Neubrandenburg hat am Montag, dem 12. Oktober 2026, die neue Grundschule Datzeberg im Einkaufszentrum DatzeCenter offiziell eröffnet. Für rund 9,9 Millionen Euro wurden bislang leer stehende Gewerbeflächen zu einem modernen Schulstandort umgebaut. Nach den Herbstferien sollen 152 Schülerinnen und Schüler sowie 25 Beschäftigte in die neuen Räume einziehen. Das Projekt ist zugleich ein ungewöhnliches Beispiel für die Umnutzung bestehender Handelsimmobilien.

Aus leer stehenden Ladenflächen wird eine Grundschule

Wo früher Gewerbeflächen vorgesehen waren, werden künftig Kinder lesen, schreiben und rechnen lernen. Innerhalb von gut einem Jahr entstanden im ersten und zweiten Obergeschoss des DatzeCenters rund 4.100 Quadratmeter Schulfläche.

Die neue Einrichtung ist für einen zweizügigen Schulbetrieb mit bis zu 224 Kindern ausgelegt. Zum Start werden 152 Schülerinnen und Schüler in acht Klassen und vier Förderlerngruppen unterrichtet.

Acht großzügige Klassenräume, Fachräume für Kunst, Musik und Werken sowie zusätzliche Räume für Lesen und Bewegung gehören zur Ausstattung. Sieben weitere Gruppenräume ermöglichen individuelle Förderung und Unterricht in kleineren Lerngruppen.

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Inklusion. Vier Räume stehen für Diagnose-Förderlerngruppen bereit, drei weitere für die sogenannte Kleine Schulwerkstatt, ein Präventions- und Förderangebot für Kinder mit besonderem Unterstützungsbedarf.

Schule im Einkaufszentrum – aber vollständig getrennt

Die Unterbringung einer Grundschule in einem weiterhin genutzten Einkaufszentrum stellt besondere Anforderungen an Sicherheit und Organisation.

Deshalb wurde der Schulbereich baulich vollständig vom Geschäftsbetrieb getrennt. Eigene Eingänge stellen sicher, dass Kunden des DatzeCenters keinen Zugang zur Schule erhalten.

Die Unterrichtsräume befinden sich ausschließlich im ersten Obergeschoss. Im zweiten Obergeschoss sind unter anderem die Verwaltung und Räume für Lehrkräfte untergebracht.

Ein neuer Treppenturm und ein Aufzug erschließen die verschiedenen Etagen. Fenster wurden erneuert und mit außen liegendem Sonnenschutz ausgestattet. Auch Heizungs-, Lüftungs-, Sanitär- und Elektroanlagen mussten an die neue Nutzung angepasst werden.

Moderne Lernräume statt klassischer Schulmöblierung

Bei der Innenraumgestaltung setzte die Stadt auf flexible Lernmöglichkeiten. Die Klassenräume sind mit beweglichen Einzeltischen ausgestattet, die sich je nach Unterrichtsform unterschiedlich zusammenstellen lassen.

Jedes Kind erhält einen eigenen Spind sowie persönliche Ablagefächer für Schulmaterialien.

Auch die Flure werden zum Lernen genutzt. Flexible Sitz- und Bewegungselemente schaffen zusätzliche Aufenthaltsmöglichkeiten. Besonders auffällig ist eine mehrstufige Lernlandschaft in Form eines Eisbergs, die zum gemeinsamen Arbeiten und Verweilen einlädt.

An der Gestaltung waren neben Schulleitung und Lehrkräften auch Schülerinnen und Schüler beteiligt. In Workshops konnten sie unter anderem bei Farben, Möbeln und dem Orientierungssystem mitwirken.

Neuer Schulhof mit Sportflächen und grünem Klassenzimmer

Zum Schulstandort gehört ein rund 1.500 Quadratmeter großer, neu gestalteter Schulhof. Dort stehen den Kindern ein Bolzplatz, ein Basketballkorb, Kletter- und Balancierelemente sowie ein barrierearm nutzbares Bodentrampolin zur Verfügung.

Hochbeete, darunter zwei rollstuhlgerecht nutzbare Anlagen, sollen auch im Unterricht eingesetzt werden. Ein grünes Klassenzimmer mit Sonnensegel ermöglicht das Lernen im Freien.

Neue Bäume und Sträucher ergänzen die Außenanlagen und sollen künftig zusätzliche Schattenflächen schaffen.

Kosten steigen von acht auf 9,9 Millionen Euro

Der Umbau begann am 16. Juli 2025. Ursprünglich waren dafür rund acht Millionen Euro veranschlagt. Inzwischen belaufen sich die Gesamtkosten auf etwa 9,9 Millionen Euro.

Das entspricht einem Anstieg um rund 1,9 Millionen Euro beziehungsweise knapp 24 Prozent gegenüber der ursprünglichen Planung.

Nach Angaben der Stadt ist die Kostensteigerung unter anderem auf zusätzliche Schulflächen zurückzuführen. Damit sollten die Anforderungen der Schulbauempfehlungen Mecklenburg-Vorpommerns besser berücksichtigt werden.

Finanziert wird das Vorhaben durch die Stadt Neubrandenburg. Das Land Mecklenburg-Vorpommern beteiligt sich mit einer Sonderbedarfszuweisung von 750.000 Euro.

Grundlage der Nutzung ist ein Mietvertrag mit dem Eigentümer des DatzeCenters über 20 Jahre. Zwei Verlängerungsoptionen um jeweils fünf Jahre ermöglichen eine Nutzung von insgesamt bis zu 30 Jahren. Der Eigentümer übernahm auf vertraglicher Grundlage den Umbau der Flächen.

Oberbürgermeister spricht von Investition in den Stadtteil

Oberbürgermeister Nico Klose bezeichnete die neue Schule bei der Eröffnung als wichtigen Schritt für die Zukunft des Datzebergs.

„Diese Schule ist ein klares Bekenntnis zum Stadtteil und zu den Familien, die hier leben“, erklärte Klose.

Die Stadt sieht in dem Projekt nicht nur eine Verbesserung der schulischen Infrastruktur, sondern auch einen Beitrag zur Entwicklung des Stadtteils. Statt ein vollständig neues Gebäude zu errichten, wurden bislang ungenutzte Flächen einer bestehenden Immobilie wieder einer dauerhaften Nutzung zugeführt.

Schulgeschichte reicht bis 1979 zurück

Die Grundschule Datzeberg blickt auf eine jahrzehntelange Geschichte zurück. Am 23. November 1979 wurde das bisherige Schulgebäude in der Rasgrader Straße 4 eröffnet. Zunächst war dort die 20. Polytechnische Oberschule untergebracht.

Nach der Wiedervereinigung entstand 1992 die 12. Grundschule mit Integrationsklassen. Seit 2008 trägt die Einrichtung ihren heutigen Namen.

Bereits 2010 hatten Schülerinnen und Schüler den Wunsch nach einem neuen Schulgebäude geäußert. Mehr als 16 Jahre später wird dieser Wunsch nun Wirklichkeit.

Die Eröffnung im DatzeCenter fand unter dem Motto „Leinen los! Unsere Schule nimmt Fahrt auf!“ statt. Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte gestalteten die Feier mit Musik, Tanz und einer symbolischen Schiffstaufe.

Während der Herbstferien erfolgt der Umzug. Nach Ferienende soll der reguläre Unterricht in den neuen Räumen beginnen.

Das bisherige Schulgebäude an der Rasgrader Straße 4 wird anschließend nicht mehr für den Grundschulbetrieb benötigt. Die Stadt bereitet bereits den Verkauf der Immobilie vor.