Ein musikalischer Streifzug durch mehrere Jahrhunderte europäischer Musikgeschichte erwartet die Besucher am Sonntag, dem 18. Oktober 2026, in Neuruppin. Die Flötistin Junko Ukigaya und die Pianistin Erika le Roux gestalten ab 17 Uhr ein Kammerkonzert im Schlossgarten-Café. Auf dem Programm stehen Werke französischer, spanischer und österreichisch-ungarischer Komponisten. Ein besonderes Motiv zieht sich durch mehrere Stücke: der Gesang der Nachtigall. Für den Musikverein Neuruppin ist es das letzte Kammerkonzert des Jahres.
Zwei Musikerinnen präsentieren selten gespielte Werke
Mit Junko Ukigaya an der Flöte und Erika le Roux am Klavier stehen zwei Musikerinnen im Mittelpunkt des Konzertnachmittags, die ein abwechslungsreiches Programm vorbereitet haben.
Dabei setzen sie nicht ausschließlich auf bekannte Kompositionen. Viele der ausgewählten Werke stammen von Komponisten, deren Namen einem breiten Publikum weniger vertraut sein dürften, die jedoch wichtige Beiträge zur europäischen Musikgeschichte geleistet haben.
Die Verbindung von Flöte und Klavier eröffnet dabei unterschiedliche musikalische Ausdrucksmöglichkeiten.
Während die Flöte mit ihrem klaren und beweglichen Klang besonders für melodische Linien geeignet ist, kann das Klavier sowohl begleiten als auch eigenständige musikalische Akzente setzen.
Das Konzert führt von barocken Kompositionen über romantische Salonmusik bis zu virtuosen Werken des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts.
Mendelssohns Melodie eröffnet den Konzertabend
Zu Beginn erklingt die „Fantaisie“ des Komponisten und Arrangeurs Henri Steckmest.
Das etwa um 1875 entstandene Salonstück basiert auf Felix Mendelssohn Bartholdys Lied „Auf Flügeln des Gesanges“.
Die bekannte Melodie wird dabei in einer Bearbeitung aufgegriffen, die besonders die klanglichen Möglichkeiten der Flöte zur Geltung bringt.
Solche Salonstücke gehörten im 19. Jahrhundert zu einer beliebten Form der musikalischen Unterhaltung.
Sie verbanden bekannte Melodien mit kunstvollen Variationen und boten Instrumentalisten die Möglichkeit, technische Fertigkeiten und musikalische Ausdruckskraft zu zeigen.
Die Nachtigall als musikalisches Leitmotiv
Ein besonders reizvoller Bestandteil des Programms ist die wiederkehrende musikalische Darstellung der Nachtigall.
Der französische Komponist François Couperin, geboren 1668, gehörte zu den bedeutenden Musikern am französischen Königshof.
Er wirkte als Cembalist und Organist und war unter anderem am Hof von Ludwig XIV. und Ludwig XV. tätig.
Von ihm erklingt das berühmte Stück „Le rossignol en amour“, zu Deutsch „Die verliebte Nachtigall“.
In der Komposition werden die charakteristischen Gesänge des Vogels musikalisch nachgebildet.
Auch der französische Flötist Johannès Donjon beschäftigte sich mit diesem Motiv.
Der 1839 in Lyon geborene Musiker war Soloflötist an der Pariser Oper. Seine Komposition „Rossignolet“, Opus 8 Nr. 1, greift ebenfalls den Gesang der Nachtigall auf.
Die Flöte eignet sich durch ihre Beweglichkeit und ihre hellen Klangfarben besonders für die Nachahmung von Vogelstimmen.
Spanische Klaviermusik von Enrique Granados
Einen weiteren Schwerpunkt setzt Pianistin Erika le Roux mit einem Werk des spanischen Komponisten Enrique Granados.
Aus dessen Klavierzyklus „Goyescas“ interpretiert sie das Stück „Quejas o la Maja y el Ruiseñor“.
Die Komposition wurde von der Bilderwelt des spanischen Malers Francisco de Goya inspiriert.
Im Mittelpunkt steht der sehnsuchtsvolle Dialog einer jungen Frau mit einer Nachtigall.
Die Musik verbindet melancholische Melodien mit virtuosen Passagen und gehört zu den bekanntesten Teilen des Klavierzyklus.
Granados, der von 1867 bis 1916 lebte, zählt zu den bedeutenden spanischen Komponisten seiner Epoche.
Seine Werke greifen häufig musikalische Traditionen Spaniens auf und verbinden sie mit der europäischen Klaviermusik seiner Zeit.
Gabriel Fauré stellt hohe Anforderungen an die Flöte
Anschließend treten Flöte und Klavier wieder gemeinsam auf.
Auf dem Programm stehen drei Kompositionen des französischen Komponisten Gabriel Fauré.
