Teltow. Wilde Gartenecken statt perfekt gemähter Rasenflächen, heimische Blühpflanzen statt eintöniger Zierbeete und Laubhaufen als Unterschlupf für Igel: In Teltow setzen immer mehr Gartenbesitzer auf eine naturnahe Gestaltung ihrer Grundstücke. Für dieses Engagement hat die Arbeitsgemeinschaft „(G)Artenvielfalt“ der Lokalen Agenda 21 jetzt insgesamt 51 Gärten ausgezeichnet. Die feierliche Ehrung fand am 13. Oktober 2026 im Stubenrauchsaal statt. Rund 100 Gäste nahmen an der Veranstaltung teil.
Mit der Aktion möchte die Stadt zeigen, dass Naturschutz nicht ausschließlich in großen Schutzgebieten stattfindet. Auch private Gärten können wertvolle Lebensräume für heimische Tiere und Pflanzen bieten.
51 Gärten erfüllen die Kriterien für mehr Artenvielfalt
Die Auszeichnung ist das Ergebnis eines Projekts, das von sechs ehrenamtlich engagierten Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft „(G)Artenvielfalt“ vorbereitet und begleitet wurde.
Bis Ende Juni konnten sich Teltower Gartenbesitzer für die Teilnahme bewerben. Anschließend besuchten die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft im Sommer die angemeldeten Grundstücke und untersuchten deren naturnahe Gestaltung.
Grundlage waren zwölf Bewertungskriterien, anhand derer die Gärten beurteilt wurden.
Im Mittelpunkt stand dabei nicht die Frage, welcher Garten besonders ordentlich oder aufwendig gestaltet ist. Entscheidend war vielmehr, welchen Beitrag die jeweilige Fläche zum Erhalt der biologischen Vielfalt leistet.
Insgesamt 51 Gärten erfüllten die Anforderungen und wurden dafür mit einer Plakette ausgezeichnet.
Die Ehrung soll das Engagement der Gartenbesitzer sichtbar machen und gleichzeitig weitere Menschen dazu anregen, ihre Grundstücke naturnäher zu gestalten.
Heimische Pflanzen bieten Nahrung für Insekten
Ein wichtiges Bewertungskriterium war die Verwendung heimischer Pflanzen.
Viele heimische Wildblumen, Stauden und Sträucher bieten Insekten Nektar, Pollen und geeignete Lebensräume. Besonders Wildbienen, Schmetterlinge und andere Bestäuber profitieren von einem vielfältigen Pflanzenangebot.
Dabei spielt nicht nur die Anzahl der Blüten eine Rolle. Ebenso wichtig ist, dass während möglichst vieler Monate im Jahr geeignete Nahrung verfügbar ist.
Wer unterschiedliche heimische Pflanzen mit verschiedenen Blütezeiten kombiniert, kann dazu beitragen, dass Insekten vom Frühjahr bis in den Herbst Nahrung finden.
Auch Vögel profitieren von naturnahen Gärten. Viele Arten ernähren sich von Insekten oder nutzen die Früchte heimischer Gehölze.
Eine abwechslungsreiche Bepflanzung kann deshalb ein kleines, aber wichtiges ökologisches Netzwerk entstehen lassen.
Die Teltower Arbeitsgemeinschaft möchte mit ihrer Auszeichnung verdeutlichen, dass eine naturnahe Gartengestaltung nicht zwangsläufig aufwendig sein muss.
Oft können bereits Veränderungen bei der Pflanzenauswahl und der Pflege dazu beitragen, die Lebensbedingungen für heimische Arten zu verbessern.
Laubhaufen und wilde Ecken sind ausdrücklich erwünscht
Besondere Aufmerksamkeit erhielten bei der Bewertung auch Rückzugsorte für Kleintiere.
Dazu gehören beispielsweise Laubhaufen, naturbelassene Ecken und Bereiche, in denen Pflanzen ungestört wachsen dürfen.
Was in einem konventionell gepflegten Garten mitunter als unordentlich gilt, kann für zahlreiche Tiere von Bedeutung sein.
Igel nutzen geschützte Bereiche unter Laub und Zweigen als Unterschlupf. Auch Insekten und andere Kleintiere finden in solchen Strukturen geeignete Rückzugsräume.
Gerade im Herbst sind Laubhaufen ein wichtiger Bestandteil naturnaher Gärten.
Wer abgestorbene Pflanzenreste nicht vollständig entfernt, kann zudem Überwinterungsmöglichkeiten für verschiedene Tierarten erhalten.
