Magdeburg. Wenn das Geld für eine dringend benötigte Waschmaschine fehlt oder werdende Eltern die Erstausstattung für ihr Kind nicht bezahlen können, kann schnelle finanzielle Unterstützung entscheidend sein. Seit 25 Jahren hilft die Stiftung „Familie in Not – Sachsen-Anhalt“ Menschen, die durch schwierige Lebensumstände in wirtschaftliche Bedrängnis geraten sind. Ihr Jubiläum feierte die Einrichtung im Familienhaus Magdeburg mit Vertretern aus Politik, Verwaltung und sozialen Beratungsstellen.

Die Stiftung unterstützt insbesondere Alleinerziehende, Schwangere und Familien, wenn staatliche Sozialleistungen oder andere Hilfsangebote nicht ausreichen. Dabei geht es häufig um Ausgaben, die für viele Haushalte selbstverständlich erscheinen, für Menschen mit geringem Einkommen jedoch eine erhebliche finanzielle Belastung darstellen.

3.517 Anträge auf Unterstützung im Jahr 2025

Wie groß der Unterstützungsbedarf weiterhin ist, verdeutlichen die aktuellen Zahlen. Im Jahr 2025 wurden bei der Stiftung 3.517 Anträge auf Leistungen der Bundesstiftung „Mutter und Kind“ gestellt.

Bemerkenswert ist die Entwicklung vor dem Hintergrund sinkender Geburtenzahlen in Sachsen-Anhalt. Obwohl im Land seit Jahren weniger Kinder geboren werden, ist die Zahl der Hilfsanträge nach Angaben des Sozialministeriums in den vergangenen Jahren weitgehend konstant geblieben.

Das bedeutet allerdings nicht, dass sämtliche Anträge bewilligt wurden. Eine entsprechende Zahl nennt das Ministerium in seiner Mitteilung nicht.

Die anhaltend hohe Nachfrage zeigt, dass finanzielle Schwierigkeiten rund um Schwangerschaft und Familiengründung weiterhin zahlreiche Menschen betreffen. Neben unvorhergesehenen Notfällen können auch veränderte familiäre Verhältnisse dazu führen, dass das verfügbare Einkommen für notwendige Anschaffungen nicht mehr ausreicht.

Sozialministerin würdigt ein Vierteljahrhundert Unterstützung

Sachsen-Anhalts Sozialministerin Petra Grimm-Benne (SPD) gratulierte der Stiftung zum Jubiläum und hob die Bedeutung der geleisteten Unterstützung hervor.

„25 Jahre Stiftung ‚Familie in Not – Sachsen-Anhalt‘ stehen für ein Vierteljahrhundert gelebter Solidarität, unbürokratischer Hilfe und Mitmenschlichkeit“, erklärte die Ministerin.

Die Stiftung unterstütze Menschen in schwierigen Lebenssituationen und helfe Familien dabei, wieder selbstständig Perspektiven für ihre Zukunft zu entwickeln.

Auch Sarah Schulze, stellvertretende Vorsitzende des Stiftungsvorstandes, unterstrich bei der Jubiläumsveranstaltung den ursprünglichen Auftrag der Einrichtung. Sie solle Familien insbesondere dann beistehen, wenn unerwartete Ereignisse oder veränderte Lebensumstände nicht mehr aus eigener Kraft bewältigt werden könnten.

Eine wichtige Rolle spielen dabei die Schwangerschaftsberatungsstellen in Sachsen-Anhalt. Ihre Mitarbeiter stehen in direktem Kontakt mit den Betroffenen, beraten zu Unterstützungsmöglichkeiten und vermitteln zwischen Hilfesuchenden und der Stiftung.

Langjähriger Geschäftsführer Frank Winckler verabschiedet

Das Jubiläum war zugleich mit einem personellen Wechsel verbunden. Der langjährige Geschäftsführer Frank Winckler wurde im Rahmen der Veranstaltung feierlich verabschiedet.

Winckler hatte bereits 1995 seine Tätigkeit beim Vorgängerverein aufgenommen und begleitete später als Geschäftsführer den Aufbau und die Entwicklung der Stiftung. Damit war er über drei Jahrzehnte in der Unterstützung bedürftiger Familien engagiert.

Sozialministerin Grimm-Benne würdigte seine Arbeit ausdrücklich. Winckler und sein Team hätten wesentlich dazu beigetragen, dass Familien und Schwangere über viele Jahre zuverlässig und möglichst unbürokratisch unterstützt werden konnten.

Nadine Stephan übernimmt die Geschäftsführung

Seit dem 1. Oktober 2026 steht Nadine Stephan an der Spitze der Stiftung. Sie übernimmt die Geschäftsführung in einer Phase, in der sich sowohl die Lebenssituationen der Hilfesuchenden als auch die Anforderungen an die Verwaltung verändern.

Ein Schwerpunkt ihrer künftigen Arbeit liegt auf der Verbesserung der Zusammenarbeit mit den Schwangerschaftsberatungsstellen. Bestehende Abläufe sollen überprüft und weiterentwickelt werden.

Zugleich soll die Interessenvertretung für Familien in finanziellen Notlagen gestärkt werden. Die Erfahrungen aus der täglichen Beratung sollen dabei helfen, Unterstützungsbedarfe frühzeitig zu erkennen und stärker in die öffentliche Diskussion einzubringen.

Digitale Antragsbearbeitung soll Verfahren vereinfachen

Auch technisch bereitet sich die Stiftung auf Veränderungen vor. Eine neue Bearbeitungssoftware soll künftig den Austausch zwischen Beratungsstellen und Geschäftsstelle erleichtern.

Geplant ist eine papierlose und datenschutzkonforme Bearbeitung der Anträge. Damit sollen Verwaltungsabläufe vereinfacht und die Zusammenarbeit der beteiligten Einrichtungen verbessert werden.

Das Land Sachsen-Anhalt übernimmt weiterhin die vollständigen Personal- und Sachkosten der Geschäftsstelle. Dadurch soll die organisatorische Grundlage für die Unterstützung von Familien gesichert bleiben.

Von einem Hilfsverein zur landesweiten Stiftung

Die Geschichte der Einrichtung reicht bis in die ersten Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung zurück.

Bereits 1992 wurde auf Initiative der damaligen Landesregierung der Verein „Familie in Not – Land Sachsen-Anhalt“ gegründet. Das Land stellte dafür ein Grundstockvermögen von zwei Millionen D-Mark bereit.

Von Beginn an war vorgesehen, aus dem Verein eine eigenständige Stiftung zu entwickeln. Am 1. Februar 2001 erfolgte schließlich die Gründung der rechtsfähigen Stiftung „Familie in Not – Sachsen-Anhalt“.

Seither unterstützt sie Familien in außergewöhnlichen finanziellen Schwierigkeiten. Als zentrale Einrichtung der Bundesstiftung „Mutter und Kind“ in Sachsen-Anhalt übernimmt sie zudem eine wichtige Aufgabe bei der Unterstützung schwangerer Frauen.

Nach einem Vierteljahrhundert bleibt diese Arbeit gefragt. Die konstant hohe Zahl der Hilfsanträge zeigt, dass finanzielle Notlagen rund um Schwangerschaft, Kindererziehung und familiäre Veränderungen weiterhin eine erhebliche soziale Herausforderung darstellen.

Mit der neuen Geschäftsführung und der geplanten Digitalisierung will die Stiftung ihre Arbeit fortsetzen und die Unterstützung für betroffene Familien weiterentwickeln.