßnahmen gegen Gewalt an Frauen und häusliche Gewalt zu ergreifen.
Dazu gehören Prävention, der Schutz betroffener Personen und die Bereitstellung geeigneter Unterstützungsangebote.
Die neuen Beratungsstellen sind ein regionaler Baustein beim Ausbau entsprechender Hilfestrukturen.
Warum wohnortnahe Beratung wichtig ist
Wer von Gewalt betroffen ist, benötigt oftmals nicht nur rechtliche oder medizinische Unterstützung, sondern auch eine verlässliche persönliche Ansprechperson.
Gerade in kleineren Städten und ländlichen Regionen kann es schwierig sein, spezialisierte Beratungsangebote schnell zu erreichen.
Längere Anfahrtswege oder fehlende Verkehrsverbindungen können zusätzliche Hindernisse darstellen.
Eine Beratungsstelle direkt in Perleberg erleichtert deshalb den Zugang zu Unterstützung für Frauen aus der Stadt und möglicherweise auch aus umliegenden Gemeinden.
Die Verbindung mit dem Mehrgenerationenhaus „Perle-Treff“ schafft zudem einen zentralen Standort innerhalb der Rolandstadt.
Dort können sich Betroffene über ihre Möglichkeiten informieren und gemeinsam mit den Beraterinnen weitere Schritte besprechen.
Welche Maßnahmen sinnvoll sind, hängt dabei immer von der jeweiligen persönlichen Situation ab.
Beratung von Montag bis Freitag möglich
Die neue Frauenberatungsstelle befindet sich im Mehrgenerationenhaus „Perle-Treff“, Reetzer Straße 73 in Perleberg.
Die regulären Öffnungszeiten sind montags bis freitags jeweils von 10 bis 16 Uhr.
Telefonisch sind Nora Niel und Lina Kuhn unter 03876 6109896 erreichbar.
Falls ein Anruf nicht direkt entgegengenommen werden kann, steht ein Anrufbeantworter zur Verfügung. Die Mitarbeiterinnen melden sich nach Möglichkeit zeitnah zurück.
Eine Kontaktaufnahme ist außerdem per E-Mail an beratung-pr@bik-nord.de möglich.
Frauen, die sich in einer akuten Gefahrensituation befinden, sollten dagegen unmittelbar die Polizei über den Notruf 110 verständigen.
Gewaltschutz braucht verlässliche Anlaufstellen
Mit der Eröffnung der Beratungsstelle erhält Perleberg ein zusätzliches Angebot für Menschen, die von Gewalt betroffen sind oder andere bei der Suche nach Hilfe unterstützen möchten.
Die Einrichtung verbindet persönliche Beratung mit der Vermittlung weiterführender Hilfen und der Zusammenarbeit verschiedener Institutionen.
Für den Verein Frauen für Frauen e. V. und die beteiligten Partner bedeutet der neue Standort eine Erweiterung des regionalen Unterstützungsnetzes.
Ob Frauen Hilfe frühzeitig in Anspruch nehmen können, hängt dabei auch davon ab, wie bekannt und erreichbar solche Angebote sind.
Mit der Frauenberatungsstelle im „Perle-Treff“ gibt es in der Rolandstadt nun eine feste Anlaufstelle, die Betroffenen Orientierung und Unterstützung bieten soll.