Was verbirgt sich südlich des berühmten Königsgrabes von Seddin? Archäologen haben bei neuen Ausgrabungen in der Prignitz große Mengen an Keramik und verbrannte Knochen entdeckt. Die Funde könnten weitere Hinweise auf die bislang nur teilweise erforschte Umgebung der monumentalen Grabanlage liefern. Über die neuesten Ergebnisse berichtet der Archäologe Dr. Immo Heske am Montag, 19. Oktober 2026, bei einem öffentlichen Vortrag in Perleberg.
Archäologen suchen nach der Siedlung des Königs
Das Königsgrab von Seddin gehört zu den bedeutenden archäologischen Fundstätten der Prignitz. Obwohl seine Grabkammer bereits vor 127 Jahren entdeckt wurde, sind wesentliche Fragen zur Geschichte und Funktion der Anlage bis heute ungeklärt.
Besonders interessiert die Wissenschaftler, wie das Umfeld des Grabes genutzt wurde und welche Bedeutung eine möglicherweise dazugehörige Siedlung besaß.
Seit Jahrzehnten untersuchen Archäologen das Gelände. Auch Studierende sind regelmäßig an den Forschungs- und Lehrgrabungen beteiligt.
Im Herbst 2026 konzentrieren sich die Arbeiten nun auf einen bislang weniger intensiv erforschten Bereich südlich des Königsgrabes. Dort wollen die Wissenschaftler neue Hinweise auf die vermutete „Siedlung des Königs Hinz“ gewinnen.
Große Mengen Keramik und verbrannte Knochen entdeckt
Im Mittelpunkt der aktuellen Untersuchungen steht ein Gebiet, in dem sich früher mehrere Grabhügel befanden. Diese gehörten zur sogenannten Kahlhorst-Gruppe.
Die Hügel wurden bereits im frühen 20. Jahrhundert abgetragen. Von ihnen existieren heute vor allem historische Fotografien.
Archäologische Erkundungen hatten jedoch die Vermutung aufkommen lassen, dass sich im Boden noch weitere Spuren erhalten haben könnten.
Eine kleinere Grabung im März 2026 brachte erste wichtige Hinweise. Daraufhin entschieden die Forscher, ihre größere Herbstgrabung in diesem Bereich anzusetzen.
Die aktuellen Arbeiten haben nach Angaben der Stadt Perleberg bemerkenswerte Materialmengen zutage gefördert. Dazu gehören zahlreiche Keramikfragmente und verbrannte Knochen.
Welche Bedeutung diese Funde im Einzelnen besitzen, ist noch Gegenstand der wissenschaftlichen Untersuchungen. Allein aus dem Vorhandensein verbrannter Knochen lässt sich beispielsweise noch nicht sicher auf ihre Herkunft oder die damalige Nutzung des Fundplatzes schließen.
Wie bedeutend war die Siedlung von Seddin?
Die entscheidende Frage reicht weit über die einzelnen Fundstücke hinaus.
Die Forscher wollen herausfinden, welche Größe und Bedeutung die einstige Siedlung im Umfeld des Königsgrabes hatte. Dabei geht es auch darum, ob sich Hinweise auf eine herausgehobene Siedlungsstruktur oder einen besonderen kultischen Bereich nachweisen lassen.
Die markante landschaftliche Lage der neuen Grabungsfläche spielt bei diesen Überlegungen ebenfalls eine Rolle.
Trotz umfangreicher Forschung bleiben die Zusammenhänge zwischen der Grabanlage, dem möglicherweise kultisch genutzten Umfeld und der vermuteten Siedlung in wesentlichen Teilen ungeklärt.
Die neuen Untersuchungen sollen helfen, dieses Bild Stück für Stück zu vervollständigen.
Forscher aus Göttingen und Brandenburg arbeiten zusammen
Die Grabungen erfolgen in Zusammenarbeit zwischen dem Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und Archäologischen Landesmuseum und dem Seminar für Ur- und Frühgeschichte der Georg-August-Universität Göttingen.
Auch Studierende der Universität wirken an den Arbeiten mit.
Die Untersuchungen sind Teil eines Forschungsprojektes zum Königsgrab Seddin, das mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft durchgeführt wird.
Darüber hinaus beteiligen sich Partner aus der Prignitz an den Forschungsarbeiten.
Die Zusammenarbeit soll archäologische Forschung und regionale Geschichtsvermittlung miteinander verbinden.
Öffentlicher Vortrag am 19. Oktober in Perleberg
Die neuesten Entdeckungen stehen am Montag, 19. Oktober, im Mittelpunkt eines Vortrags mit Dr. Immo Heske.
Unter dem Titel „Unendliche Weiten im Jahr 2026. Ausgrabungen beim Seddiner Königsgrab“ stellt der Archäologe aktuelle Ergebnisse vor und erläutert, welche Fragen sich aus den jüngsten Grabungen ergeben.
Beginn ist um 19 Uhr in der Aula des Gottfried-Arnold-Gymnasiums in der Puschkinstraße 13, Haus 1, in Perleberg.
Veranstaltet wird der Abend gemeinsam von der Rolandstadt Perleberg und dem Landkreis Prignitz im Rahmen des Projektes „Zeitschätze Prignitz“.
Zwei Führungen über das Grabungsgelände geplant
Wer die archäologischen Arbeiten unmittelbar kennenlernen möchte, erhält zwei Tage später eine weitere Gelegenheit.
Am Mittwoch, 21. Oktober, sind zwei öffentliche Führungen über das Grabungsgelände vorgesehen. Dr. Immo Heske und die beteiligten Studierenden wollen dabei Einblicke in die laufenden Untersuchungen geben.
Die Führungen beginnen um 15 Uhr und um 16.30 Uhr.
Für die Veranstaltungen bittet das Stadt- und Regionalmuseum Perleberg um eine rechtzeitige Anmeldung. Diese ist telefonisch unter 03876 781-422 oder per E-Mail an [museum@stadt-perleberg.de](mailto:museum@stadt-perleberg.de) möglich.
Die aktuellen Grabungen zeigen, dass das Königsgrab von Seddin auch mehr als ein Jahrhundert nach seiner Entdeckung neue Forschungsfragen aufwirft. Ob die jüngsten Funde tatsächlich weitere Aufschlüsse über Größe, Struktur und Bedeutung der vermuteten Siedlung ermöglichen, werden die wissenschaftlichen Auswertungen zeigen.