Die Arbeitsgemeinschaft spricht sich deshalb ausdrücklich gegen die Vorstellung aus, dass ein ökologisch wertvoller Garten jederzeit perfekt aufgeräumt sein müsse.
Stattdessen sollen natürliche Strukturen erhalten bleiben und unterschiedliche Lebensräume entstehen.
Perfekter Rasen ist nicht automatisch ein guter Lebensraum
Mit der Aktion stellt die Stadt Teltow auch verbreitete Vorstellungen von Gartengestaltung infrage.
Kurz geschnittene Rasenflächen, regelmäßig entfernte Wildpflanzen und streng strukturierte Beete gelten vielerorts als Ausdruck guter Gartenpflege.
Aus ökologischer Sicht können solche Flächen jedoch vergleichsweise wenig Nahrung und Schutz für Tiere bieten.
Eine naturnähere Gestaltung setzt dagegen auf unterschiedliche Pflanzenarten, eine abwechslungsreiche Vegetation und Rückzugsmöglichkeiten.
Dabei muss nicht der gesamte Garten verwildern.
Bereits einzelne Bereiche können gezielt so gestaltet werden, dass sie Insekten und Kleintieren zugutekommen.
Eine kleine Wildblumenfläche, heimische Sträucher oder ein naturbelassener Laubhaufen können den ökologischen Wert eines Grundstücks erhöhen.
Das Projekt „Naturnahe Gärten“ möchte solche Möglichkeiten sichtbar machen und Gartenbesitzer ermutigen, eigene Ideen umzusetzen.
Bürgermeister Andre Freymuth würdigt ehrenamtlichen Einsatz
Teltows Bürgermeister Andre Freymuth begrüßt die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger.
„Jeder Garten, der Lebensraum für heimische Pflanzen und Tiere bietet, trägt dazu bei, die biologische Vielfalt in Teltow zu stärken“, erklärt Freymuth.
Besonders hebt er die Arbeit der ehrenamtlichen Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft hervor.
„Mein Dank gilt allen Teilnehmenden sowie den Ehrenamtlichen der AG „(G)Artenvielfalt“, die dieses Projekt mit großem Einsatz auf den Weg gebracht haben“, so der Bürgermeister.
Die Aktion zeigt nach Einschätzung der Stadt, dass sich kommunaler Naturschutz und privates Engagement sinnvoll ergänzen können.
Denn viele kleine naturnahe Flächen können zusammen einen Beitrag dazu leisten, Lebensräume innerhalb des Stadtgebiets zu erhalten und zu vernetzen.
Auszeichnung bringt Gartenfreunde zusammen
Bei der Veranstaltung im Stubenrauchsaal stand nicht ausschließlich die Übergabe der Plaketten im Mittelpunkt.
Die rund 100 Gäste nutzten den Abend auch, um miteinander ins Gespräch zu kommen und Erfahrungen auszutauschen.
Gerade beim naturnahen Gärtnern können praktische Tipps und persönliche Erfahrungen hilfreich sein.
Welche Pflanzen eignen sich für einen bestimmten Standort? Wie lassen sich Rückzugsorte für Tiere schaffen? Und wie kann ein Garten abwechslungsreich gestaltet werden, ohne dass die Pflege zu aufwendig wird?
Solche Fragen beschäftigen viele Gartenbesitzer, die ihre Grundstücke stärker an ökologischen Gesichtspunkten ausrichten möchten.
Mit dem Projekt schafft die Arbeitsgemeinschaft deshalb zugleich eine Möglichkeit zur Vernetzung innerhalb der Stadt.
Die ausgezeichneten Gärten können als Anregung für andere Grundstückseigentümer dienen.
Weitere Projekte für Teltows grüne Lebensräume geplant
Nach der erfolgreichen Auszeichnung der 51 Gärten möchte die AG „(G)Artenvielfalt“ ihre Arbeit fortsetzen.
Bereits jetzt sind weitere Projekte rund um naturnahes Gärtnern, Artenvielfalt und die Entwicklung grüner Lebensräume in Teltow vorgesehen.
Konkrete Termine und Inhalte wurden zunächst nicht bekannt gegeben.
Mit der Aktion hat die Arbeitsgemeinschaft jedoch bereits ein sichtbares Zeichen gesetzt.
Die ausgezeichneten Gartenbesitzer zeigen, dass sich die Gestaltung privater Grundstücke und der Schutz heimischer Arten miteinander verbinden lassen.
Für Teltow bedeutet das 51 zusätzliche Beispiele dafür, wie Naturschutz im unmittelbaren Wohnumfeld gelebt werden kann.