Zu hören sind die „Berceuse“ in D-Dur, die „Sicilienne“ und die „Fantaisie“ Opus 79.
Besonders die 1898 entstandene Fantaisie stellt hohe technische und musikalische Anforderungen.
Fauré komponierte das Werk ursprünglich als Pflichtstück für die Flötenklasse des Pariser Konservatoriums.
Gefordert werden eine präzise Atemkontrolle, technische Beweglichkeit und ein differenzierter Ton.
Gleichzeitig muss die Interpretation die lyrischen und ausdrucksstarken Passagen der Komposition zur Geltung bringen.
Die drei Werke zeigen unterschiedliche Seiten des französischen Komponisten, der zu den prägenden Persönlichkeiten der französischen Musik des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts gehört.
Musik von Georges Hüe und Cécile Chaminade
Der zweite Konzertteil beginnt mit der „Fantaisie“ des französischen Komponisten Georges Hüe.
Anschließend steht eine Komposition von Cécile Chaminade auf dem Programm.
Die französische Komponistin wurde im 19. Jahrhundert in Paris geboren und erlangte durch ihre Klavierwerke und Konzertreisen internationale Bekanntheit.
1913 wurde sie als erste Komponistin in die französische Ehrenlegion aufgenommen.
Ihre Musik war zu Lebzeiten besonders populär. Nach ihrem Tod gerieten allerdings viele ihrer Werke zunehmend in Vergessenheit.
Beim Konzert in Neuruppin steht ihr „Concertino“ Opus 107 auf dem Programm.
Das Werk gehört zu den bekannten Kompositionen für Flöte und Klavier und verbindet virtuose Abschnitte mit lyrischen Melodien.
Wagner-Melodie in einer Bearbeitung von Franz Liszt
Ein weiterer Höhepunkt ist das „Spinnerlied“ aus Richard Wagners Oper „Der fliegende Holländer“.
Zu hören ist eine Klaviertranskription von Franz Liszt.
Der ungarische Komponist und Pianist war für seine technisch anspruchsvollen Bearbeitungen bekannter Opernmelodien berühmt.
Mit solchen Transkriptionen machte er große Orchester- und Bühnenwerke auch als eigenständige Klavierstücke zugänglich.
Das Spinnerlied entstammt dem Chor der Spinnerinnen aus Wagners Oper und gehört zu deren charakteristischen musikalischen Szenen.
In Liszts Bearbeitung wird die rhythmische Bewegung des Originals auf das Klavier übertragen und durch virtuose Elemente erweitert.
Hirtenfantasie bildet den Abschluss
Zum Abschluss des Konzerts präsentieren Junko Ukigaya und Erika le Roux die „Hirtenfantasie“ von Albert Franz Doppler.
Der österreichisch-ungarische Komponist war selbst ein bedeutender Flötist.
Seine Werke zeichnen sich durch melodischen Einfallsreichtum und virtuose Anforderungen an das Instrument aus.
Dabei griff Doppler auch Einflüsse der ungarischen und polnischen Volksmusik auf.
Die Hirtenfantasie bietet den beiden Musikerinnen zum Konzertabschluss noch einmal Gelegenheit, das Zusammenspiel von Flöte und Klavier in unterschiedlichen musikalischen Stimmungen zu gestalten.
Letztes Kammerkonzert des Jahres in Neuruppin
Mit dem Auftritt von Junko Ukigaya und Erika le Roux beendet der Musikverein Neuruppin seine Kammerkonzertreihe für das Jahr 2026.
Das Konzert beginnt am Sonntag, dem 18. Oktober, um 17 Uhr im Schlossgarten-Café an der Alt Ruppiner Allee 88 in Neuruppin.
Der reguläre Eintritt beträgt 20 Euro. Schülerinnen, Schüler und Studierende zahlen fünf Euro.
Karten sind über die Internetseite des Musikvereins Neuruppin, bei den Reservix-Vorverkaufsstellen sowie direkt beim Musikverein erhältlich.
Telefonische Informationen gibt es unter 03391 6598198.
Die Konzertreihe wird am Mittwoch, dem 4. November, mit einem Sinfoniekonzert des Brandenburgischen Staatsorchesters fortgesetzt.
Das Orchester gastiert um 19 Uhr in der Kulturkirche Neuruppin.
Für den 9. Januar 2027 sind außerdem zwei Neujahrskonzerte mit dem Brandenburgischen Staatsorchester angekündigt. Die Vorstellung um 15 Uhr ist bereits ausverkauft, während für die Abendveranstaltung um 19 Uhr weitere Karten angeboten werden.
Mit dem Kammerkonzert am 18. Oktober erwartet Musikfreunde zuvor ein abwechslungsreicher Nachmittag, der selten gespielte Kompositionen mit bekannten Melodien und musikalischen Naturbildern verbindet.